Wenn eine Haushaltsdebatte im Gemeinderat auch mal etwas hitziger wird, dann ist das normalerweise ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass sich das dafür gewählte Gremium intensiv mit den Finanzen der Kommune auseinandergesetzt hat. Umso wichtiger ist das dann, wenn es finanziell gerade nicht allzu rund läuft. Auch in Steinheim wurde es am Dienstagabend zwischendurch etwas emotionaler. Dabei ging es aber weniger um die Frage, wo man sparen könnte, sondern eher darum, ob man sich überhaupt die Mühe gemacht hat, nach Sparpotenzialen zu suchen.
Auf Seiten der Freien Wählervereinigung klang zumindest von Mathias Brodbeck der Vorwurf durch, dass sich die anderen Gruppierungen nicht eingehend genug mit dem Haushalt beschäftigt hätten – wogegen sich diese wiederum verwehrten. Dass es in Steinheim bei Haushaltsberatungen Diskrepanzen zwischen den Freien Wählern und den anderen drei Gruppierungen gibt, ist generell nichts Neues. In dieser Deutlichkeit allerdings schon.
Am Ende wurde diese Debatte zu einer etwas seltsam anmutenden One-Man-Show, in der Gemeinderat Christoph Müller (FWV) Einsparungen vorschlug, diese zu Anträgen formuliert wurden, die dann im Gemeinderat größtenteils doch mehrheitlich oder gar einstimmig angenommen wurden. Das Problem dabei ist nicht diese One-Man-Show an sich (die Müller selbst sichtlich unangenehm war). Das Problem ist der Eindruck, der so von den übrigen Gruppierungen im Steinheimer Gemeinderat entstand.
Denn entweder erkennt man selbst Sparpotenziale im Entwurf des Haushaltsplans und macht eigene Vorschläge. Oder man sieht keine Spielräume oder keinen Anlass zum Sparen, stimmt dann aber logischerweise auch gegen die Anträge zum Sparen.
Andernfalls ist dem Vorwurf, vorher doch nicht genau genug hingeschaut zu haben, wenig entgegenzusetzen. Das dürfte aber für keinen der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Anspruch sein, die sehr viel von ihrer Freizeit für dieses wichtige Ehrenamt opfern.
Am Ende wird in Steinheim wieder an einem Strang gezogen, auch das ist glücklicherweise nichts Neues. In der künftigen Haushaltskommission wird jede der vier Gruppierungen die Gelegenheit haben, sich einzubringen und zu zeigen, wie intensiv sie sich mit den Finanzen beschäftigt. Es stünde ihnen gut zu Gesicht.


