Württemberger Ritter

So wurden 30 Jahre Rittergut Stetten gefeiert

Der Festabend zum Jubiläum „30 Jahre Rittergut Stetten“ war gleichzeitig der letzte offizielle Auftritt von Andreas Windmüller. Er gibt den Vorsitz bei den Württemberger Rittern nach 14 Jahren ab.

Warum heißt das Rittergut Stetten eigentlich so? Das liegt nicht etwa an den Württemberger Rittern, oder besser gesagt: nicht nur an den Württemberger Rittern. Sondern daran, dass der ganze Ort, den Graf Maldeghem im Jahr 1821 erworben hat, den Namen „Rittergut Stetten“ trug. Diese und andere Details aus der Geschichte des Stettener Kellers hatte Andreas Windmüller, der Vorsitzende des Vereins der Württemberger Ritter, bei der Feierstunde am vergangenen Donnerstagabend parat, die natürlich im Domizil des Vereins stattfand. Und das war ja auch der Grund für das Fest: Vor fast auf den Tag genau 30 Jahren, nämlich am 6. März 1996, hatte der Verein den Stettener Keller erworben.

Und der sah damals noch ganz anders aus. Tiefe Einblicke gewährte Windmüller in seiner Ansprache in die Historie, mit reichlich Bildmaterial gespickt, darunter sogar eine Postkarte aus dem Jahr 1898, eine Luftaufnahme von 1925 und eine des früheren Kegelbahnhäuschens aus Holz mit Reetdach. Windmüller streifte dabei auch all jene Gruppen, die vor den Rittern das einst als Sommerkeller der Schlossbrauerei Stetten angelegte Gelände mit Beschlag belegten: die Sonntagsspaziergänger, die in den Biergarten einkehrten, die Tanzbeinschwinger unter der Discokugel, die Ritter in Lederjacken auf ihren Motorrädern, die die Bierkrüge erst leerten und dann in zünftiger Schlägerei einsetzten, die 18 verschiedenen Pächter, die mit großen Ideen und viel Materialien einzogen und beim Auszug nur die großen Ideen mitnahmen. Gut so, denn die Materialien wurden alle von den Rittern verwendet, um die maroden Gebäude in langwieriger und mühevoller Eigenleistung wieder zu Glanz und Nutzung zu bringen.

Chor für den legendären Lonetalschmied Albrecht Hummel

„Ihr alle seid ein Teil des Ritterguts“, wandte sich Windmüller mit großem Dank an die Gäste im Saal, neben Vereinsmitgliedern allesamt Partner, Freunde, Unterstützer und Helfer, die auf Geheiß Windmüllers dem bei Kauf des Geländes amtierenden Vorsitzenden, dem legendären Lonetalschmied Albrecht Hummel, huldigten und dessen signifikante Antwort auf alle Skeptiker, „Aaaaawa!“, im Chor riefen. Zu den Unterstützern gehörte auch von Anfang an die Stadt Niederstotzingen samt Gemeinderat, von denen einige Vertreter mitfeierten.

Bürgermeister Marcus Bremer gab den Dank auch gleich zurück: Das Rittergut und die Württemberger Ritter seien aus der Stadt Niederstotzingen nicht mehr wegzudenken, schon gar nicht aus Stetten, denn ihr Beitrag für das öffentliche und gesellige Leben in der Stadt sei hoch einzuschätzen. Der Festabend war ein gutes Beispiel dafür: Locker und lässig war der Ablauf, und es kann gut sein, dass einige Festgäste noch bei Imbiss und reichlich „All voll“ – mittelalterlich für „Prost“ – und Klängen von Flöte, Gitarre, Gesang und der Schlüsselfiedel des Ensembles „Muoteshalp“ – mittelalterlich für „aus Spaß an der Freude“ – in eben diesem Sinne direkt in den Jubiläumstag hineinfeierten.

Für Andreas Windmüller war es übrigens der letzte offizielle Akt als Vorsitzender: Nach 14 Jahren in diesem Amt wollte das Gründungsmitglied der Württemberger Ritter den Stab weitergeben. Das unermüdliche Werkeln und Wirken werde aber uneingeschränkt weitergehen, sicherte er zu. Bei der Vereinsversammlung am auf den Festabend folgenden Wochenende wurde Doris Ribhegge, zuletzt die stellvertretende Vorsitzende, zu seiner Nachfolgerin gewählt. Damit steht erstmals eine Ritterin an der Spitze des Vereins.