Es war schon lange kein Schmuckstück mehr, das gemeindeeigene Gebäude am Dischinger Ortsanfang aus Richtung Nattheim. Als Obdachlosen- und Asylbewerberunterkunft hatte es bis vor ein paar Jahren noch gedient, doch schon lange war die Gemeinde bestrebt, das marode Bauwerk abreißen zu können. Als das große Haus an der Fleinheimer Straße 33/35 endlich unbewohnt war, konnten Gemeinderat und Verwaltung das gemeinsame Ziel angehen: 2017 erfolgte der Abbruch, für den es einen Zuschuss vom Land gab. Eine Bedingung dafür war, dass das Grundstück wieder für Wohnen genutzt werden muss.

Dieser Vorgabe kommt die Gemeinde mittlerweile nach. Ende 2018 beschloss der Gemeinderat, den Großteil des Grundstücks mit 2050 Quadratmeter Fläche an die Heidenheimer Firma Heinrich Hebel Wohnbau zu verkaufen. Lediglich eine Restfläche von 632 Quadratmeter blieb in Gemeindebesitz, da dort ein Regenüberlaufbecken betrieben wird. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend wurde das Baugesuch für die künftige Bebauung des Areals vorgestellt.

Vier Stockwerke hoch

Jürgen Beyrle von der Firma Hebel sagte zu Beginn seiner Ausführungen: „Seit 2010 ist die Nachfrage nach Wohnungen sehr stark spürbar.“ Hebel habe sich zunehmend in die Kreisgemeinden hinaus gewagt und für das Vorhaben in Dischingen auch bereits einen Bauantrag eingereicht. Das Grundstück werde entlang der Nord-Süd-Achse in zwei Flächen aufgeteilt. Auf jeder solle ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus mit sieben Wohnungen gebaut werden. Beginnen wolle man mit dem Haus auf dem westlichen Grundstücksteil – Fleinheimer Straße 35.

Bei der Realisierung sei geplant, den Ansprüchen für barrierefreies Wohnen weitgehend nachzukommen, so Beyrle. Das Haus werde mit einem Aufzug ausgestattet, jede Etage solle über zwei Wohnungen verfügen – eine Zweizimmerwohnung mit 70 und eine Dreizimmerwohnung mit 90 Quadratmeter. Im etwas zurückgesetzten Dachgeschoss sei eine größere Dreizimmerwohnung von etwa 100 Quadratmeter vorgesehen. Auf individuelle Wünsche eines Käufers könne eingegangen werden.

Das Haus werde in wasserdichter Ausführung unterkellert und habe eine Gesamtwohnfläche von 585,9 Quadratmeter. Die Gesamthöhe werde bei zwölf Meter liegen, als Dach sei ein Flachdach geplant. Zur Sicherung des zweiten Rettungswegs solle eine Rettungsleiter für die obere Wohnetage außen angebracht werden.

Zum Bau hinzu kämen sechs Fertigteilgaragen und ein Stellplatz im Garagenhof. Außerdem seien je Wohnung zwei Fahrradabstellplätze enthalten – acht davon in Garagen, sechs unter einem überdachten Bikeport.

Was den möglichen Baubeginn angeht, so sprach Beyrle vom Spätsommer 2019, eine Fertigstellung sei für Frühjahr 2021 denkbar. Generell sei es richtig, dass Wohnungskosten derzeit steigen. So gehe er davon aus, dass der zuvor angesetzte Quadratmeterpreis von 2600 Euro nicht zu halten ist und eher auf 2800 bis 2875 Euro steigen werde. Für eine Zweizimmerwohnung sei daher mit Anschaffungskosten von etwa 210 000 Euro, für eine Dreizimmerwohnung von etwa 250 000 Euro zu rechnen.

Solaranlage oder Dachbegrünung

„Wir haben einen guten Weg gefunden“, beurteilte Bürgermeister Alfons Jakl die Möglichkeit, der Auflage für den Abbruchzuschuss in Form von neu zu schaffendem Wohnraum nachkommen zu können. Gemeinderätin Erika Wiedmann erkundigte sich, ob im Entwurf auch an behindertengerechte Wohnungen und eine Dachbegrünung gedacht sei. Beyrle antwortete, dass gegenwärtig noch geprüft wird, ob eine Solaranlage auf dem Dach möglich ist. Falls das nicht der Fall sein sollte, werde das Dach begrünt. Eine voll behindertengerechte Wohnung sei nicht darstellbar, da sie sonst deutlich größer werden müsste und damit teurer würde. Wesentliche Bestandteile seien aber sehr wohl vorgesehen.

Im Anschluss stimmte das Gremium dem Baugesuch der Firma Hebel einstimmig zu.

Noch ein weiteres Mehrfamilienhaus

Dischingens Gemeinderat hatte noch über ein weiteres Baugesuch für ein Mehrfamilienhaus mit 16 Stellplätzen zu entscheiden. Dieses soll an der Fleinheimer Straße 28, neben dem Ortsfriedhof, gebaut werden. Das dreigeschossige, nicht unterkellerte Gebäude soll zwölf Wohnungen aufnehmen und 27,6 mal 13 Meter mit einer Firsthöhe von 13,5 Meter groß werden. Ein Aufzug dient der Erschließung, barrierefreie Gestaltung ist geplant. Hinzu kommen Spielplatzfläche und Fahrrad-Unterstellplatz. Die Gemeinderäte stimmten zu.