„Wenn du einmal damit angefangen hast, dann kannst du nicht mehr aufhören.“ Dies sagte mir eine Italienerin in der Nähe von Genua ziemlich zu Beginn meiner Reise. Und das kann ich nun nach sieben Monaten in unterschiedlichen Ländern komplett unterstreichen.

Mein Name ist Phillip Oberschmid, ich bin 23 Jahre alt und auf dem wunderschönen Härtsfeld groß geworden. Ich hatte schon länger den Traum, andere Länder, Kulturen, Gewohnheiten, Einstellungen, Feste und Menschen kennenzulernen. Die Frage, die sich mir länger gestellt hat ist die, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist. Das Problem, dass mit dieser Fragestellung jedoch einhergeht, ist, dass man selten den richtigen Zeitpunkt dafür findet und meistens irgendwelche Gründe hat, die einen davon abhalten. So kommt man nicht ins Handeln und wertvolle Zeit verstreicht.

Abenteuer Europareise

Im Januar dieses Jahres habe ich dann den Schritt gewagt. Ich habe mir einen Campervan gekauft, diesen mit der Unterstützung meines Papas etwas umgebaut und mich dann ins Abenteuer – Europareise gestürzt. Für mich ging es nun sechs Monate quer durch Europa, begonnen in Italien über Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Österreich bis ich wieder in Deutschland angekommen bin.

Phillip Oberschmid aus Dischingen schaut sich die Welt an - erst war er unterwegs durch halb Europa und lebt nun in den USA.
Phillip Oberschmid aus Dischingen schaut sich die Welt an - erst war er unterwegs durch halb Europa und lebt nun in den USA.
© Foto: privat

In dieser Zeit habe ich einiges erlebt und gelernt. Das Leben im Minimalismus mit dem Van, da man eben nur einen begrenzten Raum zur Verfügung hat. Man ist Wind und Wetter ausgesetzt und in einem anderen Land komplett auf sich alleine gestellt. Oder ob es die tägliche kalte Dusche war, da ich kein Warmwasser hatte. Ich könnte die Liste sehr lange fortführen. Es waren die einzigartigen Momente, die diese Zeit so unglaublich gemacht hat. Ich feierte in einen 79. Geburtstag einer Hamburgerin mit hinein, ich lernte ein niederländisches Paar auf der Fähre von Italien nach Griechenland kennen, mit denen ich mich viermal getroffen habe und die mich zum Abschluss ihrer neunmonatigen Europareise in unserem Haus besucht haben.

Oder ich lernte zwei deutsche Damen auf dem Petersdom in Rom kennen, mit denen ich drei Tage verbracht habe. Im Kopf geblieben ist mir auch der Tag des russischen Einmarsches in die Ukraine. An diesem Tag saß ich in einem Park in Rom und hatte dort ein extrem tiefgründiges Gespräch auf einer Bank mit einer englischen Doktorin. Extrem dankbar bin ich auch über meine Schwester und drei Freunde, die mich in dieser Zeit für ein Stück begleitet haben. Ein weiteres Highlight war außerdem ein Projekt in Griechenland, bei dem ich mit 17 Freiwilligen aus der ganzen Welt zusammengearbeitet habe. Ich liebe es, meine Komfortzone zu verlassen und viele neue Dinge auszuprobieren. So bin ich zum Beispiel das erste Mal auf einem Vulkan gewandert, bin in Slowenien das erste Mal geritten und ich habe in Palermo meine erste Oper besucht.

Schwerer Abschied

Allerdings würde ich hier ein falsches Bild zeichnen, wenn ich beim ausschließlich Positiven bleibe. Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten und so gab es in dieser Zeit natürlich auch negative Aspekte. Der Abschied ist mir relativ schwergefallen. Man lässt seine Familie, Freunde und seine Umgebung zurück. Man startet komplett ins Ungewisse und weiß meistens nicht, was einen morgen erwartet. Dieses Gefühl ist sehr aufregend, kann aber auf Dauer auch anstrengend sein. Zudem gibt es auch schönere Aufgaben, als die Campingtoilette zu entleeren. Alles in allem sind es aber die schwierigen Situationen, an denen man wächst.

Phillip Oberschmid aus Dischingen schaut sich die Welt an - erst war er unterwegs durch halb Europa und lebt nun in den USA.
Phillip Oberschmid aus Dischingen schaut sich die Welt an - erst war er unterwegs durch halb Europa und lebt nun in den USA.
© Foto: privat

Nach einem Heimataufenthalt, bin ich nun wieder seit November unterwegs. Dieses Mal nicht mit vier Rädern und in Europa, sondern mit einem Backpack in den USA. Ich lebe dort in Gastfamilien, bekomme meine Unterkunft und die Versorgung gestellt und im Gegenzug helfe ich bei verschiedensten Aufgaben mit circa 4 Stunden am Tag. Das Beste daran ist, dass ich mit den Amerikanern zusammenlebe und so hautnah die USA kennenlernen kann. So konnte ich zum Beispiel mein erstes Thanksgiving mitfeiern. Für mich geht es nach einem Monat in Florida nun weiter nach Texas auf eine Farm. Extrem dankbar bin ich auch darüber, dass wir, ein anderer französischer Freiwilliger und ich, das Zweitauto der Familie bekommen haben und so für acht Tage durch Florida fahren konnten. Wir waren Kanufahren, haben den Universal Park in Orlando besucht, wir waren live dabei, als die Artemis 1-Rakete vom Kennedy-Space-Center aus gestartet ist, waren in Miami, am südlichsten Punkt der kontinentalen USA, in Key West. Und die Everglades haben wir auch gesehen! Ich liebe das Land und die Menschen, die einfach so sind, wie sie sind, und sich nicht verstellen.

Eines ist klar, das wird sicherlich nicht mein letzter Auslandsaufenthalt sein. Beste Grüße nach Heidenheim!

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.