So etwas passiert selten oder nie: Zum Auftakt eines Konzerts erheben sich die Musiker und spenden stehend Beifall ihrem Dirigenten, der schwer mitgenommen zu seinem Pult humpelt und im Sitzen sein Orchester leitet. Helmut Straub hatte sich am Morgen des Konzerttags den Fuß gebrochen und sich trotz der Schmerzen und eines Gehgipses gegen eine Absage des Weihnachtskonzerts gewehrt.

Es war ein fantastischer Abend in der vollbesetzten Martinus-Kirche zu Eglingen: ein Hochamt der Bläsermusik. Wochenlang hatten die etwa 40 Musiker geübt, bis alles saß. Die Vorfreude war also groß. So war es am scheidenden Musikvereinsvorsitzenden Martin Palatzky, die vielen Zuhörer zu begrüßen und vor allem Helmut Straub für seine Hartnäckigkeit Danke zu sagen. Damit waren also alle Probenmühen nicht vergeblich.

In Jörg Glückschalt hat der Musikverein Eglingen einen einfühlsamen Moderator, der teils doch sehr unter die Haut gehende Gedanken zur Weihnachtszeit vortrug und die verschiedenen Stücke vorstellte.

Bei Kirchenkonzerten es in der Regel selten erwünscht, dass zwischendurch Beifall geklatscht wird. Bis ans Ende möge man ihn aufheben und dann aber heftig spenden.Die Darbietungen der Jugendkapelle wie der aktiven Kapelle waren aber so begeisternd, dass das Publikum an zwei Stellen spontan und lange klatschte: Wann spielt zum Beispiel eine Musikkapelle Beethoven und das in ihren Verhältnissen vollendet? Dieses „Adagio“ war der absolute Höhepunkt. Extra-Applaus gab es aber auch für eine Gavotte aus acht Bläsersätzen alter Meister.

Mit Harfe und Hackbrett

20 Jahre gibt es dieses Weihnachtskonzert schon und jedes Mal sind in dem barocken Gotteshaus freie Plätze Mangelware. Gewissermaßen neu im Programm waren die Geschwister Susanne Schmid-Schlicker und Hans-Josef Schlicker, die auf der Harfe und dem Hackbrett nicht nur Weihnachtslieder spielten. Ein besonderer Hörgenuss war der Andachtsjodler, bei dem sich die Saitenspieler mit der aktiven Kapelle abwechselten und ganz famose Leistungen zeigten.

Eröffnet wurde der Abend mit einer Festhymne, bei der sich der ganze Orchestersound entfalten konnte. Die junge Kapelle verdiente sich Bewunderung bei der „Kleinen Weihnachtsfantasie“. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war ein Festmarsch aus acht Bläsersätzen alter Meister, wobei große und kleine Trommel sich in der Lautstärke dem gesamten Geschehen unterordneten und nicht über Gebühr das Geschehen dominierten. Vor dem großen Finale ließen die Musiker, für die der Raum vor dem Hochaltar längst zu klein geworden ist, die „Winterrose“ erblühen.

Dieser Abend klang aus mit dem Lied aller Weihnachtslieder: Stille Nacht. Das war etwas für Herz und Gemüt. Es konnte Weihnachten werden, auch wenn nach dem Konzert die Konzertbesucher auf dem Heimweg von einem wolkenbruchartigen Regen zur Eile angetrieben wurden.