Wie steht es im Jahr 2026 um die Finanzen der Gemeinde Nattheim? Mit dieser Frage beschäftigen sich Verwaltung und Gemeinderat spätestens seit der Haushaltseinbringung im November. Nach vielen öffentlich und nicht öffentlich geführten Diskussionen wurde der Etat für das noch junge Jahr jetzt verabschiedet. Nach den Haushaltsreden der beiden Fraktionsvorsitzenden – Wolfgang Bernhard für die Fraktion BWV-CDU und Carmen Steckbauer für die Unabhängige Wählervereinigung – votierte das Gremium einstimmig für die Umsetzung der gemeinsam gesteckten Ziele.
Positiv oder negativ? So blicken die Fraktionsvorsitzenden zurück
Wolfgang Bernhard hatte bereits in seiner Haushaltsrede 2025 über die schwierige finanzielle Entwicklung in der Gemeinde gesprochen. Diese habe sich leider so bestätigt. Positiv aus seiner Sicht: Bei der Grundsteuer habe man 2025 die richtigen Ansätze gewählt, sodass dieses Jahr keine nochmalige Erhöhung der Hebesätze nötig werde. Auch die Entscheidung, die Gemeindewerke ab 2026 wieder in den Gemeindehaushalt zu überführen, sei richtig gewesen. Die Kommunalarbeit werde vereinfacht, zudem hoffe man mittelfristig auf Synergieeffekte.
Carmen Steckbauer machte in ihrer Rede deutlich: „Auf das Jahr 2025 in unserer Gemeinde blicken wir zufrieden und positiv gestimmt zurück.“ Für die Freiwillige Feuerwehr sei ein neues Hilfsleistungsgruppenfahrzeug angeschafft worden, zur Verbesserung des Katastrophenschutzes habe man in mobile Notstromaggregate investiert. Darüber hinaus habe sich der Wasserverlust in der Gemeinde bei zehn Prozent eingependelt und sei damit weitaus weniger kritisch zu betrachten als früher. Auch den viel diskutierten und teurer als erwarteten Umbau des Fleinheimer Ortschaftsverwaltungsgebäudes habe man 2025 erfolgreich abschließen können.
Sicht der Fraktionen: Was hat 2026 für Nattheim zu bieten?
Aus Sicht der Fraktion BWV-CDU ist man den Haushalt für 2026 betreffend zu guten Ergebnissen gekommen. Nach wie vor, so Bernhard, bestehe aber der Wunsch, deutlich früher in die Beratungen einzusteigen. Mit den aktuell geplanten Einnahmen werde man in Nattheim noch einigermaßen klarkommen – im Gegensatz zu den vielen Kommunen in Baden-Württemberg, die keinen ausgeglichenen Haushalt mehr aufstellen können. Dennoch sei auch in Nattheim der Spielraum für zusätzliche Projekte eher gering.
Positiv aus Sicht der Fraktion: Auf Steuererhöhungen für Firmen und Privatleute habe man weiterhin größtenteils verzichten können. Dies sei der BWV-CDU wichtig. Da 2026 aber die Kreisumlage steigt, fehle der Gemeinde mehr Geld. Natürlich, so Bernhard, profitiere auch Nattheim von den mit der Kreisumlage umgesetzten Projekten (Neubau der Mülldeponie in Nattheim, Sanierung des Berufsschultentrums Heidenheim). Aber: „Damit sind einfach die Handlungsspielräume in der Gemeinde eingeschränkt.“
Wie bereits fürs Jahr 2025 beantragte die Fraktion für 2026 erneut die Ausarbeitung eines Förderprogramms zur innerörtlichen Entwicklung. Ebenso sei es wichtig, 2026 und 2027 neue Baugebiete zu erschließen, um weiterhin neue Einwohner für Nattheim gewinnen zu können. Wolfgang Bernhard: „Hier bitten wir die Verwaltung weiterhin, Umsetzungsmöglichkeiten zu beschleunigen und die angestoßenen Beratungen voranzubringen.“
In Anbetracht der Personalkosten von 6,2 Millionen Euro erhoffe man sich von der Verwaltung und der künftigen Führungsspitze mögliche Optimierungen. Weitere Kostensteigerungen in den nächsten Jahren gelte es zu vermeiden. Ebenfalls genau hinsehen sollte die Verwaltung aus Sicht der Fraktion bei der Umsetzung von Arbeiten im Bereich Glasfaserausbau. Der Kontrollbedarf sei hoch, um Nacharbeiten und Schäden an der Infrastruktur zu vermeiden. Gefordert sei darüber hinaus nach wie vor die Erstellung eines Energieberichts für alle öffentlichen Gebäude. Hier stimme die Einstellung eines Co-Ortsbaumeisters zuversichtlich.
„In Zeiten, wo überall von den finanziellen Engpässen auch in den Kommunen gesprochen und geschrieben wird, stehen wir, nach unserer Einschätzung, noch ganz gut da.“
Carmen Steckbauer, Unabhängige Wählervereinigung
Carmen Steckbauer ordnete die Situation in Nattheim folgendermaßen ein: „In Zeiten, wo überall von den finanziellen Engpässen auch in den Kommunen gesprochen und geschrieben wird, stehen wir, nach unserer Einschätzung, noch ganz gut da.“ Es sei aber damit zu rechnen, dass die liquiden Mittel von aktuell circa acht Millionen Euro bis Ende 2029 auf circa 550.000 Euro schrumpfen werden.
2026 gelte es, weiter in die Wasserversorgung zu investieren – etwa in die Sanierung der Steigleitung im Wasserturm (75.000 Euro), den Ersatz und die Wartung der Schieber (10.000 Euro) sowie die Ertüchtigung der Kohlhauquelle in Fleinheim. Aus diesen Gründen, so Steckbauer, halte man die beschlossene moderate Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren für notwendig. Die Grundsteuer hingegen habe man nicht anheben müssen – dies sei der sehr guten Arbeit in der Kämmerei zu verdanken.
Ebenfalls positive Auswirkungen erwarte sich die Fraktion durch den im Oktober eingestellten Co-Ortsbaumeister. Dadurch, so Steckbauer, könne man vermehrt Projekte in Eigenregie durchführen und die vom Gemeinderat geforderten Kontrollen und Prüfungen von Bauarbeiten besser koordinieren. Im Bereich der Straßensanierungen sorge ein Ampelsystem für eine Priorisierung. Dieses Jahr sei die Goethestraße an der Reihe.
Wie Steckbauer deutlich machte, steigen durch die Auflösung der Gemeindewerke, sprich deren Integration in den Haushalt der Gemeinde, und Tariferhöhungen die Personalkosten auf 6,2 Millionen Euro. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung steige dadurch: auf 872 Euro – „immer noch deutlich geringer als bei manch anderen Kommunen“.
Haushaltsreden für 2026: So könnte Nattheims Zukunft aussehen
Aus Sicht der Fraktion BWV-CDU sind 2026 intensive Diskussionen zu führen, was sich die Gemeinde in den Folgejahren noch leisten will und kann. Man hoffe nicht, dass in Nattheim – wie in anderen Gemeinden bereits geschehen – Freiwilligkeitsleistungen reduziert werden müssen. Dennoch möchte man auf eine solche Situation vorbereitet sein. Daher bekräftigte Wolfgang Bernhard den Antrag vom vergangenen Jahr und forderte von der Verwaltung eine Liste über alle Freiwilligkeitsleistungen, die die Gemeinde erbringt. Bei den Hallennutzungsgebühren müsse man zumindest überdenken, ob mögliche Kostensteigerungen an die jeweiligen Nutzer weitergegeben werden müssen.
Viel Zeit einnehmen werden 2026 die Beratungen zur Zukunft des Ramensteinbads. Die bisher prognostizierten Sanierungskosten in Höhe von vier Millionen Euro hätte man aus Sicht der Fraktion BWV-CDU irgendwie stemmen können. Die nun aufgerufenen zehn Millionen Euro und der zwischenzeitlich deutlich gestiegene Handlungsbedarf machten die Angelegenheit aber schwieriger. „Welche finanziellen Möglichkeiten wir uns beim Hallenbad leisten können, werden die weiteren Planberatungen für 2027 und 2028 zeigen müssen“, so Bernhard.
Auch die Unabhängige Wählervereinigung macht sich Gedanken über die Sanierung des Ramensteinbads – sie gehört aus Sicht der Fraktion zu den freiwilligen Aufgaben einer Gemeinde. „Mit einem jährlich steigenden Abmangel von aktuell mehr als 600.000 Euro ist es für unsere Auffassung ein gewisser Luxus, ein Schul- und Freizeitbad zu betreiben.“ Eine Komplettsanierung werde wohl zehn bis zwölf Millionen Euro kosten. Da brauche man finanzielle Hilfe vom Land – der Erhalt des Schwimmbads sowie die Suche nach Lösungen seien wichtig. Man erwarte eine Überprüfung der Machbarkeit in mehreren Etappen.
Im Hinblick auf die Kinderbetreuung sieht Steckbauer aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Ganztagesförderung eine weitere Erhöhung des Personals auf die Gemeinde zukommen. Inwieweit der Umbau des ehemaligen Lehrergebäudes im Leiteweg in Auernheim zur Ganztagesbetreuung beitragen könne, müsse die Zukunft zeigen.
Steckbauer: „Die Zeiten werden nicht einfacher, die Herausforderungen nicht geringer.“ Trotzdem gelte es, mutig und überlegt zu investieren, um den in Nattheim gewohnten Standard aufrechtzuerhalten und weiter vorantreiben zu können. „Schauen wir positiv und zuversichtlich in eine gemeinsame Zukunft.“
Zahlen zum Nattheimer Haushalt
Der Ergebnishaushalt kann 2026 nicht ausgeglichen werden. Am Ende steht ein Minus von rund 1,3 Millionen Euro. Um den Fehlbetrag auszugleichen, soll Geld aus der Rücklage entnommen werden. Auch der Finanzplan schließt 2026 mit einem Minus von rund 2,8 Millionen Euro ab. Gedeckt wird der Betrag durch die liquiden Mittel der Gemeinde. Geplant ist 2026 die Kreditaufnahme von einer Million Euro, für Tilgungen sind 600.000 Euro eingeplant. Der Schuldenstand entwickelt sich von knapp 5,2 Millionen Euro zum Ende des Jahres 2025 hin zu rund 5,7 Millionen Euro Ende 2026.
Insgesamt werden im Finanzhaushalt rund 5,7 Millionen Euro investiert. Dem gegenüber stehen Einnahmen, etwa durch Fördermittel, in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro. Worin wird investiert? Die größten Beträge fließen in die Sanierung der Goethstraße (1,1 Millionen Euro), die Sanierung Abwasserleitungen (500.000 Euro), den Einkauf von Grundstücken (500.000 Euro), die Sanierung/den Umbau des Gebäudes im Leiteweg (300.000 Euro), die Sanierungen der Turnhallen in Auernheim und Fleinheim (jeweils 250.000 Euro), die Sanierung des Rathauses (250.000) sowie den Hochwasser- und Katastrophenschutz (250.000 Euro).

