Wo es in den vergangenen Jahren beim Herbstmarkt bis zu 100 Stände gab, an denen vorbei sich die Besucherscharen durch die Gerstetter Ortsmitte schoben, standen die Besucher des Mini-Marktes am Mittwoch vor nur sechs Ständen.

Nachdem dieses Jahr erst der Brezgenmarkt und dann auch noch der Herbstmarkt abgesagt werden musste, hat die Gemeinde Gerstetten eine kleine Alternative auf die Beine gestellt – den Mini-Markt. Hier hatten Händler die Gelegenheit, ihren Marktstand zu präsentieren und ihre Waren zu verkaufen. Für viele war es einer der ersten Märkte, seit Corona im März alles lahmgelegt hatte.

„Wir freuen uns sehr, dass Gerstetten diesen Markt ermöglicht“, finden Hans-Joachim und Carmen Kurkowski, die bereits seit 45 Jahren Süßwaren auf Märkten wie diesem verkaufen. „Für mich gibt es keinen schöneren Job als diesen“, sagt der Süßwarenverkäufer. Natürlich wollen auch sie die Gefahr der derzeitigen Situation nicht unterschätzen, aber sie wünschen sich klarere Regeln.

Das Beste aus der Situation mcahen

Bei den meisten Händlern vor Ort lag der Verkauf über mehrere Monate still wodurch bis zu 100 Verkaufstage wegfielen. Die Betreiber von Gastronomie Kraus, die ebenfalls am Mini-Markt teilnehmen, hatten sich kurzerhand für ein neues Konzept entschieden: „Wir haben einen Pop-Up-Biergarten eröffnet und so an mehreren Wochenenden unser Essen verkauft“, erzählt Peter Kraus. „Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen und uns selbst zu helfen. Die Städte müssen jetzt erstmal testen, wie sie die Märkte in der momentanen Situation umsetzen können. Wir merken, dass sich die Besucher an die Regeln halten.“

„Natürlich sind manche Sachen nicht möglich, wie beispielsweise Festzelte oder Stände, die sich eng an eng aneinanderreihen, aber es ist immer eine Umgestaltung möglich“, sagt ein anderer Händler.

Bei den wenigen Märkten, auf denen die Händler des Gerstetter Mini-Markts zuvor ihrer Waren verkauft haben, hat dies hervorragend funktioniert, erzählen sie. Auf dem einen habe es Security gegeben, die das Einhalten der Regeln kontrolliert, auf einem anderen habe man nur in eine Richtung durch den Markt laufen können, an anderer Stelle seien die Stände sehr weit voneinander aufgestellt gewesen. „Das Virus wird nächstes Jahr nicht einfach verschwinden, deswegen muss man uns integrieren. Ich wünsche mir einfach, dass man gemeinsam eine Lösung findet“, sagt einer der Verkäufer.

Von der Politik missinterpretiert

Generell verstehen viele nicht, warum Wochenmärkte und Flohmärkte stattfinden dürfen, aber Krämermärkte nicht. „Wir sind auch nur ein Verbrauchermarkt ohne Festcharakter und können deshalb ganz normal verkaufen. Die Politik hat uns in den falschen Topf geworfen“, heißt es. „Wir sind weniger gefährlich als jeder Laden, da wir im Freien verkaufen und das ist unser Vorteil“, sagt ein anderer Händler.

Alle Verkäufer auf dem Mini-Markt in Gerstetten sind sich in einem Punkt einig: Das Modell, mit dem Gerstetten jetzt kleine Märkte ermöglicht, könnte eine Chance sein. „Wir erhoffen uns, dass nun vor allem auch die anderen Gemeinden in der Region nachziehen, sonst werden wir das nicht überleben.“

Ein Markt mit langer Tradition


Der Gerstetter Hebrstmarkt lockt bereits seit mehr als 200 Jahren jährlich Tausende Besucher aus der ganzen Region und darüber hinaus in die Gerstetter Ortsmitte zum Marktbummel. Jeweils am zweiten Mittwoch im Oktober findet der traditionelle Markt statt. Wegen dieser langen Tradition wird der Tag auch liebevoll der „Gerstetter Nationalferiertag“ genannt.

In diesem Jahr mussten Brezgemarkt und Herbstmarkt coronabedingt ausfallen, was für die Markthändler große finanzielle Probleme mit sich bringt. Um ihnen die Gelegenheit zu gegeben, ihren Marktstand zu präsentieren und Waren zu verkaufen wurde der Mini-Markt veranstaltet.

Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, ist am 21. Oktober ein weiterer Verkaufstag, in kleinem Umfang, in der Gerstetter Ortsmitte geplant.