Bürokratieabbau mit Pilotcharakter

Zusammenlegung der Standesämter Sontheim/Brenz, Niederstotzingen und Hermaringen ist abgeschlossen

Die Gründung eines gemeinsamen Standesamtsbezirkes durch die Gemeinden Sontheim, Niederstotzingen und Hermaringen könnte Pilotcharakter für die weitere interkommunale Zusammenarbeit haben.

Es war schon ein besonderes Aufgebot, das für den Mittwochnachmittag dieser Woche im großen Sitzungssaal des Sontheimer Rathauses bestellt war. Neben den drei Bürgermeistern waren auch die Hauptamtsleiter und Kämmerer sowie Beamtinnen und Beamte der jeweiligen Gemeindeverwaltungen gekommen, um einer besonderen Vermählung beizuwohnen.

Denn mit der offiziellen Übergabe der Ernennungsurkunden an die insgesamt 13 Standes- und Eheschließungsbeamtinnen und ‑beamten setzten die drei Gemeinden sozusagen den Schlusspunkt unter ein Vorhaben, das man wohl auch eine „Ehe zu dritt“ nennen könnte. Zum 1. Januar dieses Jahres verschmolzen die Standesämter von Sontheim, Niederstotzingen und Hermaringen zum gemeinsamen Standesamt „Unteres Brenztal“.

Dienstsitz in Sontheim

Das Vorhaben sei „schon etwas Besonderes“, so der Bürgermeister von Sontheim, Tobias Rief, in dessen Gemeinde sich auch der offizielle Dienstsitz des neuen Standesamtsbezirkes befindet. Das habe man spätestens in dem Moment gemerkt, als man sich die geplante Zusammenlegung von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigen lassen wollte: „So etwas macht halt doch nicht jeder. Und Übung hat man darin auch nicht.“

Die Schaffung des gemeinsamen Standesamtsbezirkes sei auch deshalb etwas Besonderes, weil sie zeige, „wie das untere Brenztal zusammengerückt“, so Rief. Man könne so notwendige und sinnvolle Dinge „zusammen angehen und zum Wohle aller bewältigen“. Und da die drei Gemeinden so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft seien, wie es Rief ausdrückte, könnte das Projekt Pilotcharakter für eine Vertiefung der Kooperation haben. „Wir haben ähnliche Themen und ähnliche Sorgen.“

Pilotcharakter für den weiteren Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit? Das offizielle Dienstsiegel des neuen Standesamtsbezirkes „Unteres Brenztal“. René Rosin

Rief resümierte, dass die technische und administrative Umsetzung der Vermählung der drei Standesamtsbezirke erfolgreich abgeschlossen sei: „Es läuft, es ist alles da, es ist alles genehmigt, wir haben Urkunden, Dienstsiegel und Stempel.“ In der Bürgerschaft der drei Gemeinden sei das Vorhaben bekannt und man habe zufrieden feststellen können: „Einen richtigen Übergangsschmerz gab es nicht. So etwas ist auch nicht ganz selbstverständlich.“

Sein Niederstotzinger Kollege Marcus Bremer pries die von Beginn an vorhandene Offenheit und Akzeptanz für die Zusammenlegung der drei Standesämter in den jeweiligen Rathäusern, „das hätte man auch anders erwarten können.“ Ein großer Vorteil des von den drei Gemeinden gewählten Konstruktes sei es, dass die Bürgerinnen und Bürger weiterhin direkt vor Ort in ihrer Gemeinde den Service eines Standesamtes in Anspruch nehmen können, so Bremer. Zugleich gebe es aber „in Summe mehr Flexibilität“.

Echter Gewinn für Hermaringen

Er sei besonders dankbar und erfreut darüber, dass die Zusammenlegung der Standesämter gelungen sei, sagte Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder. Denn gerade für eine so kleine Gemeinde wie die seine sei es heutzutage besonders schwer, fachlich qualifiziertes Personal rekrutieren zu können. „Wir hatten schon seit längerem Probleme dabei, Stellen zu besetzen und Vertretungen zu organisieren“, so Mailänder.

Wenn es nach Hermaringens Bürgermeister geht, dann muss die Schaffung des gemeinsamen Standesamtsbezirkes nicht das einzige Projekt im Rahmen einer vertieften interkommunalen Zusammenarbeit sein. Es gebe sehr viele Bereiche in den Gemeindeverwaltungen, bei denen sich ein ähnliches Vorgehen anböte, ohne dass sich damit Nachteile für die Bürgerschaft ergeben müssten. „Das macht uns alle stark“, sagte Mailänder.

Service bleibt gleich

Für die Bürgerinnen und Bürger in den drei Gemeinden ändert sich durch die Zusammenlegung der Standesamtsbezirke de facto fast nichts, die interkommunale Zusammenarbeit bezieht sich auf das sogenannte Back-Office. Allerdings können sich nun beispielsweise auch Paare aus Niederstotzingen und Hermaringen im Schloss Brenz in Sontheim das Ja-Wort geben.