„Phönixfeuer“ – so heißt das erste Buch, das Pia Legner aus Bartholomä geschrieben hat. Auf dem tiefroten Buchdeckel prangt ein etwas weniger roter Phönix, eingegrenzt durch goldene Wolken und den in geschwungenen, goldenen Buchstaben gesetzten Titel. Auf der Seitenkante des Buchs ist das Abbild einer von Flammen verzehrten Feder zu sehen.
All das klingt auffällig, fast sogar effekthascherisch, und doch würde Legners Buch im Regal einer großen Buchhandlung nicht auffallen. Denn es gibt immer mehr Werke in der Kategorie Romantasy, zu der auch die Bücher der 38-Jährigen aus Bartholomä gehören. Aufwendig gestaltet sind nicht alle, aber viele von ihnen. Was wirklich alle eint, ist das Setting in einer fremden, erdachten Welt und die Haupthandlung, die nie ohne eine Liebesgeschichte auskommt. Daher auch der Name, der Fantasy und Romance mischt.
Legner beschreibt den Inhalt ihrer Bücher, insgesamt sind bereits zwei erschienen, noch etwas präziser als „High Romantasy“, in Anlehnung an die Kategorie High Fantasy, der einige besonders tiefgründige und bekannte Buchreihen wie „Der Herr der Ringe“ oder „Das Lied von Eis und Feuer“ zugerechnet werden. „Bei meinen Büchern haben wir auch eine epische Welt und einen großen Fantasy-Handlungsstrang, aber es bleibt Romantasy, weil ohne die romantische Beziehung der Protagonisten die Haupthandlung so nicht entstehen würde.“
Schon immer eine Geschichtenerzählerin
Bücher dieser Art sind in Mode, sie verkaufen sich online und im Buchhandel tausendfach und landen immer öfter auf Bestsellerlisten. Ein triftiger Grund, jetzt mit dem Schreiben solcher Romane anzufangen? Für Legner zumindest war das nicht die Motivation. Sie erzählt, dass sie die Idee für ihre in drei Bänden zu erzählende Geschichte schon seit Jahren mit sich herumträgt. Den Hang zum Geschichtenerzählen hat sie schon seit der Grundschulzeit in Stuttgart.
Damals war Legner selten ohne ein Buch zu sehen, las in jeder Pause und unterbrach dieses Verhalten nur, um ihren Mitschülern selbst ausgedachte Geschichten zu erzählen. Später studierte sie Medien und Kommunikation und arbeitet heute als Referentin für Marketingkommunikation. Während der ganzen Zeit hatte sie den Wunsch, selbst einen Roman zu schreiben, „aber ich habe das immer weggeschoben, weil ich dachte, dass ich nicht gut genug bin“, so Legner. Frühe Versuche landeten allesamt im Papierkorb.
Straffer Zeitplan für die Veröffentlichung
Das änderte sich erst mit der Geburt von Legners Tochter: Sie musste im Beruf kürzertreten und hatte auch wieder etwas mehr Zeit zum Lesen. Schließlich habe sie sich mit dem Gedanken „Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie“ zum Schreiben durchgerungen. „Dann fing ich an, diese Geschichte, die mich schon seit Jahren begleitet, aufzuschreiben“, sagt die 38‑Jährige. Als sie sich dann auch noch traute, das Manuskript beim kleinen, auf Fantasy-Literatur spezialisierten Isegrim-Verlag einzureichen, wurde sie mit einer positiven Rückmeldung belohnt.
Ein Vertreter des Verlags habe dann auch gleich gefragt, wie es um die anderen zwei Bände der von Legner geplanten Trilogie stehe. Glücklicherweise hatte diese bereits mit dem Schreiben des zweiten Buchs begonnen, denn für die Veröffentlichung schlägt der Verlag halbjährige Abstände vor, mehr könne man den Lesern nicht zumuten. Ein straffer Zeitplan für jemanden wie Legner, die zwischen Arbeits- und Familienleben nur abends auf dem Sofa oder an freien Tagen Zeit zum Schreiben findet.

Was ihr an Zeit fehlt, macht sie jedoch an Motivation wett. „Fantasy hat mich schon immer begleitet“, sagt Legner. Die Werke, die sie außerhalb des Genres gelesen habe, könne sie fast an zwei Händen abzählen. Denn nur durch das Abtauchen in eine ganz andere Welt könne man den großen und alltäglichen Problemen der eigenen Welt entfliehen, wenn auch nur auf Zeit. „Aber das ist trotzdem wie ein Luftholen, wie ein Durchatmen.“ Ihre Leidenschaft spezifisch für Romantasy erwachte erst später, als sie die inzwischen sehr bekannte Reihe „Das Reich der sieben Höfe“ von Sarah J. Maas las.
Der Macht einer guten Liebesgeschichte mit Happy End habe sie sich, wie viele andere Frauen auch, nicht entziehen können. In Romantasy-Romanen bekommt solches Material viel Platz, und es folgt in der Ausgestaltung meist bestimmten Konventionen, den sogenannten Tropes. Sehr beliebt ist laut Legner zum Beispiel „enemies to lovers“, also Charaktere, die zueinanderfinden, obwohl sie eigentlich verfeindet sind. Anhand solcher Begriffe sucht dann auch die verhältnismäßig junge und weibliche Leserschaft online nach dem nächsten Buch.
Kann man sich also über den Einbau von den richtigen Themen für eine größere Leserschaft qualifizieren? Zumindest bei Legner war das nicht die Zielsetzung. „Als ich angefangen habe zu schreiben, hatte ich mich mit den Bereichen von Social Media, in denen es um Bücher geht, noch gar nicht beschäftigt.“ Erst als ihr erstes Buch kurz vor der Veröffentlichung stand, habe sie erkannt, dass sie auch Marketing auf Plattformen wie Instagram und Tiktok dafür machen müsse. „Da habe ich erkannt, dass meine Bücher auch Tropes haben, aber ich habe die nicht bewusst ausgewählt“, sagt Legner lachend.
Online-Reichweite ist entscheidend
Der Inhalt allein ist laut der 38-Jährigen aber gar nicht mehr der entscheidende Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg eines Buchs. Immer mehr laufe heute über Reichweite und Sichtbarkeit des Autors. Wenn man keine schillernde Persönlichkeit sei oder nicht schon aus anderen Lebensbereichen ein großes Following habe, gehe man schnell unter. „Gerade auf Social Media zählt: Wer ist der Autor? Was macht ihn besonders? Welche Werte vertritt er?“, sagt Legner. Das sei für sie zeitweise frustrierend, denn sie könne und wolle nicht viel von ihrem Privatleben erzählen, vor allem nicht dort, wo ihr Familienleben berührt werden würde.
Autoren ohne diese Limitierungen und mit einem Händchen für Social Media, die dort Zehntausende Follower ansammeln, würden es meist ohne Probleme in eine Bestsellerliste und somit in den Mainstream schaffen. „Früher hätte kein Debütautor in der ersten Woche direkt die Spiegel-Bestsellerliste knacken können“, sagt Legner. Natürlich seien solche Bücher oft auch gut, aber das sei eben nicht mehr der entscheidende Faktor.
Trotz dieser Lage will Legner als Autorin weitermachen. „Das Schreiben hat mich jetzt wirklich gepackt“, sagt sie, „ich merke, dass es eine Leidenschaft geworden ist, die jetzt nicht so einfach wieder weggeht.“ Sie habe noch einige Ideen im Kopf, eine davon sei auch schon beim Verlag, sodass Anfang 2027 das erste Buch einer neuen zweiteiligen Reihe erscheinen solle. Der Inhalt: Ein neues Setting, das sie noch nicht verraten will, das aber auf jeden Fall wieder eine ebenso romantische wie fantastische Handlung hat.
Trilogie findet noch dieses Jahr ihren Abschluss
Von Pia Legner sind unter dem Pseudonym Pia L. Sorrel bis jetzt „Phonixfeuer“ und „Phönixasche“ im Isegrim-Verlag erschienen. Am 22. Oktober 2026 folgt dann der Abschluss der Trilogie unter dem Titel „Phönixglut“.

