Hundehalter in Dischingen müssen ab 2023 mit deutlich höherer Hundesteuer rechnen. Für bereits angemeldete Tiere und solche, deren Halter einen Hundeführerschein besitzen, steigt die Steuer um mehr als die Hälfte. Weil die Hundesteuer allerdings seit über 20 Jahren nicht mehr angepasst wurde, erreicht sie dann lediglich das Niveau anderer Kommunen im Kreis. Weitaus höhere Summen müssen die Halterinnen und Halter sogenannter Kampfhunde einkalkulieren. Das beschloss der Gemeinderat am Montag bei drei Gegenstimmen.

Die seit Anfang 2002 geltende Dischinger Hundesteuersatzung sieht für alle angemeldeten Hunde eine jährliche Steuer von 54 Euro vor. Ab Januar steigt der Satz auf 84 Euro.Dabei gilt ein „Bestandsschutz“ für Tiere, die bis Jahresende 2022 angemeldet wurden, unabhängig davon, ob ihre Halterin oder ihr Halter einen Hundeführerschein vorweisen kann. Ab Januar gilt dieser niedrigste Satz dann nur noch bei Tieren, deren Besitzer entsprechend geschult wurden.

Ohne Hundeführerschein wird die Gemeinde künftig für den Ersthund 132 Euro ansetzen. Für weitere Hunde wird Dischingen jeweils die doppelte Summe aufrufen.

Im Durchschnitt des Landkreises kostet ein Hund, dessen Halter seine Eignung nachgewiesen hat, 85,40 Euro, ohne Führerschein sind es im Schnitt 105,20 Euro.

Listenhunde deutlich teurer

Für einen Kampfhund wird die neue Steuer 600 Euro jährlich betragen. Bei der Definition dieser Tiere beruft sich die Gemeindeverwaltung auf eine entsprechende Polizeiverordnung des Landes, die sogenannte Kampfhundeverordnung. Dort werden unter anderem Pit Bull Terrier oder American Staffordshire Terrier aufgeführt. Für den zweiten und jeden weiteren dieser Listenhunde wird Dischingen künftig 1200 Euro Hundesteuer veranschlagen. Blindenhunde bleiben steuerbefreit, hinzu kommen Befreiungen für Hunde, die ausschließlich dem Schutz von Epileptikern oder Diabetikern dienen sollen.

Derzeit werden der Sitzungsvorlage zufolge in der Gesamtgemeinde 320 Hunde besteuert. Die jährlich eingenommene Hundesteuer beläuft sich auf rund 17.000 Euro. Durch die neue Satzung rechnet die Verwaltung mit rund 27.000 Euro an jährlichen Hundesteuereinnahmen.

Neu in Dischingen: Steuermarken für Hunde

Bürgermeister Dirk Schabel betonte im Gemeinderat, bei der hinzugefügten Forderung nach dem Hundeführerschein gehe es um einen Befähigungsnachweis für Halterinnen und Halter, nicht um den jeweiligen Hund. Das vergleichsweise hohe Niveau der Steuer für Kampfhunde begründete Schabel damit, dass die Haltung dieser Hunde von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werde. Weil Dischingen derzeit zudem die kreisweit einzige Gemeinde ohne Steuermarken ist, sollte diese Kennzeichnung mit der neuen Satzung ebenfalls eingeführt werden.

Der Gemeinderat zeigte sich in diesen Fragen allerdings nicht ganz einig. Silvio Mundinger (ÖDP) etwa bezeichnete die Hundesteuer als „Relikt aus dem Mittelalter“, das lediglich Einnahmen erzeugen solle. „Was ist mit einer Steuer auf Katzen, Pferde und Vogelspinnen?“, fragte Mundinger. Der seit 1. Dezember amtierende neue Kämmerer Stefan Kübler erwiderte, die Frage einer Steuer für andere Tierarten werde vom Gemeindetag regelmäßig geprüft, derzeit lehne das Verwaltungsgericht des Landes diese Steuerarten jedoch ab.

Drei Gegenstimmen im Gemeinderat

Ratsmitglied Patrick Dänner (CDU) fand es zwar gut, dass die Steuer nun angepasst wird, jedoch nicht, dass die Gemeinde „so krass erhöhen“ wird. Stefan Kragler (Freier Wählerblock) erwiderte, für bisher schon angemeldete Hunde betrage die Erhöhung lediglich drei Euro im Monat. „Im Grunde war der Fehler, dass wir so lange gewartet haben“, ergänzte Kraglers Fraktionskollege Michael Raunecker. Die Erhöhung spiegele lediglich die Inflation der vergangenen 20 Jahre wider.

Bei drei Gegenstimmen von Silvio Mundinger, Patrick Dänner und Richard Faußner wurde die Einführung der neuen Hundesteuersatzung zum 1. Januar beschlossen.

Pferdesteuer nicht grundsätzlich verboten


Laut Wikipedia wurde die weltweit erste Hundesteuer 1796 in Großbritannien eingeführt und knapp 200 Jahre später wieder abgeschafft. Die erste Hundesteuer im damaligen Königreich Württemberg wurde demnach 1809 erhoben.

Eine Pferdesteuer ist bundesweit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. So haben in den vergangenen Jahren vier hessische Kommunen Pferdesteuern erhoben – zum größten Teil aber bald wieder abgeschafft.