Dettingen / Ulrich Bischoff Der Kreisimkertag findet jedes Jahr statt, dieses Mal allerdings vor einem hochpolitischen Hintergrund: In Anbetracht des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ging es um den Spagat zwischen Artenschutz und wirtschaftlicher Landwirtschaft.

Ein gutes Drittel ihrer ursprünglichen Bestände hat die Insektenwelt im letzten Jahrzehnt eingebüßt: So schätzen die Fachleute die Situation ein und schlagen Alarm.

Ganz im Zeichen dieser Problematik stand der Kreisimkertag, zu dem der Alb-Bienenzüchterverein Gerstetten zusammen mit dem Bezirksimkerverein Heidenheim in die Hofschenke „Zum Schwarzen Beck“ nach Dettingen eingeladen hatte.

Wenn es den Imkern um das Schicksal ihrer „Honigmacher“ geht, haben sie auch die bedrohten Wildbienen im Auge, deren Zahl auf 500 Arten geschätzt wird. Auch Hummeln und Wildbienen sind wichtige Pflanzenbestäuber. Fachleute nahmen hierzu Stellung. Den Vorträgen schloss sich eine Podiumsdiskussion an.

Das Thema hat nicht nur für die Imker großes Gewicht. Die Abgeordneten Roderich Kiesewetter (CDU), Martin Grath (Die Grünen) und fünf Bürgermeister aus dem Kreisgebiet waren zum „Bienengipfel“ nach Dettingen gekommen.

Zu einseitig?

Aktuelle Bedeutung erhielt die Veranstaltung durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das für Willi Miller, den Vorsitzenden des Alb-Bienenzüchtervereins, und seinen Kollegen Claus Fähnle zu einseitig ausfällt: Das Problem entbehre einer sachlichen Grundlage.

Darum bemühte sich zunächst Dr. Werner Mühlen, Biologe und Ethologe aus Münster, mit der sich selbst gestellten Frage „Wenn sich Bienen was wünschen könnten“. Darauf hatte eine Galerie bienenfreundlicher Pflanzen bereits eine erste Antwort gegeben, die die Imker am Eingang der Halle aufgebaut hatten. Für Mühlen gibt es weder gute noch böse Pflanzen. Nicht einmal die so oft gescholtenen Thujen seien „böse“. Stattdessen wünsche sich die Biene eine Vielfalt an nachhaltig wachsenden Blumen und Gehölzen.

Steingärten lehnt Mühlen ab, Gabionen und Mauerareale aber könnten durchaus sinnvoll sein. Eidechsen und wärmeliebende Käfer fänden dort Heimat.

Saulgau als Vorbild

Wie insektenfreundliche Biotope aussehen können, demonstrierte Thomas Lehenherr an Beispielen der für ihre Biodiversität mehrfach prämierten Stadt Saulgau: Tümpel und Bachläufe wurden dort renaturiert und bepflanzt, Verkehrsinseln zum Blühen gebracht und Dauerwiesen angelegt. Der Erfolg nach 25 Jahren: Der Eisvogel ist wieder da, 24 verschiedene Vogelarten stimmen ihre Lieder an und 17 Storchenpaare bereichern den Himmel über der Bäderstadt.

Sechs Sessel standen für die Podiumsdiskussion bereit, die Thomas Zeller, Redaktionsleiter der Heidenheimer Zeitung, moderierte. Hubert Kucher vom Bauernverband Ostalb-Heidenheim, hielt das Artensterben für ein komplexes Thema, an dem der Bauer keinesfalls die Alleinschuld trage. 400 000 Kühe gebe es im Land – aber eben auch die Immissionen von sechs Millionen Autos. Zudem würden jeden Tag sechs Hektar Landschaft für bauliche Zwecke „zubetoniert“.

Dr. Werner Mühlen wollte im Bauern, der nur ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache, kein Feindbild sehen. Verursacher ist für ihn „der Kunde, der ein Schnitzel isst“. „Wir leben, als wäre nichts passiert“, meinte er. Es gelte erst wieder, die Tugend der Bescheidenheit zu erlernen.

Bio muss sich lohnen

Für Biologe Georg Krause sind die Handelswege zu sehr vernetzt: Bio-Milch beziehe man aus Österreich, Milch werde nach China verschifft und was die Pestizide anbetreffe, so habe man früher auch ohne diese Präparate leben können. Dem wollte Kucher nicht folgen: „Die Umstellung auf Bio wäre für uns Bauern ein Leichtes“, argumentierte er, „wenn der Absatz gesichert wäre“.

Dr. Mühlen empfahl eine differenzierte Betrachtung der Agrar-Chemie und verwies auf die riesigen Flächen, die die Flurbereinigung geschaffen habe: „Ohne Chemie würden die Schadinsekten da förmlich explodieren.“

Auf den Flächenverbauch der öffentlichen Hand sprach Thomas Zeller den Vertreter des Landratsamts, Georg Feth, an. Feth, der das Volksbegehren grundsätzlich begrüßte, es gleichzeitig aber auch für bedenklich hielt, verwies darauf, dass das Kreisgebiet zu 90 Prozent im Wasserschutzgebiet liege. Die Folge seien strenge Auflagen. Für ihn liefert die Landwirtschaft in der Bio-Musterregion des Landkreises „beste Lebensmittel“.

Steingärten verbieten?

Steingärten würde Thomas Lehenherr zunächst nicht verbieten. Unkrautjäten sei unbequem, überzeugen aber könne man die Leute vom Nutzen eines blühenden Gartens. Für Dr. Mühlen ist es sogar Pflicht, den gepflegten Wildgarten als schön zu empfinden. Beim Thema Chemie regte sich Kuchers bäuerliches Herz: Er brauche als Nutzer von Agrarchemie eine Ausbildung und dürfe die Präparate nur in feinsten Dosierungen anwenden, in privaten Gärten werde hingegen Glyphosat mit der Gießkanne ausgebracht.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ spaltet. Vor allem Landwirte haben sich in die totale Opposition begeben. Warum eigentlich? Im Interview sprechen vier Bauern aus dem Landkreis und der Geschäftsführer des BUND Ostwürttemberg über ihre Sorgen.