Neujahrsempfang

Polit-Prominenz spricht beim Neujahrsempfang in Sontheim/Brenz über Sorgen und Chancen

So viel Polit-Prominenz war lange nicht: Zum Neujahrsempfang am späten Samstagnachmittag kommen auch zwei Landespolitiker in die Sontheimer Gemeindehalle.

Bevor der Bürgermeister Ehrenamtliche und Blutspender für deren Engagement prämierte, präsentierte er auch 2026 zunächst ein paar Zahlen und Statistiken rund um Sontheim, die die Entwicklung der Gemeinde im zurückliegenden Jahr illustrierten (mehr dazu unten). Ebenso traditionell ist Riefs Ausritt in die große Politik. Allerdings ging es in diesem Jahr nicht um die internationalen Herausforderungen. Rief fokussierte auf ein Problem, das wohl die meisten seiner Amtskollegen in Deutschland umtreibt: die teils eklatante Kassenlage der Kommunen in Deutschland.

Die Kommunen sind finanziell gebeutelt

Bürgermeister Tobias Rief

„Die Kommunen sind finanziell gebeutelt“, es gehe ein Notschrei durch das Land, bilanzierte Rief. Die Hauptursache verortete er in den Ausgaben für den sozialen Bereich, hier würden die Kostensteigerungen in diesem Jahr bei etwa 15 Prozent liegen. Gleichzeitig gingen aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage die Einnahmen beispielsweise aus der Gewerbesteuer zurück. „Für Sontheim bedeutet das konkret: Wir fallen unter das Niveau der Coronazeit von etwa zwei Millionen Euro zurück, vermutlich auf 1,6 Millionen.“

Seitens der Kommunen fordere man deshalb „ganz offen eine Staatsreform. Die muss kommen!“ Denn man werde sehr wahrscheinlich nicht die Zeit haben, darauf warten zu können, bis sich die wirtschaftliche Lage für die Kommunen wieder bessere. Deswegen begrüße er, dass sich das Land dazu entschieden habe, einen großen Teil der Gelder für Infrastrukturmaßnahmen an die Kommunen weiterzureichen. „Aber das wird uns nicht helfen, das strukturelle Defizit, das größtenteils aus Bundesausgaben erwächst, in irgendeiner Form abzufangen.“

Rief wies darauf hin, dass das Handeln und die Möglichkeiten kommunaler Verwaltungen direkte Auswirkungen habe, „dass das Funktionieren der Demokratie an dem, was hier vor Ort gemacht wird, gemessen wird“. Allerdings müsse man auch seine eigenen Hausaufgaben erledigen. Wenn es heiße, dass der Staat über seine Verhältnisse gelebt habe, dann gelte das für alle Ebenen, auch die Kommunen selbst. Man werde sich einschränken und anstrengen müssen, ergänzte der Bürgermeister.

Wir sind ein kompakter Landkreis

Landrat Peter Polta

Landrat Peter Polta ging in seinem Grußwort darauf ein, wie wichtig ein „guter Draht“ zwischen Landratsamt und Gemeinden sei. Der Landkreis Heidenheim sei diesbezüglich gut aufgestellt, „wir sind ein kompakter Landkreis“. Man spreche miteinander und nicht übereinander. Als Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit erwähnte Polta den Bereich der Baugenehmigungsverfahren, hier explizit den Ablauf des Genehmigungsverfahrens beim Neubau des Sontheimer Feuerwehrgerätehauses.

Zugleich nahm er seine eigene Verwaltung in Schutz bezüglich der öffentlichen Kritik des Sontheimer Gemeinderates ob einiger abgelehnter Sontheimer Baugenehmigungen in den vergangenen Monaten durch die Genehmigungsbehörden im Landratsamt. Er halte seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu an, alle Ermessensspielräume im gesetzlichen Rahmen zu nutzen. „Wir sind da wirklich gut unterwegs“, so der Landrat.

Clara Resch, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis Heidenheim, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Ehrenamtes, also Menschen, „die ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch ihre Geduld in den Dienst der Gemeinschaft stellen“. Das Beispiel Sontheim zeige, wie stark eine Gemeinde sei, wenn sich viele Menschen ehrenamtlich einbrächten und Verantwortung füreinander übernähmen.

Andreas Stoch, Vorsitzender der SPD Baden-Württemberg und deren Spitzenkandidat für die Landtagswahl im März, bezeichnete Sontheim als „liebens- und lebenswerte Gemeinde“. Und angesichts der Nachrichten, die einen manchmal so erreichen würden, vergesse man zu oft, „dass es uns eigentlich ja doch ganz gut geht“. Ehrenamtliche und Blutspender würden sich engagieren, um Menschen zu helfen, die darauf angewiesen seien: „So etwas macht man nicht für sich selbst.“

Sontheim in Zahlen

Sontheim wuchs im vergangenen Jahr von 5898 auf 5921 Einwohner. Dabei lag die Zahl der Geburten mit 56 über der Zahl der Sterbefälle mit 52. Zudem überstieg die Zahl der Zuzüge mit 368 die der Wegzüge mit 349. Gesunken ist hingegen die Zahl der Eheschließungen von 41 im Jahr 2024 auf 37 im Jahr 2025.

In der nur etwa zur Hälfte gefüllten Sontheimer Gemeindehalle begrüßte Bürgermeister Tobias Rief auch zwei Mitglieder des baden-württembergischen Landtages und ehrte Blutspender und Ehrenamtliche für deren gesellschaftliches Engagement. René Rosin