Besonderheit des Konzerns

Warum Zeiss keine Aktionäre hat – und trotzdem Weltmarktführer ist

Seit dem Jahr 2007 hat die Zeiss-Stiftung mehr als 700 Millionen in etwa 1100 Projekte gesteckt. Ein Zeichen, dass dieser Konzern anders geführt wird, als ähnliche Marken. Woher dieser Ansatz für die Zukunft kommt:

Wer verstehen will, wie einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region wirklich tickt, muss zurückblättern: weg von den modernen Werkhallen in Oberkochen, zurück ins späte 19. Jahrhundert. Denn dort liegt der Ursprung einer Konstruktion, die bis heute wie ein Fremdkörper im modernen Kapitalismus wirkt – ein Hightech-Konzern von Weltgeltung, der komplett einer Stiftung gehört. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Carl-Zeiss-Stiftung dieser Tage angekündigt hat, 14 Millionen Euro für neue Firmengründungen aus der Wissenschaft bereitzustellen.

Wissenschaftler, die aus einer Laboridee ein Start-up machen wollen, können künftig zwischen 400.000 und 600.000 Euro bei der Stiftung beantragen – ganzjährig und ohne starre Fristen. Das Ziel: Erfindungen sollen schneller zur Marktreife gelangen, sei es in der Künstlichen Intelligenz oder der Werkstofftechnik. „Wissenschaftliche Erkenntnisse sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie verbreitet und genutzt werden“, begründet Geschäftsführer Felix Streiter den Schritt. „Wir wollen mutigen Forschenden Freiräume bieten und sie auf dem Weg zur Gründung unterstützen.“