Barrierefreiheit

41 Jahre nach der Fertigstellung: Das Sontheimer Rathaus wird mit einem Aufzug nachgerüstet

Das Sontheimer Rathaus soll 41 Jahre nach seiner Fertigstellung um einen Fahrstuhl ergänzt werden. Dann erfüllt der bereits vorhandene Schacht seinen ursprünglichen Zweck und dient nicht mehr als Abstellraum.

Diskutiert wurde über dieses Thema im Gemeinderat bereits des Öfteren. Der demografische Wandel hat diese Entwicklung nun beschleunigt. Ihn beschäftige dieses Thema bereits seit seinem Amtsantritt, so Sontheims Bürgermeister Tobias Rief. Es komme immer wieder zu Situationen, in denen Menschen aufgrund körperlicher Einschränkungen Probleme mit den Treppen im Rathaus hätten. Man habe bereits eine Hochzeit vom Standesamt in das Schloss verlegen müssen, weil Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen seien, nicht das Trauzimmer hätten erreichen können, so Rief.

Das Gebäude sei ein zentraler Ort für die Einwohnerinnen und Einwohner, in dem die Erreichbarkeit auch des ersten und zweiten Stocks gewährleistet sein müsse, sagte der Bürgermeister. So befänden sich im ersten Obergeschoss neben dem Trauzimmer auch das Bauamt, das Hauptamt, die Sitzungssäle und das Büro des Bürgermeisters. Im zweiten Obergeschoss ist momentan das Integrationsmanagement untergebracht.

Drei Varianten in Sontheim erörtert

In der Verwaltung hat man sich in den vergangenen Monaten Gedanken darüber gemacht, wie sich Barrierefreiheit möglichst kostengünstig, aber auch praktikabel umsetzen lässt. Diskutiert wurden dabei ein Treppenlift und ein sogenannter Plattformlift. Dabei würde man einen „Fahrstuhlkorb“ inklusive des notwendigen Rahmens in das Geviert des jetzigen Treppenhauses einfügen. Beides wurde als nicht praktikabel erachtet. So benötige beispielsweise ein Treppenlift annähernd 15 Minuten, um von ganz unten nach ganz oben und wieder zurückzufahren.

Nach 41 Jahren soll der Fahrstuhlschacht in Sontheims Rathaus endlich seiner vorgesehenen Bestimmung entsprechend genutzt werden. Foto: René Rosin

Die dritte Möglichkeit ist der Einbau eines herkömmlichen Fahrstuhls, der allerdings einen Fahrstuhlschacht voraussetzt. Glücklicherweise wurde das Rathaus vor 41 Jahren genau mit einem solchen Schacht übergeben. Momentan wird dieser als Abstellraum benutzt, im ersten und zweiten Stock wurden zu diesem Zweck provisorische Zwischenböden eingezogen. Ein weiterer Vorteil des vorhandenen Schachts sei, dass er bis ins Untergeschoss führe, so Tobias Rief. „Somit verfügen wir über den unschlagbaren Vorteil, einen Standardfahrstuhl einbauen lassen zu können.“

Ein erstes – rein informelles – Angebot habe man sich bereits im Juli 2023 machen lassen. Dabei habe sich nach einer Schätzung ein Preis von etwa 68.000 Euro ergeben, teilt die Gemeindeverwaltung mit. Allerdings geht der Bürgermeister davon aus, dass dieser Preis bis zur tatsächlichen Ausschreibung der Installationsarbeiten sogar noch sinken könnte, „da die Baubranche momentan unter einem Auftragseinbruch leidet“. Die Einbauzeit würde ungefähr 16 Wochen betragen.

Pürckhauer: „Eine gesellschaftlich sinnvolle Investition“

Von Seiten der Gemeinderäte wurde das Vorhaben der Verwaltung begrüßt, auch wenn Gemeinderat Walter Unseld einen Treppenlift aus Kostengründen präferierte. Bernd Moser von der CDU hielt nichts von dieser Variante, das nehme nur „zu viel Platz“ weg. Wenn man schon einen Fahrstuhlschacht habe, solle man den vom Keller bis ganz oben auch nutzen, so der Fraktionschef.

Die Fraktionschefs der Freien Wählergemeinschaft und der SPD, Jonas Pürckhauer und Reiner Lindenmayer, schlossen sich dieser Auffassung an. Pürckhauer halte die notwendigen Ausgaben für überschaubar, so ein Fahrstuhl sei eine gesellschaftlich sinnvolle Investition. Reiner Lindenmayer erinnerte zudem daran, dass so ein Fahrstuhl auch ein wichtiges Arbeitsmittel für die Rathausangestellten sei. Er forderte die Verwaltung auf, im Rahmen der Ausschreibung unbedingt mehrere Angebote einzuholen.

Plattformlift nur unwesentlich günstiger

Die Kosten für einen Plattformlift hätten sich inklusive Installation auf etwa 48.000 Euro summiert. Dieser Variante standen bauliche Gründe entgegen: Der Lift hätte circa sechs Zentimeter in den Boden eingelassen und in jedem Stockwerk hätten neue Ausstiege installiert werden müssen. Was zusätzliche Kosten in Höhe von 5.000 Euro verursacht hätte. Außerdem erreicht man mit einem Plattformlift das Kellergeschoss nicht.

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