Dischingen / hz Leserbrief zum Artikel „Bauern müssen mehr produzieren“ und zum Interview mit Entwicklungsminister Müller.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner sagt, die Landwirtschaft müsse ihre Produktion bis 2050 um 70 Prozent erhöhen um die Menschen satt zu machen. Dies sei nicht mit romantisierenden Bullerbü-Vorstellungen zu erreichen. Meint sie damit einen Ausbau der europäischen industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, die bereits Überschüsse produziert, das Klima, die Böden und das Grundwasser belastet, sowie die Artenvielfalt bedroht?

Gefördert durch europäische Subventionen werden bereits jetzt schon Märkte in Afrika mit billigen Hähnchenteilen und ähnlichen Agrarprodukten überschwemmt, gegen die die afrikanischen Bauern nicht konkurrieren können. Die Perspektivlosigkeit der Landbevölkerung ist daher auch eine wesentliche Fluchtursache.

Da macht industrielle Landwirtschaft doch keinen Sinn. Wenn man weiß, dass 80 Prozent der Hungernden auf der Welt (820 Millionen laut Welthungerhilfe), die meisten als Kleinbauern und Selbstversorger auf dem Land in Ländern des Globalen Südens leben, muss vor allem die ökologische Landwirtschaft, bzw. Agrarökologie, in diesen Ländern gefördert werden. Nur so kann man die Menschen satt machen.

Frau Klöckner hätte sich bei der Welthungerhilfe oder ihrem Ministerkollegen Gerd Müller informieren können.

Dieser verlangt im Interview in der gleichen Ausgabe der HZ einen Jahrhundert-Vertrag mit Afrika für fairen Handel und Entwicklung, sowie ein Lieferkettengesetz. Entwicklungsminister Müller wendet sich damit auch gegen Ausbeutung und ungeregelte Märkte. Dies ist das richtige Vorgehen und man kann nur hoffen, dass er sich mit seinen Vorstellungen durchsetzen kann.

Die deutsche Wirtschaft und der CDU-Wirtschaftsrat sind nach wie vor gegen ein Lieferkettengesetz. Dies zu torpedieren wäre aber alles andere als christlich. Darüber sollten alle in der CDU/CSU einmal nachdenken.

Dr. Hermann Eckstein, Dischingen