Tiere und Krankheiten

Deutlich mehr FSME-Fälle im Land: Ansteckung nicht nur über Zeckenstiche möglich

Die blutsaugenden Milben sind vor allem im Sommer aktiv. Doch auch in den Wintermonaten ist man nicht sicher.

Unliebsames Ende eines Spaziergangs, einer Wanderung oder der Gartenarbeit: Eine Zecke hat sich festgesetzt, ihren Stechrüssel durch die Haut gebohrt – und im schlimmsten Fall Krankheitserreger hinterlassen.

Die wohl bekannteste Krankheit, die die blutsaugenden Parasiten übertragen, ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Im vergangenen Jahr wurden dem Landesgesundheitsamt in Stuttgart 225 Fälle aus Baden-Württemberg übermittelt. Das waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums deutlich mehr als im Vorjahr, als der Behörde 129 Erkrankungen gemeldet wurden. 

Zum Vergleich: Die bislang höchste Fallzahl von FSME-Erkrankungen im Südwesten wurde demnach 2020 mit 342 Fällen registriert. Während der Corona-Pandemie damals waren viele Menschen in der Natur unterwegs. Die Zahl der registrierten Diagnosen hängt allerdings unter anderem davon ab, ob Ärzte und Ärztinnen Blut womöglicher Infizierter auf FSME untersuchen lassen. 

«Entsprechend der Aktivität der übertragenden Zecken werden FSME-Erkrankungen hauptsächlich vom Frühjahr bis in den Spätherbst übermittelt», erklärte das Ministerium dazu. Aufgrund der teils milden Temperaturen in der Vergangenheit sind Zecken allerdings das ganze Jahr über aktiv. Daher muss man auch in den Wintermonaten mit einer Infektion rechnen.

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Gesundheit

Körper nach Zecken absuchen

Als Vorsichtsmaßnahme sollten Menschen geschlossene Kleidung tragen – also zum Beispiel die Hosenbeine in die Socken stecken. Das bietet aber ebenso wenig absolut sicheren Schutz wie etwa insektenabwehrende Sprays. 

Nach einem Ausflug in die Natur oder Arbeit im Garten sollte man sich daher am ganzen Körper sorgfältig untersuchen. Zecken setzen sich bevorzugt an feuchtwarmen Körperstellen wie der Kniekehle, der Leistengegend oder Achselhöhle fest. Die Milben verankern sich mit Widerhaken am Mundwerkzeug.

Sie sollten schnellstmöglich entfernt werden, denn die Dauer des Stichs kann sich auf die Übertragung von Krankheitserregern auswirken. Beim Entfernen der Tiere können zum Beispiel eine sehr feine Pinzette oder eine sogenannte Zeckenkarte helfen. Damit wird die Zecke vorn an den Mundwerkzeugen gefasst und langsam nach oben herausgezogen. 

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Recherche

Impfung regelmäßig auffrischen

Den besten Schutz gegen FSME bieten Schutzimpfungen. Die gibt es für Kinder und Erwachsene. Das Ministerium empfiehlt, in der kalten Jahreszeit mit der Grundimmunisierung zu beginnen, damit zu Beginn der Zeckenzeit ein Immunschutz besteht. Dafür sind drei Impfstoffdosen nötig. Um die Wirkung aufrechtzuerhalten, muss man die Impfung laut Robert Koch-Institut (RKI) alle fünf Jahre auffrischen, Über-60-Jährige im Abstand von drei Jahren.

Baden-Württemberg gilt mit Ausnahme des Stadtkreises Heilbronn als FSME-Risikogebiet. Die FSME ist eine Virus-Erkrankung, die nach Angaben des Ministeriums bei etwa einem Drittel der Infizierten grippeartige Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auslöst. Bei fünf bis zehn Prozent aller Infektionen treten nach einem zunächst symptomfreien Verlauf Hirnhaut- und Gehirn-Entzündungen auf. Vor allem bei älteren Menschen könnten diese bleibende Schäden hinterlassen. Eine Behandlungsmöglichkeit gebe es nicht.

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Gesundheitliche Gefahren

Obacht bei Rohmilch und Frischkäse

Infizieren kann sich auch, wer Rohmilch infizierter Tiere trinkt beziehungsweise Rohmilchprodukte isst. Ziegen, Kühe und Schafe können das Virus über Tage ausscheiden, wie das Ministerium erklärte. Vor allem bei Ziegen werde es in relativ großen Mengen in die Milch abgegeben und sei auch in daraus hergestelltem Frischkäse zu finden. Das RKI empfiehlt, keine nicht pasteurisierte Milch und Milchprodukte von Tieren aus FSME-Gebieten zu verzehren.

«Die Anzahl übermittelter FSME-Erkrankungen unterliegt seit Einführung der Meldepflicht stärkeren Schwankungen», schrieb das Ministerium. Das liege an klimatischen und ökologischen Faktoren, die die Aktivität der Zecken, aber auch die Populationsgrößen der Wirtstiere wie Mäuse beeinflussten. 

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Erste Krankheitszeichen sind hierbei eine schmerzlose Hautrötung, die manchmal erst bis zu zehn Wochen nach dem Zeckenstich auftritt und sich ringförmig ausbreitet. Verbreitet sich der Erreger über das Blut, sind grippeähnliche Symptome wie Fieber und Schweißausbrüche möglich. Gelenkentzündungen, Muskelschmerzen und Herzrhythmusstörungen können folgen. In weniger als fünf Prozent der Fälle wird dem Ministerium zufolge das Nervensystem befallen. Dann können sich Nerven und Hirnhaut entzünden.

Gegen die Borreliose gibt es bisher in Deutschland keinen Impfstoff. Die bakterielle Erkrankung könne aber mit Antibiotika wirksam behandelt werden.