Dischingen / Klaus Dammann Der Gemeinderat hat die Angebotsform und die Elternbeiträge für die künftige Einrichtung im alten Ballmertshofener Kindergarten festgelegt.

Seit dem Umzug der Kinder des Ballmertshofener Kindergartens in das damals neugebaute Kinderhaus St. Johannes in Dischingen im Februar 2013 ist die Betreuungseinrichtung im Teilort geschlossen. Schon in wenigen Monaten soll aber wieder Leben in das Gebäude einkehren: Aufgrund steigender Nachfrage nach Krippenplätzen in der Härtsfeldgemeinde wird der Kindergarten im Erdgeschoss derzeit für eine neue Krippengruppe umgebaut. Mittelfristig denkt man bei der Gemeinde aber auch an einen Erweiterungsanbau an das Dischinger Kinderhaus.

Für den Gemeinderat ging es in seiner jüngsten Sitzung jetzt um die Entscheidung über die Form des Betreuungsangebots in der neuen Krippengruppe, die möglichst schon zum nächsten Kindergartenjahr 2019/2020 ihren Betrieb aufnehmen soll. Außerdem galt es, die Elternbeiträge festzulegen bzw.  anzupassen.

Bürgermeister Alfons Jakl schilderte im Gremium, dass die Personalstellen für die Krippe in Ballmertshofen bereits ausgeschrieben worden und erste Bewerbungen auch schon eingegangen seien. Der Umbau des stillgelegten Kindergartens habe inzwischen begonnen.

Für die derzeitige Umgestaltung für Kinder unter drei Jahren habe die Gemeinde einen Zuschuss beim Land beantragt, der mittlerweile auch bewilligt sei, schilderte Hauptamtsleiterin Evi Saur. Das Regierungspräsidium Stuttgart habe für die zehn geplanten Krippenplätze insgesamt einen Betrag von 70 000 Euro bei zuschussfähigen Kosten von 236 172 Euro zugesagt. Für die auf 7140 Euro kalkulierte Ausstattung einer Küche im Gebäude gebe es weitere 4000 Euro.

Die Förderung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. So müsse die Einrichtung mindestens für 25 Jahre zweckentsprechend als Kindertageseinrichtung mit den geförderten Betreuungsplätzen betrieben werden, so die Hauptamtsleiterin. Über die mit dem Zuschuss erworbenen Gegenstände sowie über die Küche dürfe nicht vor Ablauf von zehn Jahren anderweitig verfügt werden.

Was die künftige Angebotsform der neuen Kinderkrippe in Ballmertshofen angeht, so hatte der Gemeinderat zuvor beschlossen, dass die Gemeinde als Träger auftreten soll. Eine Umfrage bei Eltern mit Kindern im relevanten Alter habe eine Mehrheit für verlängerte Öffnungszeiten – also einen durchgehenden Betrieb von sechs Stunden – ergeben, sagte Evi Saur. Dem wolle die Gemeinde nun nachkommen.

20 Prozent Kostendeckung

Bei den Elternbeiträgen hätten sich die Verbände in Baden-Württemberg geeinigt, einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch die Gebühren anzustreben. Die von den Kindergartenträgern im Land empfohlenen Krippenbeiträge für das kommende Kindergartenjahr lägen nach Kinderzahl gestaffelt bei elf Monaten zwischen monatlich 376 Euro (ein Kind) und 75 Euro (vier oder mehr Kinder).

Im Kinderhaus St. Johannes würden derzeit folgende elf Monatsraten für einen Krippenplatz erhoben: bei 30 Wochenstunden 330 Euro (ein Kind), 245 Euro (ein Kind aus einer Familie mit zwei Kindern unter 18 Jahren), 166 Euro (ein Kind bei drei Kindern) und 67 Euro (ein Kind bei vier oder mehr Kindern); bei 47,5 Wochenstunden 523, 388, 263 und 106 Euro, berichtete die Hauptamtsleiterin weiter.

Diese Summen liegen noch unter den inzwischen gültigen landesweiten Richtsätzen für Krippen. Von der katholischen Kirchengemeinde und der Gemeinde Dischingen werde aber eine Angleichung an die Empfehlungen angestrebt. Um diesen zu entsprechen wäre allerdings in der Härtsfeldgemeinde eine als „große Härte“ empfundene Anhebung der Elternbeiträge um 14 Prozent erforderlich. In Dischingen wolle man daher die Angleichung in zwei Stufen vornehmen, so Evi Saur. Für das Kindergartenjahr 2019/2020 sei eine Erhöhung um 8,5 Prozent beabsichtigt, im darauf folgenden Jahr die vollständige Anpassung an die Landesrichtsätze.

Die neuen Krippengebühren

Bei 30 Wochenstunden fielen dann zum kommenden Kindergartenjahr folgende Krippengebühren an: 358 Euro (Landesrichtsatz liegt hier bei 376 Euro), 266 Euro (279 Euro), 180 Euro (190 Euro) und 73 Euro (75 Euro).

„Da sind wir ganz human bei diesen Beiträgen“, befand Bürgermeister Jakl. Der Vorschlag sei auch mit Pfarrer Dr. Dietmar Horst abgestimmt. Die Angebotsform mit verlängerten Öffnungszeiten biete die meisten Möglichkeiten.

Gemeinderat Karl-Heinz Pappe sprach in Bezug auf die zeitliche Bindung bei der Küche angesichts einer Förderung von 4000 Euro von einem „Knebelvertrag“. Jakl antwortete: „Die Küche brauchen wir.“

Als schwerwiegender empfand Stefan Kragler die Nutzungsbindung der Einrichtung auf 25 Jahre. Hierzu sagte Jakl, dass er es für möglich halte, dies zu lösen, wenn die Gemeinde den Nachweis erbringt, dass der Bedarf nicht mehr vorhanden sei.

Anton Scherer merkte an, dass die Krippe in Ballmertshofen doch nur als Übergangslösung gedacht gewesen sei bis zur Realisierung eines Kinderhaus-Anbaus. Dem pflichtete Franz Göttle bei. Die Gemeinde erhalte ihre Förderung wie beantragt, so der Bürgermeister. Wenn der Platzbedarf weiter steige und es zum Anbau komme, werde ein neuer Förderantrag gestellt. Und ein steigender Bedarf sei zu erwarten. Scherer sah die Gemeinde als „vom Land geknebelt“ an. Dagegen betonte Jakl, dass es sich um einen „ganz normalen Vorgang“ handele. Jeder Zuschuss sei mit Bedingungen verknüpft.

Kragler erkundigte sich abschließend, ob die Eltern in Dischingen und Ballmertshofen dieselben Krippengebühren zahlen müssen. Die Verwaltung bestätigte dies.

Der Gemeinderat entschied sich dann einstimmig für einen Betrieb mit verlängerten Öffnungszeiten in Ballmertshofen sowie für die Anhebung der Elternbeiträge.

Die Betriebsformen in den Dischinger Kindergärten

In den Dischinger Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es eine Reihe verschiedener Betriebsformen. Für Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt sind dies die Regelgruppe mit mehrstündigem Betrieb am Vor- und Nachmittag, die Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten mit ununterbrochener Betreuung für sechs Stunden und die Ganztagesgruppe mit durchgehend ganztägiger Betreuung für bis zu 9,5 Stunden täglich. All diese Formen bietet das Kinderhaus St. Johannes in Dischingen an.

Eine andere Betriebsform stellt die Betreuung von Kindern in einer altersgemischten Gruppe dar. Als Durchmischung von Regelgruppe und Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten wird dies in den eingruppigen Kindergärten in den Teilorten Frickingen, Demmingen, Eglingen und Dunstelkingen angeboten. Hier können Kinder im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt betreut werden.

Darüber hinaus gibt es im Dischinger Kinderhaus die Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren. Eine weitere Krippengruppe soll ab dem nächsten Kindergartenjahr in Ballmertshofen an den Start gehen.