Katzenstein / Annika Sinnl 250 Schmuckstücke aus einem Versteck auf Burg Katzenstein – die Nachricht vom Wochenende klingt nach einer Sensation. Vor allem aber klingt alles ein wenig rätselhaft – denn während die heutigen Burgherren Theorien bis zu Abenteuern in der Nazi-Zeit untersuchen, sind zahlreiche Fundstücke ziemlich profan und neu.

Wer hat nicht schon versucht, den legendären Schatz von Katzenstein zu finden? Michael Nomidis-Walter fand seinen Schatz zufällig. Der Burgherr, seit 2009 mit seiner Frau Roswitha Eigentümer der Stauferburg, wollte alten Bauschutt aufräumen, entdeckte eine lose Platte am Sims eines Fensters. „Ich habe sie zur Seite geschoben, plötzlich sah ich ein Loch, darunter war ein Hohlraum, etwa einen Meter auf einen Meter komplett ausgehöhlt. Und ganz im Eck schön aufeinandergestapelte Blechdosen. Ich dachte erst, da kann nichts Wertvolles drin sein.“

Falsch gedacht? Als er die Dosen öffnete, kamen zahlreiche Schmuckstücke zum Vorschein. 250 an der Zahl, wie sich später herausstellen sollte. Broschen, Uhren, Ringe und vieles mehr war hier versteckt gewesen. „Wunderschöne Stücke“, wie Roswitha Walter sagt.

Das alles war offenbar am 11. Februar – aber erst am Sonntag gingen die Burgherren damit an die Medien. Das Echo ließ nicht auf sich warten. Selbst die „Bild“-Zeitung widmet sich der tollen Geschichte vom Härtsfeld.

Denn der Burgherr hat gleich mehrere Vermutungen, wer den Schatz versteckt haben könnte. Eine Variante von Michael Nomidis-Walter: Der Schmuck könnte vom früheren Burgbesitzer Herbert Stuber stammen, der später zum Graf von Caboga-Locatelli wurde und die Burg 1939 kaufte. 1945 wurde er laut Nomidis-Walter von der SS verfolgt, weil er Kontakt zu den Verschwörern um den Hitler-Attentäter Claus Schenk von Stauffenberg gehabt haben soll. Der Graf konnte fliehen. Michael Nomidis-Walter hält es für möglich, dass er den Schatz versteckt haben könnte.

Neben dem Grafen kommen für ihn aber noch zwei weitere Burg-Besitzer als Schmuck-Hinterlasser in Betracht. Und zwar die Familien Edler und Holl-Götz. Michael Nomidis-Walter: „Fakt ist, die Stücke stammen aus der Neuzeit, aus den 30er- oder 40er-Jahren. Daher kommen für mich diese drei Besitzer in Betracht.“

Ein Schatz, versteckt auf der Flucht vor den Nazi-Schergen – ob die Geschichte stimmt, wird man überprüfen müssen. Denn auf den ersten Bildern des Schatzes erkennt man auch als Laie einige Ungereimtheiten: So zeigte ein Bild des Fundortes Schmuck in einer Klarsicht-Kiste mit der Aufschrift „Ferrero Rocher“. Das kann Nomidis-Walter erklären: Er habe einige Schmuckstücke nur für das Foto zurück ins Loch gelegt, dabei statt der originalen Blechdosen eine andere Kiste verwendet.

Merkwürdiger aber andere Fundsachen: Zum Beispiel erkennt man auf einem von den Burgherren selbst gemachten Foto des Schatzes eine Münze, die ganz ungemein aussieht wie jene 5-Mark-Gedächtnismünze, die 1979 zum Jubiläum des Deutschen Archäologischen Instituts geprägt wurde.

„Keine der Münzen ist jünger als 1915“, sagt Nomidis-Walter heute – was aber auch wieder rätselhaft wäre: Warum hinterließ ein Graf auf der Flucht im Jahr 1945 alte Münzen aus dem Kaiserreich? Und vor allem – warum holte sich Caboga-Locatelli, der nach dem Weltkrieg auf die Burg zurückkehrte, seinen Schatz nicht wieder aus dem Versteck – war er so vergesslich?

In den Medien kursiert das Gerücht, der Schmuck sei um die 15 000 Euro wert. Nicht ein bisschen wenig für 250 Schmuckstücke? Michael Nomidis-Walter winkt ab: „Wir haben den Schmuck noch nicht schätzen lassen. Heute kommt ein Juwelier, der sich den Fund genauer ansehen will.“ Es stehe aber fest, dass der Schmuck durchaus wertvoll sei: „Gold, Silber und viele, viele Steine sind dabei. Einige sehen aus wie Brillanten“, lässt der Burgeigentümer wissen.

Was nun mit dem Schatz geschieht, ist noch nicht klar. Michael Nomidis-Walter hat sich aber zwischenzeitlich juristisch beraten lassen. Die erste Einschätzung: „Es ist wohl so, dass rein rechtlich 50 Prozent dem Finder gehören und 50 Prozent dem Besitzer des Hauses, also würde der Fund zu 100 Prozent uns gehören.“ Nomidis-Walter ergänzt: „Es könnte aber natürlich durchaus sein, dass Erben auftauchen.“ Und schließlich wird bestimmt auch das Denkmalamt ein Wörtchen mitreden wollen.

Für den Fall, dass der Fund in den Händen der Walters bleibt, gibt es bereits Pläne: „Wir werden die Stücke ab 1. März ausstellen“, so Nomidis-Walter – schließlich ist in einer Woche Saisonstart. Und da kommt der Schatz natürlich gerade recht.