Anton Erhard (60) nahm es ganz gelassen. In aller Ruhe bereitete er den 160-Tonnen-Kran von Traub aus Ebnat auf einen nicht alltäglichen Einsatz vor: Bei der auf Holztüren spezialisierten Firma Konold in Katzenstein musste gestern eine 26 Tonnen schwere Schleifanlage etwas mehr als 20 Meter durch die Luft und dann durch eine enge Oberlicht-Luke in die große Werkstatt bugsiert werden. Millimeterarbeit war das, ohne dass Anton Erhard überhaupt etwas sah. Seine Kollegen gaben ihm die Anweisungen über Funk. Nichts leichter als das, sagte sich Anton Erhard, der sonst immer für Traub auf irgendwelchen Baustellen große Betonfertigteile an ihre Position in einer neuen Fabrikhalle „lupft“.

Doch bevor das am gestrigen Dienstag richtig losging, musste erst auf der schmalen Umfahrt der zweigeschossigen Produktionshalle der fünfachsige Autokran aufgebaut werden. Die seitlichen Verstrebungen wurden ausgefahren, dann zusätzliche, 42 Tonnen Gegengewichte am Kran angebracht.

700 Kilometer liegt Schio in Norditalien entfernt. Dort war per Tieflader diese Spezialmaschine samt allen Anbauten aufs Härtsfeld verfrachtet worden. Für den Trucker der Spedition Tiroltrans war das ein Routineeinsatz. Aber auf dem Konold-Gelände musste doch mächtig rangiert und schließlich rückwärts die in Folien verschweißte Maschine samt allem Zubehör (wie Motor und Absauganlage usw.) bis an den Autokran manövriert werden. Systematisch wurden alle Teile entfernt, die der Ladungssicherheit dienten. Mächtige Stahlketten wurden schließlich angeklickt. Nach kurzer Zug- und Belastungsprobe schwebte die Schleifanlage langsam empor. Bis zur Dachkante hatte Anton Erhard noch freie Sicht, danach aber war er auf die Kollegen am Funkgerät angewiesen.

Während der Aktion, die etwas über eine halbe Stunde dauerte, hatte die Belegschaft frei. Das Gebäude war für alle Fälle geräumt worden. Schließlich könnte ja solch eine schwere Last aus welchen Gründen auch immer sich lösen und abstürzen.

Das Oberlichtfenster war vorher demontiert, eine damit verbundene Brandmeldeanlage vom Netz genommen worden. In der Halle schaute der Planer und Architekt Hans-Jürgen Elbert noch einmal nach oben: „Wenn es doch nichts wird mit dem Einfahren der Maschine, haben wir Zimmerleute auf dem Werksgelände, die dann binnen wenige Minuten weitere Demontagen vornehmen können. Eigentlich muss alles klargehen, wir haben doch x-mal nach gemessen.“

Elbert hatte sich nicht enttäuscht. Und auch Firmenchef Markus Konold war begeistert: „Das hat hervorragend geklappt.“ Immerhin musste die 298 Zentimeter breite Maschine durch eine Oberlichtöffnung hindurch, die nur drei Meter breit und fünf Meter lang ist.

„Bei den Türenhersteller in Deutschland ist diese Maschine einmalig“, erzählte Markus Konold. Mit der neuen Anlage, die nach Abschluss der Anschlussarbeiten in zwei Wochen offiziell in Betrieb geht, werden die Furniere, die auf die Türrohlinge aufgebracht wurden, gleichmäßig abgeschliffen. Danach bekommen die Türen ihr Finish.

Mehr Menschen, als Katzenstein überhaupt Einwohner hat, arbeiten bei Konold. Auf 25 000 Quadratmetern Produktionsfläche sind 150 Frauen und Männer tätig. Weitere Investitionen sind in Vorbereitung. Im Juni werden voraussichtlich zwei weitere große Maschinen für diesen holzverarbeitenden Betrieb geliefert. Außerdem, so Hans-Jürgen Eberl werde eine Werkstraße als Umfahrt des verwinkelten Firmenareals gebaut. Sie dient vor allem auch der Feuerwehr, sollte der Ernstfall eintreten und ein umfassender Löschangriff notwendig werden.