Spenden für Hilfsgüter

Flutkatastrophe in Nepal: Wie von Ostwürttemberg aus Hilfe für die betroffenen Regionen organisiert wird

Täglich steht Petra Pachner derzeit in Kontakt mit Menschen in Nepal. Sie sagt: „Wir können nicht ermessen, welche Schicksale hinter dieser Katastrophe stehen“. Von Ostwürttemberg aus organisiert sie seit Jahren mit dem Verein „Hilfe für Nepal Ostwürttemberg“ langfristige Projekte und akute Hilfsaktionen. Was sie über die Lage vor Ort sagt:

Gerade eine Woche ist es her, dass die verheerende Sturzflut in Nepal niederging und Dörfer, Brücken und Straßen mit sich riss. Mehr als 1000 Menschen starben, Tausende werden vermisst. Petra Pachner sitzt seither bis spät nachts am Schreibtisch. Telefoniert, schreibt E-Mails, erstellt Share-Pics für Social Media. Pachner, ihr Mann Herwig Jantschik und der aus Nepal stammende Pawan Dhakal arbeiten seit Jahren zusammen im Verein Zukunft für Nepal Ostwürttemberg.

Und obwohl der Verein seinen Sitz in Aalen hat, ist er vielen HZ-Lesern ein Begriff. Denn seine Projekte waren immer auch eng mit Heidenheim, der Firma Voith und der DBHW verbunden. Das größte Vorhaben: eine Ausbildungswerkstatt in den Bergen westlich der Hauptstadt Kathmandu. Der frühere Voith-Mitarbeiter Jantschik und seine Frau Pachner, die als Lehrbeauftragte an der DHBW Heidenheim tätig ist, errichteten mit einer nepalesischen Stiftung und vielen Unterstützern diese Bildungsstätte. Sie wurde 2022 eingeweiht. Bis heute lernen die Azubis dort an ehemaligen Voith-Maschinen, die von Heidenheimer Voith-Azubis in Nepal aufgebaut wurden. Und: HZ-Leser steuerten mehr als 30.000 Euro an Spenden über die HZ-Aktion „Unsere Hilfe zählt“ bei. Seit vergangener Woche aber dreht sich im Verein alles um die Flutkatastrophe.

Hilfe aus Heidenheim schon 2015: Nach dem großen Erdbeben packten Voith-Azubis Pakete mit Hartmann-Produkten für Hilfslieferungen nach Nepal. Archiv/Voith

„Vor Ort herrscht die pure Angst“, sagt Pachner. Täglich steht sie in Kontakt mit Menschen in Nepal. An ihrer Schule wurden über die Jahre etwa 150 Wasserkraft-Servicetechniker ausgebildet. In dem von der Flut betroffenen Tal sind jüngst zwölf neue Wasserkraftwerke entstanden bzw. werden gebaut. Zwar weiß Pachner nicht, wie viele ihrer ehemaligen Schüler dort tätig waren. Doch dass welche dort gearbeitet haben, da ist sie sich sicher. „Wir haben ihnen immer gesagt: ‚Bleibt im Land, geht nicht ins Ausland, Nepal braucht euch hier.‘“

Und nun? Die Bilder aus dem Katastrophengebiet zeigen, dass immer noch Menschen in den Stollen der Wasserkraftwerke vermutet werden, die sich in diese Tunnel retten wollten. „Wir können hier nicht ermessen, welche Schicksale hinter dieser Katastrophe stehen“, sagt Pachner. Und sie sagt: „Die Auswirkungen dieser Flut wird man auf Jahre in Nepal spüren. Das wirft das Land in seiner wirtschaftlichen Entwicklung voll zurück.“

Das Langtang-Khola-Wasserkraftwerk ist eines der Projekte in dem von der Flut betroffenen Tal des Trishuli-Flusses. stock.adobe.com/boyloso

Warum? Pachner erklärt: In den vergangenen Jahren sei viel im Land investiert worden. Gerade die Wasserkraft habe es unabhängiger gemacht und Geld für die Staatskasse gebracht. Hinzu komme die neue Regierung, die seit März im Amt ist und der Pachner viel Gutes zutraut. „Und jetzt diese Katastrophe.“ Pachner befürchtet, das ist nur der Anfang. „Der Klimawandel trifft Nepal mit voller Wucht“, sagt sie. Man merke das seit Jahren am Monsun, der zur falschen Zeit, zu stark oder zu schwach komme, die Ernten ruiniere oder mindestens gefährde. „Gletscherschmelzen und Fluten werden künftig viele andere Täler bedrohen. Und welcher Investor baut angesichts dieses gestiegenen Risikos neue, millionenteure Anlagen?“, fragt sie.

Petra Pachner, die Vorsitzende des Vereins „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg“ im Gespräch mit Amtsrägern, darunter einem Minister, in Nepal. Zukunft für Nepal Ostwürttemberg

All das kann sie nicht ändern, das weiß Pachner. Was sie tun kann, ist, Hilfe zu organisieren. Wie vor elf Jahren, als ein schweres Erdbeben Teile des Landes verwüstete. Schon damals organisierte sie Hilfsgüter und Transporte. Durch die Schule sind Pachner, Jantschik und Dhakal heute noch besser im ganzen Land vernetzt, denn die Schüler kommen aus einem großen Einzugsgebiet. Auch gibt es inzwischen verlässliche Kontakte zur Verwaltung, auch zu den neuen Amtsträgern. In die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen derzeit zwar nur Hubschrauber.

Die Regierung hat alle verfügbaren Maschinen, auch private, zu Einsätzen in der Fluthilfe verpflichtet. Doch es gibt auch Dörfer, die noch per Lkw anzufahren sind. Zum einen will der Verein eigene Hilfstransporte in erreichbare Dörfer organisieren. Dorthin, wo es Kontaktpersonen gibt, die die Verteilung organisieren. Auch will Pawan Dhakal baldmöglichst hinreisen, um vor Ort zu koordinieren. Zum anderen stehe der Verein in Kontakt mit der Regierung, um Hilfsgüter zu beschaffen, die dann mit den Regierungs-Helis in die Bergdörfer geflogen werden. Kurzfristig ruft der Verein daher zu Spenden für genau diese Zwecke auf.

Spenden: So geht's

Das Spendenkonto des Vereins sowie viele weitere Informationen sind zu finden unter www.zukunft-fuer-nepal.de

Bei einer Spende das Stichwort „Fluthilfe“ sowie Namen und Adresse angeben, damit das Geld zweckgebunden eingesetzt wird und eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden kann. Spenden sind auch möglich per Paypal oder per Betterplace.