Das Wetter war nicht gerade einladend. Wohl aber, was gestern im Kreis Heidenheim vielerorts geboten war. Am Tag des offenen Denkmals konnten zahlreiche historische Stätten besichtigt werden. Etwa Burg Katzenstein. Burgherr Michael Nomidis-Walter führte zahlreiche Besucher durch das 1000 Jahre alte Gemäuer. Kurzweilig und unterhaltsam sprach er über die bewegte Geschichte der Stauferburg sowie über ehemalige Bewohner, etwa den Erbauer Herzog Tassilo von Bayern oder Herbert Stuber, später Graf Stuber, der nach fast 100 Jahren Leerstand die Burg 1939 für 2500 Reichsmark erworben hatte. „Bewohner sind hier nur durchlaufende Posten“, so Nomidis-Walter. „Gewinner ist immer die Burg, sie ist ewig.“

Tag des offenen Denkmals auf Burg Katzenstein

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals auf Burg Katzenstein

Auch das Leben im Mittelalter ließ der Burgherr lebendig werden und scheute sich nicht, zwei Besucherinnen in eine Halsgeige einzuspannen. Das Folterinstrument wurde im Mittelalter vor allem Frauen umgehängt, die „zänkisch“ waren. Rau war das Leben damals auch für Kinder. „Mit sieben Jahren war die Kindheit vorbei“, so Nomidis-Walter. „Um sechs Uhr ging die Arbeit für sie los. Es war ihre Aufgabe, jeden Tag 600 Liter Wasser auf der Burg zu verteilen.“ Außerdem sammelten sie Moose. Die wurden getrocknet und im „Abtritt“ als Toilettenpapier benutzt.

Erstmals besichtigt werden konnte auf der Stauferburg auch das 1995 abgebrannte „neue Schloss“. „Der obere Schlossteil war über zwei Stockwerke komplett zerstört“, so Nomidis-Walter. Zwar wurde das Dach erneuert, aber im Inneren war lange nichts passiert. Vor etwa zwei Jahren habe man begonnen, die Brandruine zu reinigen. Ende des Jahres soll sie wieder zugänglich sein. „Ganz fertig werden wir wahrscheinlich aber erst in zwei Jahren.“ Und wie soll es dann dort aussehen? „Das war ein Rittersaal und wird auch einer bleiben. Wir würden hier gerne Veranstaltungen abhalten.“

Als ein wahrer Besuchermagnet entpuppten sich in Königsbronn gestern die Führungen von Engelbert Frey durch das im Mai eröffnete Industriemuseum Flammofen. Auf dem Gelände der Feilenschleiferei war die neu eröffnete Schmiede in Betrieb. Hier konnte der gesamte Herstellungsprozess vom Schmieden des Feilenrohlings über das Schleifen und Hauen sowie das Härten der Feile erlebt werden.  Des Weiteren gab es Führungen in der alten Feilenschleiferei, im Kannenmuseum und eine Führung durch das Klosterareal.

Tag des offenen Denkmals in Königsbronn

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals in Königsbronn

Zufrieden zeigte sich gestern Werner Kuhn, der Vorsitzende des Härtsfeldmuseumsbahn-Vereins. Die Modelleisenbahner hatten im Garten des Dischinger Bahnhofs eine Anlage aufgebaut, auf der Lokomotiven, ein Schienenbus und Personenzüge pendelten. Auch drinnen gab es viel zu sehen. Alte Kladden, ein Streckentelefon und eine Zugschlusslaterne erinnerten an Zeiten, als Dampfzugbetrieb vorherrschte und zwischen Aalen und Dillingen auf 55 Kilometern eine meterspurige Eisenbahn verkehrte. Übers Jahr, so zeigte sich Kuhn zuversichtlich, werde das „Liesele“, die Härtsfeldbahn, von Neresheim bis Katzenstein wieder fahren können.

Tag des offenen Denkmals im Dischinger Bahnhof

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals im Dischinger Bahnhof

 Führungen gab es gestern auch durch die Martinskirche in Söhnstetten. Es ging um Architektur, Baugeschichte und Innenausstattung der 1856 im neoromanischen Stil erbauten evangelischen Kirche. Neben dem Innenraum samt Kanzel und Altar sowie Chorfenstern von Wolf-Dieter Kohler und Ölgemälden von Ernst Heinrich Graeser konnte auch der Glockenturm bestiegen werden. Und in Schloss Brenz bot der Förderverein Dachführungen an. Im Turmzimmer gab es Märchen zu hören.

Tag des offenen Denkmals in der Martinskirche

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals in der Martinskirche

Tag des offenen Denkmals auf Schloss Brenz

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals auf Schloss Brenz

So entstand der Denkmaltag


Erfunden haben den Tag des offenen Denkmals die Franzosen. Dort wurde schon 1984 ein Denkmaltag veranstaltet – mit Erfolg. Die Idee wurde deshalb von anderen Ländern aufgegriffen: 1993 waren beim ersten deutschen Tag des offenen Denkmals 1200 Kommunen mit 3500 Denkmälern beteiligt. Zwei Millionen Besucher nahmen das Angebot wahr. Seither wird der Tag regelmäßig wiederholt. Er wird koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Ziel ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für Denkmalpflege zu wecken. An historischen Stätten in ganz Deutschland werden Führungen angeboten.