Seit Anfang 2022 machen die Volkshochschulen aus Nattheim und Dischingen gemeinsame Sache. Neue Vorgaben des Volkshochschulverbands hatten den bis dahin eigenständigen Bildungseinrichtungen quasi keine andere Wahl gelassen. Die Kooperation musste sein – und ist inzwischen nicht mehr wegzudenken. Wie die beiden Leiterinnen der Volkshochschule, Sylvia Haas aus Nattheim mit 28 Wochenstunden und Stefanie Voitl aus Dischingen mit einem Stundenumfang von 20 Prozent, jetzt in der Sitzung des Nattheimer Gemeinderats berichteten, arbeitet man mittlerweile als eingespieltes Team. Gerade erst ist das neunte gemeinsame Programmheft erschienen.
„Die Kooperation bringt uns einen Mehrwert“, zeigte sich Haas überzeugt. Mehr als einen Mehrwert, um genau zu sein: So wird seit Bestehen der Zusammenarbeit der Volkshochschulen eine größere Zielgruppe erreicht, das Einzugsgebiet ist schlicht größer. Dadurch müssen laut Haas seltener Kurse abgesagt werden. Einerseits, weil sich mehr Menschen dafür anmelden und so die Mindestteilnehmerzahl häufiger erreicht wird, andererseits, weil durch die Kooperation auch räumliche Ausweichmöglichkeiten bestehen. So muss in einem aktuellen Fall der Dischinger Yoga-Kurs wegen einer Faschingsveranstaltung nicht etwa ausfallen – er wird ganz einfach nach Fleinheim verlegt. Haas ordnete ein: „Wir sind flexibler.“

Was verraten die Zahlen über den Erfolg der Kooperation?
Und darüber hinaus für Dozenten attraktiver. Als Beispiel nannte Sylvia Haas hier einen Nattheimer Englischkurs. Als man festgestellt habe, dass auch seitens der Dischinger großes Interesse an dem Angebot besteht, habe man kurzerhand auch eine Englischstunde in der Härtsfeldgemeinde organisiert. Der Dozent gibt jetzt also zwei Kurse, einen in Nattheim und einen in Dischingen, beide sind laut Haas gut besucht – und der Dozent verdiene entsprechend mehr.
Das Kursangebot hat also ebenfalls von der Kooperation profitiert. Laut Haas ist die Auswahl in Dischingen zuvor eher spärlich gewesen (Vortrag, Meditation, Yoga). Inzwischen seien von Tanz- über Kochkurse bis zu Betriebsbesichtigungen viele neue Angebote hinzugekommen. Auch anhand von Zahlen lässt sich das beziffern: 2019, dem letzten coronafreien Jahr vor der Kooperation der beiden Volkshochschulen, verzeichnete die Nattheimer Bildungseinrichtung 1847 Unterrichtseinheiten. 2025 lag der Wert bei 2565 Unterrichtseinheiten – 2031 davon in Nattheim, 534 in Dischingen. 2024, im Jahr der Heimattage auf dem Härtsfeld, waren es mit 2744 Unterrichtseinheiten (2207 in Nattheim, 537 in Dischingen) sogar noch mehr.
Hinzu kommen laut Haas der Vorteil der Urlaubs- und Krankheitsvertretung sowie die Bündelung von Verwaltungsaufgaben. Betrieben wird eine gemeinsame, cloudbasierte Datenbank, auf die sowohl aus Dischingen als auch aus Nattheim zugegriffen werden kann. Hier sehen die Volkshochschulleiterinnen und die Kursteilnehmer alles auf einen Blick.
Für Kurse im Ramensteinbad wird eine längere Anfahrt in Kauf genommen
Apropos Teilnehmer. Die kommen, wie Sylvia Haas berichtete, nicht ausschließlich aus Nattheim oder Dischingen. 2025 etwa sah die Verteilung so aus: Von den insgesamt 2842 Teilnehmern waren 1228 aus Nattheim und 419 aus Dischingen, 1195 waren Auswärtige. Groß- und Kleinkuchener sind laut Haas oft vertreten, außerdem bestehe Interesse im angrenzenden Bayern. Bei den Schwimmkursen im Ramensteinbad und bei Kulturveranstaltungen etwa nähmen die Teilnehmer oft auch eine längere Anfahrt in Kauf.
Der Gemeinderat hatte für die Arbeit der beiden Volkshochschulvertreterinnen nur Lob übrig. „Das ist eine gute Institution, die man am Leben erhalten muss“, sagte etwa Harald Trinkle (Unabhänige Wählervereinigung). Fraktionskollegin Carmen Steckbauer lobte das Engagement von Haas und Voitl. Die Kooperation sei super.
Die Besonderheiten im Jahr 2026
Für das erste Semester hat sich die Volkshochschule Nattheim-Dischingen einiges Neues vorgenommen. Dazu zählen aktuell etwa zwei Rehasport-Kurse, in fernerer Zukunft möglicherweise auch Reha-Kurse im Ramensteinbad. Außerdem sollen 2026 im Rahmen einer Kooperation mit dem Heidenheimer Landratsamt kostenlose Vorträge zum Thema Ernährung sowie Kochkurse angeboten werden.
Besonders beliebt in der Vergangenheit: Betriebsbesichtigungen. Im neuen Semester werden etwa das Deutz-Fahr-Werk in Lauingen (Traktoren) sowie das Amazon-Logistikzentrum in Oggenhausen besucht. Letztere Veranstaltung ist bereits wenige Tage nach Erscheinen des Programmhefts ausgebucht.
Abgerundet wird das Programm durch verschiedene Online-Kurse, die in Kooperation mit weiteren Volkshochschulen möglich sind. Die Themen hier sind so vielfältig wie die Orte, an denen die Dozenten in die Kamera sprechen: von künstlicher Intelligenz bis Kryptowährung, von einer Fortbildung fürs Schöffenamt bis zum Yogakurs, von SAP-Grundlagen bis zur Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland.

