Heldenfingen / Christine Weinschenk Auf dem Hof der Familie Banzhaf in Heldenfingen traten am Wochenende die besten Schäfer Deutschlands gegeneinander an. Die Goldene Schippe ging nach Thüringen.

Wie ein Dirigent steht der Schäfer vor der Herde. Die Hunde gehorchen auf Fingerzeig und lenken die Schafe – zumindest meistens. Dass Hüten gar nicht so leicht ist, wie es aussieht, das wurde den Besuchern am Wochenende schnell klar. Zwei Tage lang traten die besten Schäfer Deutschlands - qualifiziert durch den Gewinn eines Landeswettbewerbs - beim Bundesleistungshüten der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände auf dem Schafhof der Familie Banzhaf gegeneinander an. Und da hatte sich natürlich auch reichlich Fachpublikum eingefunden – leicht zu erkennen an breitkrempigem Hut und langem Stock mit Schippe.

Das Fachpublikum kommentiert

Kein leichtes Unterfangen, das zeigte sich gleich zu Beginn des Wettkampfs. Schon der erste Teilnehmer, der Starter für Baden-Württemberg aus Baden-Baden, warf nach der ersten Disziplin, dem Auspferchen, das Handtuch. „Die Schafe sind ausgebrochen und in die falsche Richtung gelaufen. Das hat alles nicht so gut geklappt“, fasste Albert Aigner, selbst Schäfer aus Ulm, zusammen. Das Problem, so stellte das Fachpublikum an Rand des Hütegeländes fest, könnte gewesen sein, dass nur mit einem Hund gehütet wurde und die Schafe der Banzhafs aber zwei gewohnt sind.

Der zweite Teilnehmer aus Schleswig-Holstein arbeitete mit zwei Hunden, hatte aber dennoch seine Schwierigkeiten. Vor allem beim engen Gehüt, bei dem die Herde auf engem Raum ruhig weiden soll. Immer wieder brachen Schafe aus der Herde aus und mussten von den Hunden zurückgetrieben werden. „Das gibt ordentlich Punktabzug“, da war man sich einig. Fremde Umgebung, fremde Herde, dazu noch die vielen Besucher – das machte allen Beteiligten offenbar zu schaffen. Hechelnd und mit gesenktem Kopf umkreisten die Hunde die Herde, so sieht Schwerstarbeit aus.

Trotzdem identifizierte das Publikum im zweiten Durchgang als Problem zunächst einen Hund, ein Harzer Fuchs namens „Rambo“. Zu jung und wild sei er und trage seinen Namen zu Recht. Statt die Herde zusammenzuhalten, schob er sie von hinten, biss Schafe in die Beine, trieb damit Tiere ab und sorgte für Unruhe. „Der macht, was er will“, resümierte Winfried Weinhold, ebenfalls Schäfer und extra aus Sachsen angereist. „Ein Hund hat hinter der Herde eigentlich nichts zu suchen. Er muss links und rechts arbeiten.“ Und beißen sollten die Hunde eigentlich nur im Notfall.

Kritik am Schäfer

Daher gab es auch am Schäfer Kritik. Denn der sollte eigentlich Ruhe reinbringen: „Er steht zu weit weg und hat keine Verbindung zur Herde. Er müsste mehr sprechen.“ Der Schäfer sprach zwar, aber mehr zu seinen Hunden. „Rambo! Langsam!“ schallte es über das Gelände. „Je lauter er werden muss, desto mehr Druck haben die Hunde“, bemängelte Albert Aigner. „Jetzt sind auch die Schafe völlig durch den Wind.“ Ob es an der mangelnden Kommunikation lag, lässt sich nicht sagen. Jedenfalls lief kein einziges Schaf über die Brücke, alle drängten daran vorbei. „Das kann passieren, aber eigentlich nicht beim Bundeswettbewerb“, kommentierte Winfried Weinhold. „Hüten ist eine Kunst, aber auch Künstler brauchen ein gewisses Talent.“

Holger Banzhaf war von den Problemen der Schäfer wenig überrascht. Er ist seit zehn Jahren Richter beim Leistungswettbewerb des Landesschafzuchtverbandes Baden-Württemberg und war zuvor selbst aktiver Leistungshüter. „Die ersten Teilnehmer haben immer mehr Schwierigkeiten. Da ist die Herde noch spritziger. Je öfter die Schafe den Parcours gemeistert haben, desto leichter wird es für Hüter und Hunde. Da muss man etwas Glück bei der Auslosung haben.“ Und er sollte Recht behalten. Die Herde wurde ruhiger, die Fehlerquote sank. Und mit der Note „sehr gut“ nahm Klaus Dieter Knoll aus Thüringen die Goldene Schippe mit nach Hause.

Neben dem Leistungshüten fand am Sonntag auch noch der Aktionstag „Gläserne Produktion“ statt. „Der Hof war voll und das Wetter hat einigermaßen mitgemacht“, resümierte Holger Banzhaf. „Wir sind absolut zufrieden.“

Youtube

Unterstützung für die Schäferei zugesichert

In seiner Rede unterstrich Dr. Stefan Völl, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, die Bedeutung der Schäferei. Er sprach sich für eine gezielte Förderung aus, da sonst die Schafhaltung weiter zurückgehen werde. Sowohl die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp als auch Grünen-Landtagsabgeordneter Martin Grath übten den Schulterschluss. „Ohne Schafe wird es die Biodiversität und Landschaftspflege, wie wir sie hier kennen, nicht mehr geben“, sagte Grath. Er wolle im Gespräch mit den Schäfern bleiben. Auch Bürgermeister Roland Polaschek betonte, alles daran zu setzen, die Schäfer zu halten. „Es geht um unser Landschaftsbild und einen jahrhundertealten Traditionsberuf.“