Der Arbeitskreis Heidenheim des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV) und der Naturschutzbund-Kreisverband Heidenheim (Nabu) lehnen die Planungen für einen Campingplatz am Härtsfeldsee ab. Die ökologische Funktion des Gebiets sei bereits jetzt stark geschwächt, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme beider Verbände. Die Verbände haben Vorschläge zum ökologischen Ausgleich gemacht.

Die Naturschutzverbände kritisieren die aus ihrer Sicht „immer weiter ausufernden Planungen am Härtsfeldsee“. Bernd Engelhart, Sprecher des Arbeitskreises Heidenheim des LNV: „Wir haben die Erweiterung des Seerestaurants, den Bau des Bahnhofs Härtsfeldsee und viele andere touristische Angebotserweiterungen mitgetragen. Zugleich aber auch auf die bereits heute viel zu hohen Belastungen in dem Gebiet hingewiesen und Vorschläge für Ausgleichsmaßnahmen gemacht. Die jetzt bekannt gewordene Anlage eines Campingplatzes mit 150 Stellplätzen würde die ökologische Funktion des Gebiets vollkommen zerstören und ist für die Naturschutzverbände in keinster Weise akzeptabel.“

Der Härtsfeldsee sei im Bereich der gewässerarmen Alb ein wichtiger Trittstein für den Vogelzug, so die beiden Verbände. Regelmäßig würden dort Zugvögel rasten. Am See seien weit über 100 Vogelarten nachgewiesen. Zugleich würden dort auch Wasservögel überwintern, vor allem der seltene Gänsesäger oder auch Silberreiher oder im Umfeld der Raubwürger.

Der See und die angrenzenden Hecken, Waldgebiete seien Heimat von mindestens fünf Fledermausarten. Bevor die Störungen zunahmen, hätten auch regelmäßig Haubentaucher, Teichhuhn oder Rohrsänger dort gebrütet. Die Erweiterung der Gastronomie, die Inbetriebnahme des Bahnhofs Härtsfeldsee, die Planung für einen Wohnmobilstellplatz würden den ohnehin schon hohen Besucherdruck auf das Gebiet erhöhen.

Markus Schmid vom Vorstand des Nabu Heidenheim: „Der seit Jahren zunehmende Besucherdruck in Kombination mit den fehlenden Rückzugsgebieten hat bereits zu einer deutlichen Entwertung des Gebiets geführt. Naturverträglicher Tourismus sieht so nicht aus.“

Kritik der Verbände gibt es auch am Verfahren. Denn im Vorentwurf des Bebauungsplans sei die Erweiterung des Kioskbetriebs und des neuen Wohnmobilstellplatzes angedacht. Engelhart: „Als ob es eine Kleinigkeit wäre, wird nun noch ein Campingplatz mit 150 Stellplätzen ins Spiel gebracht. Bis zum heutigen Tag wurde kein Umweltbericht, keine Natura 2000-Vorprüfung und auch kein Ausgleichskonzept vorgelegt.“

Vorschläge der Verbände

Bereits Ende Januar hätten sich die Verbände mit Vorschlägen ins Verfahren eingebracht: Schutz des südlichen Seeteils inklusive der Vogelinsel durch eine permanente nicht überfahrbare Bojenkette, Förderung der Schilf- und Wasserpflanzenbestände in der Naturfläche, Etablierung eines Sichtschutzes durch dicht schließende Schilfwände mit denkbaren Beobachtungsmöglichkeiten für die Besucher, Planung einer großflächigen Naturschutzfläche nördlich des Sees zwischen L 2033 und Egau. Ein erster Ansatz könne die Schaffung von Überschwemmungsflächen in diesem Bereich und die Verlegung des Egaubetts in Mäander sein.

Schmid: „Mit diesen Maßnahmen besteht die Chance, das ökologische Gleichgewicht am Härtsfeldsee zu erhalten. Wir hoffen dass Dischingen erkennt, dass das Leitbild nur naturverträglicher Tourismus sein kann. Ein Campingplatz zusätzlich zum Wohnmobilstellplatz wird von uns auch bei Umsetzung der obigen Vorschläge strikt abgelehnt.“

Das Vorhaben Campingplatz am See


Zwei ortsansässige Investoren haben ihre Pläne für einen Campingplatz am Härtsfeldsee im Dischinger Gemeinderat vorgelegt. Vorgesehen wären für „Seecamping Härtsfeld“ 150 Stellplätze für Wohnwagen und Zelte auf einem 3,3 Hektar großen Areal westlich des Sees. Zehn Prozent der Plätze sollen für Dauercamper bereitgestellt werden. Hinzu kämen ein Sanitärgebäude und andere Infrastruktur-Einrichtungen.

Im Gemeinderat sah man das Campingplatz-Vorhaben, das benachbart zu einem ebenfalls vorgesehenen Wohnmobil-Stellplatz entstehen soll, positiv. Die grundsätzliche Bereitschaft für die Einleitung von Verfahren zur Flächennutzungsplanänderung und einen Bebauungsplan wurde bekundet. Hinzukommen sollen Gutachten. Die Kosten müssten die Investoren tragen.