Oberliga-Spitzenreiter und Pokalerfolg

Zug um Zug zum Erfolg: Warum es beim Schachklub Sontheim derzeit so gut läuft

Deutschlands „größter Dorfschachklub“ schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle. Die erste Mannschaft des SK Sontheim steht als Aufsteiger in die Oberliga gleich wieder an der Tabellenspitze und dem Viererteam winkt demnächst sogar ein Duell gegen den Verein von Ex-Weltmeister Magnus Carlsen.

Nach dem Aufstieg in die Oberliga war der Respekt bei Sontheims Schachspielern groß, zumal sich die Verstärkungen in Grenzen hielten. Stefan Egle schloss sich dem SK an, zudem steht der in früheren Jahren schon sehr erfolgreiche Kevin Walter wieder öfter zur Verfügung. Auf ausländische Verstärkung wurde verzichtet, dennoch lief es von Anfang an glänzend. Zuletzt übernahmen die Sontheimer mit dem 4,5:3,5-Sieg gegen Ebersbach sogar die Tabellenführung.

„Damit hätten wir selbst nicht gerechnet, eigentlich wäre sogar noch mehr drin gewesen“, sagt Mannschaftsführer Sören Pürckhauer und warnt gleichzeitig: „Es ist noch gar nichts entschieden, bei drei Absteigern sind wir noch nicht durch.“ Derzeit führt sein Team mit 7:3 Punkten vor Ebersbach und Grunbach (je 6:4), Wernau kommt als Drittletzter auf 3:5 Zähler. Für Spannung ist noch gesorgt, auch der eigentliche Favorit SF Stuttgart zeigte zuletzt stark aufsteigende Form.

Winkt sogar der Aufstieg?

Ursprünglich war nur der Klassenerhalt das Ziel, wenn es aber weiter so gut läuft und die Sontheimer auch nach dem letzten Spieltag ganz vorn stehen, würden sie die Herausforderung BW-Liga annehmen. Der Sprung in die dritthöchste Spielklasse wäre allerdings enorm, denn nach wie vor tummeln sich in den deutschen Topligen extrem viele Spitzenspieler aus aller Welt. „Das würde auch helfen, Neil Albrecht noch eine Weile zu halten“, sagt Pürckhauer und erklärt: „Wir machen uns da nichts vor, wenn er weiterkommen will, wird er sich irgendwann einen Bundesligaverein suchen müssen.“

Der amtierende deutsche U-14-Meister ist in der laufenden Saison am Spitzenbrett noch ungeschlagen (drei Punkte aus fünf Partien), eine starke Leistung zeigt auch der im Jahr zuvor nach Sontheim gekommene Thomas Brückner an Brett 2 (3 aus 4). Insgesamt überzeugen die Sontheimer, für die es am 1. März mit dem Bezirksderby bei der SG Schwäbisch Gmünd weitergeht, aber durch ihre Ausgeglichenheit.

Im Pokal auf deutscher Ebene

Noch spektakulärer ist der Auftritt im Vierermannschaftspokal, in dem der SK württembergischer Vizemeister wurde und sich damit erstmals für den Wettbewerb auf deutscher Ebene qualifizierte. Hier hatte man zum Auftakt etwas Glück, dass der erste Gegner nicht antrat. Gegen starke Regensburger entwickelte sich dann ein spannendes Duell.

Nach einem Sieg von Brückner, Remis von Walter und Albrecht und einer Niederlage von Pürckhauer stand es 2:2, die Sontheimer hatten aber durch die Berliner Wertung (die vorderen Bretter zählen mehr) ganz knapp die Nase vorn. In der nächsten Runde (gespielt wird immer in Viererturnieren) treffen sie nun auf Gegner, die an die Fußball-Bundesliga und den 1. FC Heidenheim erinnern: St. Pauli, Leipzig und OSG Baden-Baden.

Duell gegen St. Pauli ist möglich

Gespielt wird am 7./8. März und Sontheim gilt auf dieser Ebene natürlich als klarer Außenseiter, gehören zwei der möglichen Gegner doch der Bundesliga an. Baden-Baden ist auch deutscher Rekordmeister, bei St. Pauli spielt seit 2024 Magnus Carlsen. Der Norweger, der vor drei Jahren freiwillig auf die Verteidigung seines Weltmeistertitels verzichtete, gilt weiterhin als stärkster Spieler der Welt.

Auf eine Partie mit ihm dürfen die Sontheimer aber nicht hoffen, Carlsen ist nicht für den Pokalwettbewerb gemeldet. Überhaupt werden die Paarungen erst kurzfristig gelost, zudem sind die Teams in ihrer Aufstellung frei. Eine ausgiebige Vorbereitung auf den Gegner ist so nicht möglich. Auch der Austragungsort ist noch offen, der SK hat sich dafür beworben.

Pürckhauer holte den Einzelpokal

Sören Pürckhauer hat es der Pokalwettbewerb in diesem Jahr besonders angetan, auch im Einzel war er hier erfolgreich. Im württembergischen Finale setzte sich der Sontheimer gegen Thorsten Schrägle aus Tuttlingen durch und qualifizierte sich damit zum dritten Mal für den bundesweiten Dähne-Pokal.

Um das Bild abzurunden: Sontheims zweite Mannschaft liegt in der Landesliga Ostalb aussichtsreich auf Rang zwei, die „Dritte“ ist hier Fünfter. Sontheims U14-Vierermannschaft (Neil Albrecht, Ben Kaufmann, Elias Dörner und Yakup Gözübüyük) erreichte zum Jahreswechsel hinter SV Empor Berlin, SV Dresden-Striesen und SK Kehlheim den sensationellen vierten Rang unter 20 Teams. Und auch im Schulschach läuft es für die jungen SK-Mitglieder. So gewann die Grundschule Sontheim vor dem Margarete-Steiff-Gymnasium Giengen die Bezirksmeisterschaft Am 13. März treten die beiden Teams im Landesfinale an.