Im Jahr 2013 ging sie in Betrieb, die rund zwölf Kilometer lange „Wasserstraße“, über die das Abwasser von Gerstetten, Heldenfingen, Heuchlingen und Dettingen über die Albhochfläche hinweg in die große Sammelkläranlage der Stadt Heidenheim nach Mergelstetten eingeleitet wird. Vier veraltete  Klärwerke konnte  die Gemeinde damals nach  Betriebszeiten von 35 Jahren stilllegen. Sie wirken inzwischen lediglich noch als Durchgangsstationen. Bisher war das Wasser nach Verlassen der Anlagen in den Abwassergräben versickert.

Eineinhalb Jahre Bauzeit

Im Sommer 2012 erfolgte der Startschuss für den Bau der Pipeline gen Mergelstetten. Nach eineinhalbjähriger Bauzeit wurde die Leitung mit klarem Wasser gespült, sie bestand den Test. Als ihre wichtigste Aufgabe sahen die Techniker fortan die Optimierung des Energieverbrauchs. Zum Nulltarif war für die Beförderung des Schmutzwassers über die buckelige Alb nach einem Kapitaleinsatz von damals 15 Millionen Euro nicht zu haben. Der Einsatz hatte sich gelohnt. Die Modernisierung der vier alten Anlagen entfiel.

Positive Zwischenbilanz

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es den hauseigenen Technikern den Stromverbrauch durch Justierungen an den Regelwerken und durch den Einsatz  moderner Exzenterschneckenpumpen auf vertretbare Werte abzusenken. Die Zwischenbilanz, die Ortsbaumeister Bernd Müller dem Ausschuss für Umwelt, Bauwesen und Verkehr (UBV) am Dienstag in der Kliffhalle vorstellte, konnte sich sehen lassen. Die Diagramme für die Verbrauchsmengen zeigen allesamt fallende Werte, wenngleich der Ortsbaumeister zu bedenken gab, dass die abgeleiteten Wassermengen und mit ihnen der Energieaufwand auch von den jährlichen Niederschlägen abhängig seien.

30 Prozent Ersparnis

Unterm Strich aber könne man von Ersparnissen bis 30 Prozent ausgehen. Vorläufig noch offen ist die Ableitung des Gussenstadter Abwassers. Die dortige Anlage ist inzwischen um eine Spülkippe und ein Naturbecken ergänzt worden. Den heutigen Ansprüchen aber wird sie trotzdem nicht gerecht. Über die Weilerhöfe hofft Bürgermeister Roland Polaschek einen Anschluss an die Söhnstetter Leitung herstellen zu können, um letztendlich auch das Gussenstadter Wasser über Steinheim nach Mergelstetten entsorgen zu können. Eine Ableitung über das Zwergstubental wurde verworfen.

Das kleine Heuchstetter Klärwerk arbeite zufriedenstellend, versicherte Bernd Müller dem Ausschuss. Ihr Ableitungsrecht sei bis 2040 verlängert worden. Bleibt am Ende nur noch die kleine Sontberger Anlage. Für sie käme eine Ausleitung nach Gerstetten oder eine biologische Reinigung in Betracht.

Damals hieß es „Planungsfehler“


Dass zum Jahreswechsel 2013/14 die Abwassergebühren in Gerstetten deutlich erhöht worden waren, hat etlichen Bürgern damals nicht gefallen. Zeitgleich wurde damals bekannt, dass einzelne Pumpwerke des Abwassersystems erheblich höhere Stromkosten verursachen als geplant. Statt gut 980 000 Kilowattstunden musste die Gemeinde fast 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom bezahlen. Dieser Mehrverbrauch dürfte zwar nur zu einem geringen Teil zur Gebührenerhöhung beigetragen haben, politisch gesehen fachte er aber längst erkaltet geglaubte Kritik an der gesamten Investition wieder an. ao