Ich sollte mit dem Satz „Sie trauen sich aber was“ anfangen. Gemeint ist die Veröffentlichung der Vielfalt der Meinungen; von der Preisgabe der „geistigen Fehlleistung“ bis zur soliden Betrachtung von „Dauergetöse und Angstpropaganda durch die Medien“ der Leserbriefschreiber. Was Dr. Hardtmuth als bedenklich schildert, erschreckt mich; als ob es kein Drittes Reich und keine DDR gegeben hätte. Aufgrund der Zahlen des RKI, die für jedermann zugänglich sind, kann man eigentlich nicht zu den „Glaubensbekenntnissen“ mancher Leserbriefschreiber kommen.

„Die natürliche Neigung der Menschen besteht allerdings darin, die Freiheit zu missbrauchen, um die der anderen zu beeinträchtigen“, schreibt Jean-Christophe Rufin in seinem Roman „Globalia“.

 War schon die Angabe der aktiven Fälle ohne die Anzahl der Getesteten und des ct-Wertes zu nennen Propaganda, so ist der Vergleich der Sieben-Tage-Inzidenz von Geimpften und Ungeimpften durch das bayerische Gesundheitsministerium eine bewusste Fehlinterpretation oder bodenlose Dummheit (HZ vom 22.11.2021, „Das Geheimnis der Zahlen“). Wenn fast nur noch Ungeimpfte getestet werden – zum Beispiel, um den Arbeitsplatz betreten zu dürfen –, Geimpfte aber nicht, kommen diese Zahlen heraus, mit denen man weiterhin Angst und Panik erzeugen kann.

Hier möchte ich Inge Schwank zitieren: „Das Erzeugen von Angst – vor allem diffuser, irrationaler Angst – ist ein Mittel, um Macht und Herrschaft über Menschen zu gewinnen. Menschen, die Angst haben, suchen Schutz beim Stärkeren, unterwerfen sich seiner Autorität, sind sogar zu fundamentalen Verhaltensveränderungen bereit. Und der Stärkere, dessen Weisungen sie sich unterwerfen, ist heutzutage der Staat. Politische Angst zu schüren und/oder zu instrumentalisieren, ist so gesehen eine Strategie zur Ermächtigung des Staates.“

 Wieso erkennen die Menschen nicht, was mit ihnen geschieht, wenn schon Alexis de Tocqueville (1805–1859) – noch unter dem Eindruck der französischen Revolution – zu der Erkenntnis kam: „Ich erblicke eine Menge einander ähnlicher und gleichgestellter Menschen, die sich rastlos im Kreise drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu verschaffen, die ihr Gemüt ausfüllen. Jeder steht in seiner Vereinzelung dem Schicksal aller fremd gegenüber [...]. Entwickelt sich in einem dieser demokratischen Völker die Vorliebe für materielle Genüsse schneller als die Bildung und die freiheitliche Gewohnheit, so kommt ein Augenblick, da die Menschen vom Anblick begehrter Güter wie außer sich sind. Man braucht derartigen Bürgern Rechte, die sie besitzen, nicht erst entreißen, sie lassen sie selber gern fahren.“ „Die Art der Unterdrückung, die den demokratischen Völkern droht, wird mit nichts, was ihr in der Welt voranging, zu vergleichen sein.“

 „Dass wir in einer Demokratie leben, heißt nicht, dass uns dieses System automatisch Gutes bringen wird. Wir müssen gegenüber diesem politischen System genauso in einer Haltung des Widerstands verharren, wie wir es gegenüber einem erwiesenermaßen totalitären System tun würden.“

 Für das letzte Zitat fehlt mir leider die Quelle; mit dessen Inhalt kann ich mich jedoch voll identifizieren. Mein Appell an die Herren Guggemos und Zenker: bleiben Sie kritisch, hinterfragen Sie die Aussagen der Politiker, und klären Sie weiterhin ihre Leser auf.

Harald Berger, Dischingen