Dischingen / Kathrin Schuler Bei den Kleinsten fängt es an: Die Dischinger Egauschule wurde jetzt bei einer Feierstunde für ihr Engagement in Sachen gerechter Handel und Nachhaltigkeit als „Fairtrade-Schule“ ausgezeichnet.

Wer eine gerechtere Welt schaffen will, muss im Kleinen beginnen: Die Egauschule hat dafür die ersten Schritte bereits gemacht – fünf, um genau zu sein (siehe Info). Die Dischinger Gemeinschaftsschule wurde darum für ihr Engagement in Sachen fairer Handel als „Fairtrade-Schule“ ausgezeichnet.

„Wenn es um Ungerechtigkeit geht, hat niemand so feine Sensoren wie die Kleinsten – und wenn es dabei nur um die Verteilung von Süßigkeiten geht“, sagte Schulleiterin Heidrun Abele bei der Feier in der Egauhalle, an der die rund 350 Schüler der Grund- und Sekundarstufe mitsamt ihren Lehrern teilnahmen.

Während die Erwachsenen das Unrecht, dass ein Großteil des Wohlstands der westlichen Länder auf der Ausbeutung der Dritten Welt fußt, außer Acht ließen, hätten Kinder noch einen genaueren Kompass. Da alle großen Entwicklungen ihren Anfang bei einem Einzelnen nehmen, setze das Projekt „Fairtrade-School“ genau dort an, wo es am nachhaltigsten wirken könne: bei den Kindern und Jugendlichen.

Fairness auf dem Stundenplan

Fairness und Nachhaltigkeit stand bei den Schülern der Egauschule im vergangenen Schuljahr darum nicht nur auf dem Stundenplan, sondern war auch Teil verschiedener Aktionen, in denen sich die Kinder mit Produktions- und Handelsbedingungen auseinandersetzten.

So stellten die Kinder unter anderem nicht nur „faire“ Pralinen her, die sie bei einem Tag der offenen Tür neben anderen Fairtrade-Produkten verkauften. Auch der Nikolaus brachte im vergangenen Jahr bereits Weihnachtsmänner aus fair gehandelter Schokolade und im Lehrerzimmer wird nur noch Kaffee gekocht, von dessen Verkauf auch die Plantagen-Arbeiter profitieren.

Ausgezeichnet für das Engagement

Geschenkt gab es das Siegel „Fairtrade-Schule“ also nicht, wie Bürgermeister Alfons Jakl in seinem Grußwort anmerkte, auch wenn die Auszeichnung nicht überraschend kam. Seit mehr als einem Jahr haben die Schüler und Lehrer gemeinsam daran gearbeitet, die Kriterien der Kampagne „Fairtrade-Schule“, die vom Verein „Transfair Deutschland“ verantwortet wird, zu erfüllen.

Mit der Verleihung des Banners und der Urkunde, die Astrid Saalbach von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit aus Stuttgart zur Feier mitgebracht hatte, wurden die Schüler und Lehrer der Egauschule nun als Botschafter für gerechten Handel und Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Doch auch in Zukunft wird das Projekt nicht zum Selbstläufer werden: „In zwei Jahren wird überprüft, ob die Schule noch immer alle Kriterien erfüllt – und nur dann wird das Zertifikat ein zweites Mal verliehen“, erklärte Saalbach. Denn schließlich solle der anfängliche Schwung und Elan auch in Zukunft erhalten bleiben.

Daran fehlte es bei der Auszeichnungsfeier nicht: Grund– und Sekundarstufe sorgten mit gemeinsamen Liedern, Flötenstücken sowie Showtanz- und Theater–Vorführungen für ein buntes Rahmenprogramm. Und wie gut Fairness schmecken kann, wissen die Kinder jetzt auch: Eine Leckerei aus fair gehandelten Zutaten gab es zum Abschluss in die Hand.

Was es braucht, um „Fairtrade-Schule“ zu werden

Die Egauschule wurde als 87. Schule in Baden-Württemberg mit dem Siegel „Faitrade-Schule“ ausgezeichnet. In ganz Deutschland gibt es davon schon mehr als 500. Fünf Kriterien müssen die Schulen dafür erfüllen.

Ein Schulteam, das das Projekt in die Hand nimmt, und aus Schülern, Lehrern und Eltern besteht, muss gegründet werden.

Der Fairtrade-Kompass, den das Team erstellt, beschreibt die geplanten Aktionen und dient der Schule als Leitfaden.

Fair gehandelte Produkte müssen Einzug in die Schule und ins Lehrerzimmer halten und außerdem regelmäßig am Schulkiosk verkauft werden.

Im Unterricht muss das Thema fairer Handel in verschiedenen Fächern aufgearbeitet werden.

Mit Aktionen muss die Schule einmal im Jahr auf ihr Engagement aufmerksam machen.