Gerstetten / Von Joelle Reimer Mit „Verfall – Eine Odyssee“ hat der aus Gerstetten stammende Bernd Jooß seinen ersten Roman veröffentlicht – und ist von Berufs wegen zugleich auch für den Verkauf zuständig.

Ist das sein erstes Buch, oder ist das eine Fortsetzungsgeschichte, bei der man die vorherigen Bücher gelesen haben muss?“ Eine Frage, die jedem Buchhändler bekannt vorkommen dürfte. Auch Bernd Jooß kennt sie. Der 36-Jährige arbeitet als Abteilungsleiter in einer Ulmer Buchhandlung, und für gewöhnlich beantwortet er diese Frage aus dem Stegreif; genauso die Frage, ob das Buch denn gut sei. Für gewöhnlich. Außer, es steht jemand mit seinem eigenen Buch in der Hand vor ihm. Dann ist er kurz sprachlos.

Genau das ist dem gebürtigen Gerstetter mit seinem Debütroman „Verfall – eine Odyssee“ vor nicht allzu langer Zeit passiert. „Ich musste meine Kollegin rufen, damit sie den Kunden berät“, erzählt er. Ob er die Situation aufgelöst hat, ob er also erwähnt hat, dass er der Autor ist? Bernd Jooß lächelt – und schüttelt den Kopf.

Nicht das erste Werk des Autors

Dabei ist diese Zurückhaltung eigentlich gar nicht nötig, zumal es zwar sein erster Roman, nicht aber seine erste Veröffentlichung ist – schon früher hat er ab und an Kurzgeschichten geschrieben. „Die erste Geschichte, die ich veröffentlicht habe, war ,Blutspur'. Das war in ,Fantasia, dem Magazin für Phantastik', und zwar im Januar 2004“, sagt Jooß. Zum Schreiben selbst ist er jedoch schon viel früher gekommen: „Ich bin auf die Arthur-Hartmann-Sprachheilschule gegangen, wo man uns immer animiert hat, eigene Geschichten zu erzählen“, sagt der 36-Jährige, der inzwischen in Thalfingen bei Ulm wohnt.

Geschrieben bis spät in die Nacht

Eigene Geschichten zu erzählen, dabei ist er geblieben – und dennoch ist so ein veröffentlichter Roman etwas ganz anderes als die vielen Seiten, die bisher höchstens den Weg in seine Schubladen gefunden haben. Sieben Jahre hat er dafür gebraucht, hat nachts geschrieben, tagsüber gearbeitet; das erste Manuskript noch per Hand, dann alles überarbeitet und nochmal neu verfasst. Schließlich folgte die gute Nachricht, dass der Knaur-Verlag Interesse habe – „ich bin beim Musik hören mit meinem Smartphone aus Versehen auf eine Mail von meiner Agentur gestoßen und konnte es erst gar nicht glauben.“

Es folgten weitere Änderungen, Überarbeitungen, Wünsche seitens der Agentur und des Verlags – inklusive einem gänzlich neuen Ende seiner Geschichte. „Das wollte ich aber selbst. Ich habe gemerkt, dass die Ursprungsidee einfach nicht mehr passt.“ Dass ihn düstere, abgründige Geschichten anziehen, spiegelt sich auch in „Verfall“ wider – das Buch handelt von Hauptkommissar Hendrik Heller, der mit einem mysteriösen Fall konfrontiert wird, wobei die Gewalt in der gesamten Stadt schließlich überhand nimmt und aus der anfänglichen Krimi-Geschichte eine Sinnsuche für den Kommissar wird.

Lesung in Herbrechtingen

Passend zur Premiere als Romanautor wird Jooß am Freitag, 15.Februar, auch seine erste Lesung halten – im Rahmen der langen Büchereinacht im Kloster Herbrechtingen. „Wir laden immer Bibliotheken zu uns in die Buchhandlung, um neue Bücher vorzustellen, und da hat mich Thomas Jentsch schließlich gefragt, ob ich nicht in Herbrechtingen lesen will“, so Jooß. Und natürlich will er – auch wenn er eine gewisse Nervosität nicht leugnen kann.

Fehlt nur noch die Antwort auf die Frage, ob es eine Fortsetzungsgeschichte wird. „Irgendwie schon. Ich habe das nächste Buch bereits fertig und ein drittes in Planung. Es spielt in der gleichen Welt und mit derselben Person – die Bücher sind also zumindest lose miteinander verknüpft.“

Über das Buch

„Verfall - Eine Odyssee“ ist der Debütroman des 36-jährigen Bernd Jooß, der in Gerstetten aufgewachsen ist. Nach seinem Hauptschulabschluss erwarb er die Mittlere Reife und absolvierte eine Ausbildung zum Verlagskaufmann bei der Schwäbischen Post in Aalen. Danach hat er sein Fachabitur gemacht. Heute wohnt er in Thalfingen und ist Abteilungsleiter in einer Buchhandlung.

Der Kriminalroman „Verfall“ ist auch im Shop der Heidenheimer Zeitung zu erwerben. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-426-21684-2.