Sandra Merk ist sauer. Und das schon eine ganze Weile. Seit August 2019 ist sie Pächterin der Gaststätte des SV Dischingen. Und obwohl der Vertrag eigentlich unbefristet war, hat sie ihn vor kurzem und zum Ende des Jahres gekündigt. Nicht wegen Corona oder den gestiegenen Preisen. Als Grund nennt sie den Vertrauensverlust gegenüber aktuellen und ehemaligen Vereinsfunktionären, die die Vorwürfe jedoch bestreiten. „Ich kann da aber einfach nicht mehr arbeiten. Dafür ist zu viel passiert“, so die 46-Jährige.

Sauer ist sie vor allem auf einen ehemaligen Vereinsfunktionär und den aktuellen Vorsitzenden des Sportvereins, Werner Bahmann. „Als wir uns kennengelernt haben, dachte ich, das sind nette Leute“, so Merk. Vor allem der ehemalige Vereinsfunktionär habe sich um vieles gekümmert und sie unterstützt. „Aber irgendwann ging es mir zu weit. Er hatte einen Generalschlüssel und ist ungefragt in die Gaststätte reingelaufen unter irgendwelchen Vorwänden.“ Auch wenn sie nicht selbst in der Wirtschaft anwesend gewesen sei und die Gaststätte geschlossen hatte, sei er darin gesehen worden.

Diebstahl von Leergut?

„Ich fand das erst nur nervig, aber da hatte ich die ganze Dimension noch nicht erkannt“, sagt Sandra Merk. Eines Tages sei dann ihr Getränkelieferant auf sie zugekommen. „Er hat gemeint, dass jemand aus dem Verein bei ihm Getränkekisten abgibt, die nach Frittierfett riechen. Er war sich sicher, dass die Kisten aus meiner Gaststätte sind.“ Sie beschloss daraufhin mit ihrem damaligen Lebensgefährten und im Austausch mit der Polizei, Kameras im Lokal zu installieren. „Und was wir dann gesehen haben, war nicht nur der Diebstahl von Leergut“, so Merk. Auf den Aufnahmen vom 1. März 2021 sei der ehemalige Vereinsfunktionär zu sehen gewesen, wie er Schubladen einer Kommode geöffnet und durchsucht habe. „Er hat meine dort versteckte Geldkassette gefunden und Geld herausgenommen“, schildert Merk. „Ich konnte es nicht glauben.“ Und das alles, obwohl sie mitten in der Pandemie ohnehin mit Geldsorgen zu kämpfen gehabt hatte.

Reine Privatsache?

Von der HZ angesprochen auf die Vorwürfe, wollten sich weder der ehemalige Vereinsfunktionär noch der aktuelle Vorsitzende wirklich äußern. Was geschehen sei, sei reine Privatsache, da er zum Zeitpunkt der Vorfälle gar kein offizielles Amt im Verein mehr innehatte, so der ehemalige Funktionär. Im November 2019, also vor dem aufgezeichneten Diebstahl, habe er sich bereits von seinem Amt „abgemeldet“.

Sandra Merk indessen bezweifelt das. Im Mai 2022 habe eine Hauptversammlung des Vereins stattgefunden und im Briefkopf der Einladung sei der Funktionär noch namentlich als solcher aufgeführt gewesen. Der Beschuldigte dazu: „Ich bin schon lange nicht mehr im Amt.“ Nur weil aufgrund von Corona zwei Jahre lang keine Hauptversammlungen stattfinden konnten, sei er noch formell auf dem Briefkopf des Vereins und der Homepage als Funktionär namentlich genannt gewesen.

Anzeige erstattet

Sandra Merk berichtet weiter, dass sie sich nach dem von den Kameras aufgezeichneten Vorfalls gleich an den Vorsitzenden Werner Bahmann gewandt habe. „Der meinte, das seien haltlose Anschuldigungen und daraufhin habe ich Anzeige bei der Polizei erstattet.“ Dass die Anschuldigungen wohl nicht haltlos waren, zeigten die darauffolgenden Ermittlungen. Maximilian Adis von der Staatsanwaltschaft Ellwangen: „Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen am 1. März 2021 in der Mittagszeit aus den Räumen des Sportheims Dischingen aus einer dort in einem Schrank deponierten Geldkassette verschiedene Scheine im Gesamtwert von 205 Euro entwendet zu haben.“ Das Geld habe der Geschädigten Sandra Merk gehört. Und weiter: „Wegen der Tat erließ das Amtsgericht Heidenheim mit Datum vom 29. Juni 2021 einen Strafbefehl gegen den Beschuldigten, mit welchem eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Euro festgesetzt wurde.“ Der Strafbefehl sei rechtkräftig.

„Ich habe bis heute keine Entschuldigung von Seiten des Vereins erhalten“, so Sandra Merk. „Unter einem neuen Vorstand hätte ich die Gaststätte wohl weiter betrieben. Aber so geht das nicht. Das Vertrauen ist weg.“ Warum gab es keine Aussprache? Dazu Werner Bahmann: „Da der Verein an der Sache nicht beteiligt war, muss der Verein auch nichts tun.“ Und in eine Gerichtssache seien weder er noch der Verein involviert gewesen. Der ehemalige Vereinsfunktionär bezweifelt auch, dass die Kündigung des Pachtvertrages überhaupt etwas mit ihm zu tun habe. „Die wahren Gründe kenne ich aber nicht und werde mich auch nicht an Spekulationen beteiligen.“

„Ich möchte nicht mehr“

Sandra Merk kam nun auch zu Ohren, dass hinter ihrem Rücken abschätzig über sie gesprochen werde: „Manche im Verein sind offensichtlich der Ansicht, dass man das auch ohne Polizei hätte regeln können, aber das sehe ich anders und für mich ist das keine Privatsache.“ Für ihre Gäste und das Sportheim tut es ihr jedenfalls leid. Eine weitere Aussprache mit dem Vereinsvorstand suche sie dennoch nicht. „Ich bin nur noch müde und möchte nicht mehr.“ Auch nervlich hätten sie die vergangenen Monate stark mitgenommen. „Und viele Leute im Dorf denken, ich schließe, weil ich pleite bin, aber das kann ich so einfach nicht stehen lassen.“

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