Ein großer Kreisel – oder doch nicht?

B19: Darum verzögert sich der Umbau der Anschlussstelle Oberkochen-Süd

Seit Jahren laufen Planungen für einen Umbau der B19-Anschlussstelle am südlichen Ende Oberkochens. Doch außer einer Behelfsausfahrt ist davon bislang nichts zu sehen. Während die Unternehmen vor Ort darauf warten, dass es endlich losgeht, hält sich das Regierungspräsidium Stuttgart bedeckt. Der Oberkochener Bürgermeister wird deutlicher:

An die Anschlussstelle Oberkochen-Süd mit der verlängerten Abfahrtsspur haben sich die meisten Pendlerinnen und Pendler bereits gewöhnt: Seit fast drei Jahren sieht es auf Höhe des Zeiss-Werks Oberkochen so aus. Doch auch wenn es sich mittlerweile nicht mehr so anfühlt: Das sollte eigentlich nicht der endgültige Zustand, sondern lediglich eine Behelfsausfahrt sein – und zwar für die Zeit des großen Umbaus dieser Anschlussstelle. Man erinnert sich: Der bestehende kleine Kreisverkehr nach der Ausfahrt Oberkochen-Süd auf der Seite des Zeiss-Werks sollte durch ein mehr als dreimal so großes Exemplar ersetzt werden, um den Verkehrsfluss zu verbessern.

Regierungspräsidium: „immer noch in der Variantenuntersuchung“

Was aus den Plänen geworden ist? Kurz gesagt: Man ist noch gar nicht fertig mit Planen. Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium in Stuttgart heißt es: „Wir befinden uns aktuell noch in der Variantenuntersuchung und müssen hierfür noch diverse Abstimmungen mit den Beteiligten treffen.“ Ähnlich unkonkret bleiben die Antworten auf die Fragen nach dem Zeitplan: Ab wann gebaut werden soll, wie lange das dann dauern und ob es Planänderungen geben wird, könne man alles erst beantworten, wenn diese Variantenuntersuchung abgeschlossen ist.

Damit bleibt zunächst auch unklar, ob es tatsächlich der große Kreisverkehr werden wird, der einst vorgestellt worden war. Auch der sei nämlich lediglich „eine von mehreren Varianten, die gerade noch untersucht werden“, so ein Sprecher des RP.

Für die Beteiligten vor Ort ist das freilich unbefriedigend, allen voran für die Stadt Oberkochen. Bürgermeister Jürgen Traub hatte im Dezember im Gemeinderat seinem Ärger Luft gemacht: Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg habe die ursprüngliche Planung abgelehnt, weil sie nicht dem „Regelwerk“ für Kreisverkehre entspreche. Auf Kosten der Stadt Oberkochen lasse man die Pläne nun überarbeiten und die beanstandeten Punkte beseitigen, „auch wenn manches für uns unverständlich ist“.

Umplanungen auf Wunsch des Verkehrsministeriums

Gegenüber der „Schwäbischen Post“ war Traub im Anschluss noch deutlicher geworden und sprach von „Bürokratie in Reinform“: Neben der Anzahl von 14 Ein- und Ausfahrten habe das Ministerium vor allem die geplante Radwegeführung in Form einer sogenannten „protected bike lane“ beanstandet. Dabei werde der Radstreifen beispielsweise mittels Pollern von der Straße abgetrennt. „Dies wird deutschlandweit inzwischen an vielen Stellen so gehandhabt, um den Radverkehr zu schützen“, sagte der Bürgermeister gegenüber der „Schwäpo“. „Nur entspricht das nicht dem Regelwerk aus dem Jahr 1990, weil es die ,protected bike lanes‘ damals einfach noch nicht gab.“ Dennoch solle nun umgeplant und ein separater Radweg integriert werden.

„Leidtragende“ der Verzögerungen sind gewissermaßen all jene, die die B19 als Pendlerinnen und Pendler an dieser Stelle passieren, oder all jene Unternehmen, die im Tal entlang der Bundesstraße auf eine gut funktionierende Infrastruktur angewiesen sind. Stellvertretend für sie wandte sich der Chef der IHK Ostwürttemberg, Thilo Rentschler, kürzlich in einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. Darin beklagte er, dass bislang kein sichtbarer Fortschritt für eine Steigerung der Leistungsfähigkeit erfolgt sei – trotz jahrelanger Diskussionen und Ankündigungen. „Die B19 ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Region. Dass sich beim dringend benötigten Kreisel an der Ausfahrt Oberkochen-Süd seit langer Zeit faktisch nichts bewegt, ist für die regionale Wirtschaft nicht mehr akzeptabel“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.

Im November 2022 begannen die Arbeiten für eine neue Behelfsausfahrt als erster Schritt zum Umbau der Anschlussstelle Oberkochen Süd. Die Ausfahrt ist längst fertig, doch seitdem hat sich nichts mehr getan.

B19: Kritik an schleppendem Umbau der Anschlussstelle Oberkochen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwürttemberg kritisiert die anhaltenden Verzögerungen beim geplanten Bau eines Kreisverkehrs an der B-19-Ausfahrt Oberkochen Süd.
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Oberkochen
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