Es liegt wahrscheinlich in der Natur des Menschen – zumindest mancher -, stets das Haar in der Suppe zu suchen. Sollten das auch die Bürgermeister von Dischingen und Neresheim, Alfons Jakl und Thomas Häfele, im Vorfeld des vergangenen Donnerstagabends getan haben, so blieben sie erfolglos: Bei der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Regenüberlaufbeckens nahe Katzenstein waren sie jedenfalls voll des Lobes über Planer, Baufirmen und sogar Grundstückseigentümer, die ihre Flächen ganz oder zeitweise zur Verfügung gestellt hatte.

Zwar war das Bauwerk, könnte man mäkeln, schon seit vergangenem Dezember in Betrieb, nach Ablauf eines guten halben Jahres konnten die Baubeteiligten aber immerhin im Freien und in recht großer Zahl feiern. Außerdem waren bereits alle Leistungen abgerechnet, sodass eine weitere frohe Botschaft lautete: Die Bausumme blieb knapp unter der ursprünglichen Schätzung.

Sichtbares Zeichen der Neuerung

Gleichwohl wurde eine siebenstellige Summe so gründlich vergraben, das nur ein kleines, holzverkleidetes Technikhäuschen gegenüber der alten Katzensteiner Kläranlage als sichtbares Zeichen der Neuerung übrig blieb.

Die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbandes Härtsfeld bei der offiziellen Inbetriebnahme im Technikgebäude: (v.l.) Guido Ochs (Kämmerer Heidenheim), Josef Weber (Ortsvorsteher Großkuchen), Helmut Kolb (Ingenieurbüro Kolb, Steinheim), BM Alfons Jakl (Dischingen), BM Norbert Bereska (Nattheim) und BM Thomas Häfele (Neresheim).
Die Verantwortlichen des Abwasserzweckverbandes Härtsfeld bei der offiziellen Inbetriebnahme im Technikgebäude: (v.l.) Guido Ochs (Kämmerer Heidenheim), Josef Weber (Ortsvorsteher Großkuchen), Helmut Kolb (Ingenieurbüro Kolb, Steinheim), BM Alfons Jakl (Dischingen), BM Norbert Bereska (Nattheim) und BM Thomas Häfele (Neresheim).
© Foto: Jens Eber

Alfons Jakl verleitete das zu der scherzhaften Aussage, wonach Bürgermeister eigentlich lieber Hochbau betreiben, als in Kanäle zu investieren. Vor allem aber erinnerte er daran, in welchem größeren Zusammenhang der Bau des Regenüberlaufbeckens steht: Nach der 2017 abgeschlossenen Modernisierung der Gruppenkläranlage in Dattenhausen, an der Dischingen über den Abwasserzweckverband Härtsfeld beteiligt ist, sah sich die Gemeinde in der Pflicht, die technisch veraltete Kläranlage in Katzenstein aufzugeben und Frickingen wie Katzenstein an die Dattenhauser Kläranlage anzuschließen.

300 Kubikmeter fasst das Regenüberlaufbecken

Die notwendigen Baumaßnahmen kosteten unterm Strich rund zwei Millionen Euro. Darin enthalten sind rund 600.000 Euro zu Lasten des Abwasserzweckverbandes Härtsfeld, der damit die Abwasserleitung zwischen dem neuen Becken und der Sammelleitung am Härtsfeldsee bezahlte. Die deutlich prominentere Summe, 1,41 Millionen Euro, musste die Gemeinde Dischingen in die Hand nehmen, um das 300 Kubikmeter fassende Regenüberlaufbecken samt Nebenarbeiten zu bauen. Dazu gehörte auch eine Wasserleitung von einem nahen Brunnen, die nun die sogenannten Spülkippen im Innern speist.

Ganz allein bleiben freilich weder Gemeinde noch Zweckverband auf den Kosten sitzen: Mit 1,06 Millionen Euro bezuschusste das Land Baden-Württemberg den Bau des Beckens, mit einer Viertelmillionen wurde zudem der Leitungsbau gefördert. Nach erfolgter Abrechnung blieben die Arbeiten rund 60.000 Euro unter der Kostenschätzung.

Von den Planer bis zu den Baufirmen

Jakl wie Häfele lobten ausdrücklich die „hervorragende Arbeit“ aller Beteiligten – von den Planer bis zu den ausführenden Baufirmen. Auch die Grundstückseigentümer seien durchaus entgegenkommend gewesen.

Der Steinheimer Tiefbauplaner Helmut Kolb betonte, es seien „sportliche“ Pläne gewesen, vor allem aus zeitlicher Sicht. Kommt nun etwa bei Starkregen in kurzer Zeit eine große Menge Abwasser aus Frickingen und Katzenstein an, wird es im Regenüberlaufbecken gepuffert. Eine Drosselung sorgt dafür, dass maximal fünf Liter pro Sekunde an die nachfolgende Abwasserleitung abgegeben werden. Durch die Möglichkeit zur Fernsteuerung  soll die neue Anlage auch die Betriebskosten senken.

Abwasserzweckverband Härtsfeld Katzenstein kommt auch ans Netz

Dattenhausen

Ein große Rolle für die Region


Das Dorf Dattenhausen ist im Landkreis Heidenheim zwar nicht allzu bekannt, die etwas außerhalb gelegene Gruppenkläranlage des Abwasserzweckverbandes Härtsfeld spielt für die Region aber eine große Rolle: Rund zwei Dutzend Städte und Dörfer aus den Landkreisen Heidenheim, Ostalb und Dillingen leiten ihre Abwässer zur Reinigung in die Gruppenkläranlage ein.
Ursprünglich wurde das Klärwerk 1993 in Betrieb genommen, zwischen 2015 und 2017 wurde es erweitert und modernisiert, die Baukosten damals: 3,2 Millionen Euro. Aus dem Kreis Heidenheim sind neben der Gemeinde Dischingen (außer Demmingen) Kleinkuchen, Großkuchen, Rotensohl, Steinweiler, Fleinheim und Auernheim an das Klärwerk angeschlossen.