Ratgeber

Wunderbares Härtsfeld: Das hat der Herrschaftsweg bei Neresheim zu bieten

„Zeitspuren Herrschaftsweg“ ist ein Abschnitt des Albschäferwegs, der auf traumhaften Pfaden über das Härtsfeld führt. Mehr als 17 Kilometer und 360 Höhenmeter erwarten Naturliebhaber und Heimatliebende.

Der Albschäferweg rund um Heidenheim muss nicht als 160 Kilometer langer Weitwanderweg begangen werden. Er lässt sich auch in zehn ausgewiesenen Rundwegen erkunden, den sogenannten „Zeitspuren“. Die hier vorgestellte Tageswanderung „Zeitspur Herrschaftsweg“ führt von Neresheim über das Hofgut Hochstatt, den Härtsfeldsee und die Burg Katzenstein zurück zum Kloster Neresheim.

Knapp 17 Kilometer

Mit Herrschaft ist vor allem die Abtei Neresheim gemeint, deren einstige Besitzungen der Weg durchstreift. Die prächtige Abteikirche, ab 1750 nach Plänen des Würzburger Residenzbaumeisters Balthasar Neumann errichtet, grüßt von vielen Stellen der knapp 17 Kilometer langen Strecke herüber.

Im 18. Jahrhundert lebten rund 2500 Untertanen unter dem Regiment der Benediktiner-Reichsabtei. Ausgangspunkt ist der Bahnhofsparkplatz Neresheim – einst Haltestelle der Härtsfeldbahn, die von 1901 bis 1972 auf 55 Kilometern Aalen und Dillingen verband.

Die Route des Herrschaftswegs. Carmen Kurz

„Schättere“ dampft wieder

Engagierte Eisenbahnfreunde richteten die Strecke ab Neresheim wieder her. Seit 2001 schnaufen dort Museumsdampfzüge, seit 2021 sogar bis zum Bahnhof Katzenstein am Härtsfeldsee. Betriebstage stehen auf der Website. Wer möchte, fährt mit der „Schättere bis zum See und spart sich die halbe Wanderung.

Wer sich für den ganzen Weg entscheidet, überquert die B 466 und folgt dem gelben Kringel auf weißem Grund. Vorbei an Tennisplätzen säumt der Märchenpfad mit liebevollen Holzskulpturen den Einstieg. Eine Brücke spannt sich über die Egau, dann steigt der Weg hinauf ins Naturschutzgebiet Zwing, wo Schafgarbe die Wiesen weiß leuchten lässt.

Erst Abtei, dann Thurn & Taxis

Der Pfad taucht in eine Waldschlucht ein, flankiert von mächtigen Fichten. Rechter Hand liegt die Schauköhlerei Waldinger – zu ausgewählten Gelegenheiten lässt sich hier erleben, wie Holzkohle nach alter Handwerkstradition entsteht.

Diese Wälder gehörten einst zu den Besitzungen der Abtei, bis die französische Invasion um 1796 Süddeutschland durcheinanderwirbelte. General Jean Victor Moreau quartierte sich zeitweilig im Kloster ein. Als Folge der Kriegswirren hob man die Abtei 1802 auf. Ihr gesamter Besitz, darunter 4250 Hektar Wald, fiel an die Fürsten von Thurn und Taxis.

Ein Zwischenziel auf dem Herrschaftsweg ist der Härtsfeldsee kurz vor Dischingen. Bernhard Hampp

Vom Golfplatz zum See

Plötzlich liegen verräterische kleine Bälle auf dem Weg: Der Golf-Club Hochstatt Härtsfeld-Ries bespielt hier seinen 18-Loch-Meisterschaftsplatz mit Akademie. 2004 kaufte der Club die knapp 100 Hektar große Anlage vom Haus Thurn und Taxis und zieht seither Profis wie Amateure an.

Der Weg schwingt halb um den Platz herum – die Beschilderung verdient Aufmerksamkeit, denn er folgt nicht immer dem breitesten Pfad. Hinab geht es zum Härtsfeldsee, offiziell Hochwasserrückhaltebecken Egautal, angelegt 1972. Je nach Jahreszeit locken ein Bad, ein kühles Getränk am Kiosk oder einfach die stille Natur.

Museum würdigt die Katze

Der anschließende Anstieg zieht sich an Schafweiden und Waldrand entlang, bis die trutzigen Mauern der Burg Katzenstein auftauchen. Hier hatten über die Jahrhunderte andere Herrschaften das Sagen: Urkunden von 1099 erwähnen einen Odelrich de Cazzenstein, später residierte der Edelmann Rudolf II. von Hürnheim-Rauhaus, ab 1354 die Grafen von Oettingen. Nach vielen Besitzerwechseln zog 1998 die Familie Nomidis-Walter aus Lippach ein.

Die Burg ist stilvoll mit Rüstungen, Schwertern und Armbrüsten ausgestattet und beherbergt ein kleines Katzen-Devotionalienmuseum. Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit.

Höhepunkt zum Schluss

Kurz dahinter erstreckt sich am Hang der Q-Hof, ein Milchviehhof mit Café, das am Wochenende öffnet. Durch ein XXL-Panoramafenster lassen sich bei Kaffee und Kuchen die Tiere beobachten. Nun folgt der landschaftlich schönste Abschnitt: Verzauberte Waldpfade führen dem kulturellen Höhepunkt entgegen, den Glocken schon von Weitem ankündigen – das Kloster Neresheim. 1920 zogen erneut Benediktinermönche ein, auch wenn die Gemeinschaft zuletzt stark geschrumpft ist. Ein Blick in die Barockkirche mit dem weltgrößten Deckenfresko ist Pflichtprogramm, ehe der Weg den Ulrichsberg hinab wieder zum Ausgangspunkt gelangt.

Die Zahlen und Fakten

Weglänge: 17 km

Gehzeit: 5 Stunden

Höhenmeter: 360

Beschilderung: Gelber Kringel auf weißem Grund. Sorgfältig in beide Richtungen beschildert.

Parken: Bahnhof Neresheim 

ÖPNV: Busverbindungen nach Neresheim von Aalen, Bopfingen und Heidenheim

Tipp für Familien: Der Weg führt direkt am Härtsfeldsee vorbei. Unbedingt Badesachen mitnehmen! Hier gibt‘'’s auch einen Spielplatz. Auf www.burgkatzenstein.de die Öffnungszeiten für Burg Katzenstein checken.

Einkehr: Gasthof zum Alten Bahnhof Neresheim, Dischinger Str. 11, Montag Ruhetag, Tel. 07326 / 4370148

Kiosk am Härtsfeldsee, www.kiosk-am-haertsfeldsee.de, Burgschänke „Zum Marstall“ auf Burg Katzenstein, Burgeintritt muss bezahlt werden, Q-Hof Raunecker: www.q-hof-raunecker.de