Das „Weihnachtshaus“ in Ballmertshofen leuchtet wieder. Lichterketten am Haus und an der Garage, beleuchtete Sträucher, dazu illuminierte Rentiere und eine Eisenbahn, die ihre Runden durch künstlichen Schnee zieht. Sigrid Mannes freut sich über die Pracht, die vor allem ihr Schwiegersohn in den vergangenen Wochen angebracht hat. Ihr ist aber auch anzumerken, dass ihr die Freude nicht ganz leichtfällt.

Sie hat die Weihnachtsbeleuchtung dieses Jahr unter das Motto „1000 Lichter leuchten dir in den Himmel“ gestellt, und das ist geradezu schmerzhaft wörtlich zu nehmen. Der jährliche Lichterglanz zu Weihnachten war das leidenschaftlich betriebene Hobby ihres Mannes Karl-Heinz, den alle „Charly“ nannten. Er starb im Oktober mit gerade einmal 60 Jahren, nicht ohne ihr das Versprechen abzunehmen, dass auch dieses Jahr das Haus erstrahlen würde.

Begeisterung für Weihnachtsschmuck

Ein Faible für weihnachtlichen Schmuck habe ihr Mann schon lange gehabt, erzählt Sigrid Mannes. Sie hat an ihrem früheren Wohnort lange für die Kirche gearbeitet, ihr Mann übernahm es dort, den Weihnachtsbaum aufzustellen, und als versierter Handwerker vergrößerte er auch nach und nach die Krippe.

Raum für die freie Entfaltung seiner Leidenschaft gewann Karl-Heinz Mannes, als die Familie vor einigen Jahren nach Ballmertshofen zog. Im Haus an der Straße „Am Kellerberg“ hatte er genügend Möglichkeiten für Lichterketten und Weihnachtsschmuck aller Art. „Es war sein ganzer Stolz“, erzählt Sigrid Mannes. Monatelang bereitete er die Dekoration vor, und wenn alles fertig war, saß er stundenlang in seinem beleuchteten Garten.

Zeit für dieses weithin strahlende Hobby war freilich knapp. „Charly“ war gelernter Maurer, seine Frau ist Kinderpflegerin, nebenbei betrieben sie in Frauenriedhausen auch noch die Schützenklause, wo er seiner zweiten Leidenschaft, dem Kochen und Bewirten, frönen konnte. „Das Kochen war sein Ding“, sagt Sigrid Mannes lächelnd. Fast zwanzig Jahre lang trugen sie zusammen auch die Heidenheimer Zeitung aus, lange Zeit in Demmingen, zuletzt in Katzenstein.

Große Fürsorge in den letzten Tagen

Das gemeinsame Leben endete jäh. Karl-Heinz Mannes litt zwar seit langem an einer schweren Erkrankung, im Oktober ging es ihm aber rapide schlechter. Die Ärzte machten ihm keine Hoffnung mehr auf Genesung, und weil die Versorgung zu Hause in Ballmertshofen immer schwieriger wurde, entschloss sich die Familie, dass er ins Hospiz Barbara in Heidenheim ziehen sollte.

Dort war er zwar nur noch drei Tage, bevor er starb, aber die Fürsorge des Hospiz-Teams beeindruckte Sigrid Mannes so nachhaltig, dass sie die Weihnachtsbeleuchtung dieses Jahr mit einer kleinen Spendenaktion für das Hospiz verbinden wollte. Daher hängt am Gartenzaun ihres Hauses nun ein Kässchen, und sie hofft, dass Besucher, die sich das Weihnachtshaus anschauen, auch eine Kleinigkeit hineinwerfen werden.

Die Schützenklause hat Sigrid Mannes in der Zwischenzeit aufgegeben. „Es hängen einfach zu viele Erinnerungen dran“, sagt sie. Dafür treibt sie ihre Ausbildung zur musikalischen Fachkraft voran. Sie will ein Studio für musikalische Früherziehung eröffnen und ihre Dienste auch in Kindergärten anbieten. Irgendwie muss es ja weitergehen.

Die Weihnachtsbeleuchtung will Sigrid Mannes bis zum Dreikönigstag installiert lassen. Bis dahin wird sie gedanklich schon bei einem weiteren Versprechen sein, dass sie „Charly“ gab: Sie will auch ihre Karriere als Schlagersängerin „Maria“ vorantreiben. Ein halbes Dutzend Lieder hat sie bereits in petto, ein Höhepunkt war ein Auftritt im Vorprogramm von Markus („Ich will Spaß“) im September in Burgberg. Auch wenn es „Charly“ Mannes da schon schlecht ging, ließ er es sich nicht nehmen, seiner Frau vor Ort zu applaudieren. „Er war eben mein erster und größter Fan“, sagt sie.