Freude kann auch ein Stück weit fassungslos machen: „Das ist bei mir noch gar nicht richtig angekommen“, sagt Anja Schwarz. Der Grund dafür ist, dass die Datenbank der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) einen Treffer gemeldet hat. Sprich: es gibt einen Menschen, der nicht nur als Stammzellenspender für ihren Sohn Felix in Frage kommt, der Mann hat auch eingewilligt, die Spende zu leisten. Das gibt Hoffnung nach schwierigen Jahren.

Eigentlich wollte die Bopfingerin Anja Schwarz im Gespräch mit der HZ berichten, wie es dazu kam, dass am Varta-Standort Dischingen am 1. Juni eine Typisierungsaktion stattfindet, bei der sich Menschen als potenzielle Spender bei der DKMS registrieren lassen können. Dass es für Felix nun einen Spender gibt, sei überhaupt kein Grund, die Aktion abzublasen. Es gebe noch so viele weitere erkrankte Kinder und Erwachsene, die auf geeignete Spenderinnen oder Spender warten, sagt Schwarz die selbst am Varta-Standort in Ellwangen arbeitet.

Felix war noch im Kindergarten, als er immer häufiger schmerzhafte Bläschen im Mund bekam. „Er konnte kaum etwas essen, es war sehr schmerzhaft“, erzählt seine Mutter. Untersuchungen folgten auf Untersuchungen, vom Hausarzt wurden sie bald zu Spezialisten überwiesen, 2021 verbrachte der heute Siebenjährige zu großen Teilen auf der Kinderkrebsstation in Augsburg. Mittlerweile ist klar, dass Felix an einem Gendefekt leidet, dem Evans-Syndrom, das sein Immunsystem stört.

Die Möglichkeiten zur Behandlung sind eingeschränkt, die Krankheit ist wenig erforscht. Nur neun Kinder mit dem Evans-Syndrom sind bislang bekannt – weltweit. Mittlerweile wurden auch Münchner Spezialisten eingebunden, die Erkrankung ist dank neuer Behandlungsansätze so weit eingedämmt, dass Felix in die Schule gehen und wieder Fußball spielen kann. Um ganz gesund zu werden, braucht er jedoch die Stammzellenspende.

Hilfe von vielen Seiten

Während der bangen Monate des vergangenen Jahres war für Anja Schwarz und ihren Mann Fabian bald klar, dass sie nicht nur warten wollten. „Wir haben im Krankenhaus so viele leukämiekranke Kinder gesehen, die eine Spende brauchen“, erzählt die Mutter. Zunächst starteten sie in sozialen Medien Aufrufe mit der Bitte, sich in die Spenderdatei eintragen zu lassen. Bald kamen Zeitungen und andere Medien auf die Familie zu, etliche Unternehmen erklärten sich bereit, ihren Mitarbeitenden die Registrierung zu ermöglichen. „Wir mussten gar nicht betteln, die Bereitschaft war riesig“, freut sich Anja Schwarz.

Auch bei ihrem Arbeitgeber Varta reifte bald der Plan, zusammen mit der DKMS sogenannte Typisierungsaktionen an allen Standorten anzubieten. Die Mitarbeitenden, so Unternehmenssprecherin Nicola Maier, dürfen während der Arbeitszeit teilnehmen, die Kosten für die Typisierung, 35 Euro pro Person, übernimmt Varta.

Die DKMS und die Stammzellenspende


Die gemeinnützige Gesellschaft DMKS wurde ursprünglich als Deutsche Knochenmarkspenderdatei gegründet und verfolgt das Ziel, potenzielle Stammzellenspender zu registrieren. Heutzutage erfolgt die Spende überwiegend ähnlich wie eine Blutspende. Bei etwa zehn Prozent der Spenden wird Knochenmark unter Vollnarkose entnommen. Nach eigenen Angaben sind bei der DKMS rund elf Millionen Spender registriert, etwa sieben Millionen davon in Deutschland.