Wir machen über die kalten Monate zu“, sagt Jennifer Waltenberg. „Es ist bitter, aber aufgrund der explodierenden Preise geht es nicht anders.“ Eigentlich wollte man eine komplette Schließung der Gaststätte in Ballmertshofen vermeiden. Mitte September war auf der Facebook-Seite von „The Railway Tavern“ noch zu lesen: „Aus gegebenem Anlass (steigende Energie-, Heiz- und Lebensmittelpreise) öffnen wir in der kalten Jahreszeit nur noch für Reservierungen. Es tut uns wirklich leid, aber wir sehen keine andere Möglichkeit in der jetzigen Situation trotzdem für Euch da zu sein.“

Lebensmittelpreise und Heizkosten

Doch der Plan schlug fehl. „Es rentiert sich einfach nicht, den ganzen Tag zu öffnen, wenn nur ein Tisch mit zwei Leuten besetzt ist“, sagt Waltenberg. Das mache auch die Planung schwierig. „Mein Mann legt Wert auf frische Lebensmittel und die müssen wir dann wegwerfen, wenn nicht genügend Gäste kommen.“ Neben den gestiegenen Lebensmittelpreisen sind es insbesondere die Heizkosten, die den Waltenbergs zu schaffen machen. „Wir haben einen Öltank, das sagt wohl alles. Die Leute sollen natürlich nicht frieren, aber es ist der Wahnsinn, was mittlerweile alles kostet.“ Und man könne nicht jede Preissteigerung auf die Gäste umlegen. „Es kann nicht sein, dass das günstigste Gericht auf der Karte 20 Euro kostet“, sagt Jennifer Waltenberg. „Wir wollen, dass unsere Speisen für Familien erschwinglich sind.“

Neben den gestiegenen Kosten macht Jennifer Waltenberg und ihrem Mann James aber auch der Mangel an Gästen zu schaffen. „Keiner geht mehr essen“, so die Gastronomin. „Ich habe den Eindruck, die Leute haben Angst, Geld auszugeben.“ Dazu komme bei manchen auch noch die Angst vor Corona. „Nicht jeder will sich derzeit in geschlossenen Räumen aufhalten.“

Erst 2021 eröffnet

Mit den gestiegenen Preisen haben alle Gastronomen zu kämpfen, aber für die Waltenbergs ist es doppelt bitter. Jennifer und James Waltenberg haben die frühere Bahnhofsgaststätte in Ballmertshofen erst 2021 wiederbelebt. Zunächst haben der gelernte Koch und seine Partnerin im Garten hinter dem Haus den Grundstein für ein klassisches englisches Pub gelegt. „Die Biergartensaison war auch sehr erfolgreich“, sagt Jennifer Waltenberg. „Wir haben sehr positive Resonanz von den Gästen bekommen.“ Während des Sommers wurde der Gastraum renoviert und es wäre nun der erste Winter im Regelbetrieb geworden. „Es ist wirklich schade, wir haben so viel Herzblut reingesteckt.“

Existenzängste unter Gastronomen

Das wohl einzig Positive: „Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit. Die Taverne hatten wir nur freitags, samstags und sonntags geöffnet. Wir sind also wirtschaftlich nicht davon abhängig“, sagt Waltenberg. „Andere Gastronomen, die vom Betrieb abhängig sind, haben derzeit schreckliche Existenzängste.“

Die Waltenbergs hoffen jedenfalls, das Lokal im Mai wieder eröffnen zu können. „Wenn es warm und hell ist und wir keine Heizung mehr brauchen“, sagt Jennifer Waltenberg. „Dann kommen auch wieder mehr Radfahrer und Spaziergänger zu uns.“ Zumindest ist das der Plan des Paares. Sicher sei in der derzeitigen Situation allerdings nichts. „Wir hoffen einfach, dass es nicht noch verrückter wird, was die Preise angeht.“