Die einen gehen mit einem IT-Startup an den Markt, andere wagen den Schritt in die Gastronomie, Ivan Zimmermann hingegen macht etwas ganz anderes: Er hat sich als Trennungsberater selbstständig gemacht. Vergangenes Jahr hat er sein Unternehmen „Familykoncept“ gegründet. Idee, Logo, Homepage, erste Kunden: Vieles lief parallel, bis letztlich die Kleingewerbeanmeldung den Schritt offiziell besiegelte.
Eine ungewöhnliche Idee, die aber ordentlich Substanz hat. Denn Ivan Zimmermann, gebürtig aus Kasachstan, aufgewachsen in Giengen und nun in Landshausen zu Hause, brennt für dieses Thema. Er brennt dafür, Menschen zu helfen, sie im Trennungs-Chaos zu begleiten, gute und faire Lösungen für alle Beteiligten zu finden – vor allem für die Kinder.
Er sagt: „Ich will Klarheit schaffen, Eskalationen reduzieren und das Kindeswohl in den Mittelpunkt rücken.“ Dabei ist er weder Fachanwalt, noch Psychologe – sein Wissen hat er sich angeeignet, das Konzept hat er sich in Eigenregie erarbeitet, Expertise sammelte er im Bekanntenkreis und mit ersten Kunden. Er bildet sich fort und will nicht stehen bleiben. Es sieht den Bedarf und die Bedürftigkeit bei dieser Thematik und sagt: „Das ist einfach mein Thema geworden.“
Gesetze, Urteile, Psychologie: Ivan Zimmermann ist Experte
Und das hat einen Grund. Er selbst hat vor Jahren eine bittere Trennung erlebt. Mit Sorgerechtsstreit, finanziellen Unwägbarkeiten und Schmerz. „Eine Scheidung ist pures Chaos. Wenn dann noch die emotionale Komponente hinzukommt, kann einem schnell alles über den Kopf wachsen“, sagt der 38-Jährige. Er selbst hätte sich damals einen Berater gewünscht, jemanden, den er um Rat fragen kann, jemanden, der sich auskennt und sich kümmert. „Ich habe auch gesucht, aber niemanden gefunden“, sagt er.
Privat kam er in Austausch mit Menschen, die vor einer Trennung stehen. Er begann, seine Erfahrung zu teilen, und so keimte die Idee, sich damit selbstständig zu machen. Schließlich hat er Gesetzesbücher gewälzt, Familienurteile gelesen, Unterhaltstabellen studiert und sich erste Kenntnisse in Psychologie angeeignet. „Ich habe bereits Fortbildungen gemacht, da steht aber in Zukunft noch einiges auf dem Plan“, sagt der Familienvater.
Ob Männer oder Frauen: Alle Konstellationen sind Zielgruppe
Ivan Zimmermann will Männern und Frauen helfen und schließt keine Familienkonstellation aus. „Im Prinzip bin ich da offen für alles, wichtig ist, dass wir zusammen eine gute Lösung finden.“ Um Rosenkrieg oder Profitmaximierung geht es ihm nicht, das will er klarstellen: „Mich leiten moralische Werte und ich will den Menschen aufzeigen, dass sie für sich einen Weg finden können, ohne dass ein Richter über die Köpfe der Beteiligten entscheiden muss.“
Der 38-Jährige versucht in Gesprächen, die Situation zu analysieren, rechnet für seine Kunden Szenarien durch, berät in Sorgerechtsangelegenheiten und hat ein offenes Ohr. „Ja, manchmal fühlt sich das auch wie eine Therapiestunde an, aber das ist okay“, sagt er. Mitunter vermittelt er weiter an Fachpersonal. Er hat Kontakte und baut sein Netzwerk immer weiter aus.
Der Trennungsberater kommuniziert auch politische Forderungen
Ivan Zimmermann kennt die vielen und teils hartnäckigen Narrative rund um Trennung und Scheidung. Böser Ehemann, gierige Ehefrau, Lügen, um die Kinder gegeneinander auszuspielen – doch schlussendlich sagt er eins: „Wir als Erwachsene sollten in der Lage sein, die Dinge auch nach einer Trennung gut zu regeln. Das sind wir unseren Kindern schuldig.“
Scheidung sei ein Armutsrisiko – für Frau und Mann, sagt er. Unterhaltsansprüche, steigende Lebenshaltungskosten: „Das kann einen wirklich an den Rand drücken“, weiß Ivan Zimmermann. Er fordert deshalb auch eine politische Debatte über Unterhaltstabellen und dergleichen: „Das passt alles nicht mehr in unsere heutige Welt und darüber sollte die Politik wirklich mal sprechen.“ Einen Diskurs anstoßen, das wäre ein Ziel. Vielleicht, sagt er, komme ja was in Bewegung.
Ivan Zimmermann hat heute eine neue Familie. Er kann sich auch gut vorstellen, wieder zu heiraten. Trotz oder gerade wegen seiner tiefgreifenden Erfahrung.

