Frohe Weihnachten, liebe/r Leser/in und herzliche Grüße aus dem sommerlich heißen Australien. Mein Name ist Sonja Roberts, geborene Dauner, und ursprünglich komme ich aus Gerstetten.

Aus sechs Monaten wurde ein Leben

2012 bin ich als Backpacker mit einem “Working holiday”-Visum und einem Rucksack in Australien gelandet. Das Land und die lockere, offene Art der Menschen haben mir von Anfang an gefallen. Aus dem ursprünglichen Plan, sechs Monate zu bleiben, wurde ein Jahr, dann zwei und mittlerweile bin ich schon seit acht Jahren hier und wundere mich, wo die Zeit geblieben ist.

Mit meinem australischen Mann Andrew wohne ich in Buderim, einem kleinen Ort an der Sunshine Coast in Queensland. Hier herrscht tropisches Klima und die Jahreszeiten sind umgekehrt zu Deutschland. Meine Lieblingsjahreszeit hier ist der Winter von Juni bis Oktober, dann haben wir hier meist blauen Himmel und die Temperaturen sind nachts kühl bei um die 9 Grad und tagsüber bei milden 15-20 Grad.

Weihnachten in den Sommerferien

Von November bis April ist Sommer und die Temperaturen sind heiß und schwül. Während einer Hitzewelle kann es schon mal zehn Tage über 33 Grad haben und auch nachts kühlt es nicht ab. Weihnachten fällt hier in die acht Wochen langen Sommerferien. Man ist im T-Shirt und kurzen Hosen unterwegs, während es bei Aldi Lebkuchen zu kaufen gibt (ja, Aldi gibt es hier auch) und im Einkaufszentrum ‘Let it snow’ gespielt wird.

In Australien gehört es zu Weihnachten dazu, dass Kinder ein Foto mit Santa machen - etwa in einem Einkaufszentrum.
In Australien gehört es zu Weihnachten dazu, dass Kinder ein Foto mit Santa machen - etwa in einem Einkaufszentrum.
© Foto: privat

Auch die Weihnachtstraditionen sind hier anders als in Deutschland. Der Weihnachtsbaum ist wegen der tropischen Hitze meist aus Plastik und wird schon Anfang Dezember aufgebaut und geschmückt. Den Adventskranz kennt man hier nicht, dafür wird der Adventskalender langsam immer beliebter – allerdings mit 25 Türchen. Anfang Dezember hängt jedes Kind seinen “Christmas Stocking” (ein großer Strumpf) im Haus auf und schickt den Wunschzettel an den Weihnachtsmann. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember kommt Santa durch den Kamin und füllt den “Stocking”. Frühmorgens werden dann die Geschenke ausgepackt.

Eine andere Tradition ist es, dass Kinder im Dezember vor weihnachtlicher Kulisse ein Foto bei Santa Claus auf dem Schoß machen. Da gibt es einen Fotostand im Einkaufzentrum und Eltern stehen mit ihren Kindern manchmal stundenlang Schlange. Dieses Jahr gibts diese Stände auch, allerdings muss jedes Kind wegen Corona 1,5 Meter Abstand halten vom Weihnachtsmann.

Lockdown an der Sunshine Coast

Apropos Corona: wir hatten an der Sunshine Coast auch einen Lockdown, sind aber von der zweiten Welle bisland verschont geblieben, sodass das tägliche Leben hier relativ normal seinen Gang geht. Wir haben keine Maskenpflicht und Restaurants, Fitnessstudios etc. sind ganz normal offen. Nur die 1,5 Meter Abstand müssen wir hier einhalten und bei Feiern dürfen nicht mehr als 30 Personen anwesend sein. In Sydney und Melbourne ist die Situation je nachdem, wo man wohnt, ganz anders. Manche Stadteile sind im Lockdown. Die inneraustralischen Grenzen waren lange zu, sind aber momentan offen.

Und nun kann man das Phänomen beobachten, dass viele Menschen von der Stadt aufs Land ziehen. Bei uns, an der Sunshine Coast sind deshalb die Hauspreise in die Höhe geschossen, Häuser werden teilweise innerhalb kürzester Zeit über einen Buyers Agent verkauft, ohne dass der Käufer persönlich eine Besichtigung vorgenommen hat. Auch sind Mietwohnungen gerade absolute Mangelware und die Mietpreise sind ebenfalls gestiegen. Es bleibt spannend, wie das alles weitergeht.

Die Grenzen sind dicht

Die Staatsgrenze nach außen ist bis auf weiteres dicht – und das stimmt mich nachdenklich und manchmal auch traurig. Ursprünglich hatten wir geplant, dieses Weihnachtsfest mit unseren mittlerweile zwei Kindern in Deutschland zu verbringen. Daraus wurde nun aber leider nichts. Unser älterer Sohn ist zweieinhalb und da stellte sich dieses Jahr die Frage, welchen Weihnachtstraditionen wir innerhalb unserer Familie zukünftig folgen möchten? Das Ergebnis ist ein bunter Traditionsmix: Der Plastik-Weihnachtsbaum wurde Anfang Dezember aufgestellt. Plätzchen haben wir auch gebacken (das kennen die Australier auch nicht).

Zum Heiligabend kommt der Weihnachtsmann (alias verkleideter Schwiegervater) mit einem kleinen Geschenk und am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es nochmal Geschenke im “Christmas Stocking”.

Schönste Kindheitserinnerungen

An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich meine Eltern grüßen, denn erst seitdem ich mir dieses Jahr über Weihnachtstraditionen Gedanken gemacht habe, ist mir klar geworden, dass ich meine schönsten Kindsheitserinnerungen an Weihnachten Euch zu verdanken habe. Wir hoffen sehr, dass wir nächste Weihnachten mit meinen Eltern, meiner Familie und Freunden auf der Schwäbischen Alb verbringen dürfen (ganz liebe Grüße an Euch alle). Ein frohes und gesundes neues Jahr an alle Leser.

Brücken in alle Welt

Jedes Jahr berichten Auswanderer aus dem Kreis Heidenheim bei „Brücken in alle Welt“ über ihr Leben im Ausland: Hier gibt es ihre Geschichten zu lesen.