„Es ist stressig, aber irgendwie gewöhnt man sich dran“, so fasst Patrick Kopp seinen derzeitigen Arbeitsalltag zusammen. Oder besser seinen Schulalltag. Der 24-Jährige macht gerade seinen Meister in Ulm und drückt für ein Jahr Vollzeit die Schulbank. Im Dezember stehen die ersten Prüfungen an. „Ja, langsam wird es sportlich“, sagt er lachend. Die Weiterbildung zum Maler- und Lackierer-Meister, erklärt er, ist aufgeteilt in vier Themenbereiche. Zum einen geht es um Praktisches, man lerne verschiedene Gestaltungstechniken, wie etwa Vergoldungen und Lackierungen, dann geht es um Farbtheorien und Entstehung von Farben, der dritte Themenbereich dreht sich um Kaufmännisches und Wirtschaftliches wie Buchführung und der vierte Bereich ist berufspädagogischer Natur und beinhaltet einen Ausbilderschein.

Patrick Kopp hat seine Entscheidung nie bereut.
Patrick Kopp hat seine Entscheidung nie bereut.
© Foto: Malergeschäft Leber

Sorgen muss man sich bei all dem Lernstoff aber wohl dennoch nicht um Patrick Kopp machen. Er hat seine Gesellenprüfung mit 1,7 abgeschlossen und wurde ins Begabtenprogramm aufgenommen. Das bedeutet unter anderem, dass seine Meisterausbildung finanziell bezuschusst wird. „Das ist eine große Erleichterung“, sagt Kopp. „Die Meister-Ausbildung kostet mehrere tausend Euro.“

Warum er sich bei den guten Noten für eine Fortbildung zum Meister entschieden hat, liegt auf der Hand. Aber warum hat er sich nach der Mittleren Reife und im Alter von 17 Jahren überhaupt für eine Ausbildung im Handwerk entschieden? „Das ist bei uns von Haus aus so“, erklärt Kopp. Auch sein Vater sei Maler und Lackierer. „Ich bin damit quasi aufgewachsen.“ Seine Ausbildung hat er beim Malergeschäft Leber in Heuchlingen absolviert – hier hatte schon sein Vater seine Lehre gemacht. Statt der Ausbildung das Abitur nachzumachen und ein Studium zu absolvieren, das sei Kopp nie in den Sinn gekommen. „Um ehrlich zu sein, hätten meine Noten da auch nicht mitgemacht. Die wurden erst in der Ausbildung besser.“

Er schätzt die Vielseitigkeit des Berufs.
Er schätzt die Vielseitigkeit des Berufs.
© Foto: Malergeschäft Leber

Die guten Noten sind wohl ein Beleg dafür, dass Patrick Kopp seinen Beruf gerne ausübt. „Auf jeden Fall“, stimmt er zu. „Man macht jeden Tag etwas anderes, lernt viele Menschen kennen und ist immer woanders.“ Am besten an seinem Beruf gefalle ihm das Tapezieren. „Die Arbeit macht nicht jeder gern, aber mir macht es Spaß. Man sieht den Arbeitsfortschritt und trägt wesentlich dazu bei, dass ein Raum wohnlich wird.“

Mathe und räumliches Denkvermögen

Gibt es auch etwas, das er nicht gern macht? „Bei Kälte Gerüste aufzustellen, das ist nicht unbedingt meine Leidenschaft“, sagt Kopp. „Man wird schnell krank und hat seine Wehwehchen. Aber so ist das eben.“ Sehr kälteempfindlich sollte man als Maler und Lackierer also nicht sein. Was muss man sonst mitbringen? „Die Grundlagen der Mathematik sollte man kennen und auch räumliches Denkvermögen haben“, erklärt Kopp. „Eine geschickte Hand und ein gesunder Körper sind natürlich auch von Vorteil. Man kommt abends schon auch kaputt heim und die Knochen tun einem weh.“ Ein reiner Männerberuf ist Maler und Lackierer laut Kopp aber dennoch schon lange nicht mehr. „Ganz im Gegenteil, es gibt immer mehr weibliche Azubis und die werden auch gerne von den Betrieben eingestellt.“

Jeden Morgen Vesper holen?

Dass der Umgangston auf dem Bau rau ist, bezeichnet Patrick Kopp als eines der vielen Vorurteile, die über die Branche kursieren. „Natürlich kommt das auch immer auf die Altgesellen an, aber bei uns ist das ganz und gar nicht der Fall.“ Und auch, dass man als Lehrling vor allem für das Holen des Vespers verantwortlich ist, kann Kopp nicht bestätigen. „Das musste ich nie machen, nicht mal im ersten Lehrjahr.“

Bereut hat er seine Entscheidung für die Ausbildung jedenfalls noch nie. Und was steht nach der bestandenen Meisterprüfung an? „Ich werde in meinen Ausbildungsbetrieb zurückgehen und noch mehr Erfahrungen sammeln“, so Kopp. Dass er sich irgendwann selbstständig macht, schließt er nicht aus. „Aber nicht gleich nach der Ausbildung. Dafür muss man sich ja auch erst einen finanziellen Puffer schaffen.“