Nicht sehr viele Menschen, sicherlich noch nicht einmal alle Königsbronner, kennen den Leerausbach. Während Brenz und Pfeffer einigermaßen bekannt sind, führt der Leerausbach eher ein Schattendasein. Das liegt auch daran, dass er nur wenige Meter nach seiner Quelle im Frauental in einem Kanal aus Beton durch ganz Königsbronn führt und erst im Bereich des Torbogens wieder ans Tageslicht kommt. Einige Meter weiter verschwindet der Leerausbach wieder unter Beton im Boden.

Warum in Königsbronn die Leerausquelle sprudelt
Aber letzteres soll geändert werden, und die vorbereitenden Arbeiten dazu haben Anfang der Woche begonnen. Im Zuge der Neubebauung der Brenzquell-Höfe nämlich wird der unscheinbare Bach offengelegt. Geplant ist, das Ufer zu gestalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das hätte nicht nur optische, sondern vor allen Dingen auch ökologische Vorteile. Doch den Kanal einfach wegzureißen geht nicht so einfach. Denn zunächst muss der kleine Bach umgeleitet werden. All dies muss schnell geschehen und noch im Februar über die Bühne gehen. Denn es könnte durchaus sein, dass in dem unterirdischen Kanal Feldermäuse leben. Bevor sie nach der Winterpause wieder beginnen, zu fliegen, müssen die Arbeiten erledigt sein. Während des Aufbruchs des Betondeckels werden die Arbeiten deshalb auch bauökologisch überwacht.
Flussbett wird neu gestaltet
Wie Bernhard Täubert, beim Büro Kolb Ingenieure zuständig für die Projektüberwachung, erläutert, graben die Bagger derzeit einen neuen Graben, in den der Leerausbach umgeleitet wird, bevor er in die Brenz mündet. Ist dieser Graben fertig, fließt das Wasser durch ihn, sodass der Sarkophag aus Beton auf einer Länge von rund 60 Metern abgebrochen werden kann. „Natürlich muss man dabei auch vorsichtig vorgehen“, sagt Täubert. Sind die Abbrucharbeiten abgeschlossen, wird das ursprüngliche Flussbett neu gestaltet, wobei die Kurve kurz vor der Mündung natürlich beibehalten wird.

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„Beim Flussbett wird darauf geachtet, dass das Wasser auch dann, wenn nur wenig vorhanden ist, gut abfließen kann. Aber der Querschnitt wird so gewählt, dass auch bei einem Jahrhunderthochwasser nichts passiert“, betont Täubert. Sind diese Arbeiten erledigt, kann der Leerausbach wieder in sein ursprüngliches Bett umgeleitet werden. Der Ingenieur geht von einer Bauzeit von rund zwei Monaten aus. Freilich ist bei der Fertigstellung nicht die gesamte Böschung neu gestaltet und gegrünt, „aber die maßgeblichen Arbeiten sind dann fertig.“
Die Offenlegung des Leerausbachs ist auch im Bebauungsplan verankert. Sie soll nicht nur einer Verschönerung des Areals dienen, das mit Mehrfamilienhäusern bebaut wird. Vielmehr wird auch die ökologische Situation deutlich verbessert und verschafft der Gemeinde zudem Ökopunkte. Die Kosten für die gesamte Maßnahme sind mit 250.000 Euro angesetzt.
Bach fließt nicht immer
Die Quelle des Leerausbachs liegt im Frauental, an der östlichen Seite des Tales. Er ist knapp einen Kilometer lang und zum Großteil kanalisiert. In der Ortsmitte mündet er in den Ziegelbach, später dann in die Brenz.
Die Leerausquelle ist eine periodische Karstquelle. Sie ist ein Hungerbrunnen und der natürliche Überlauf der knapp 500 Meter weiter südlich liegenden Pfefferquelle. Die Leerausquelle schüttet nur, wenn die Pfefferquelle nach der Schneeschmelze sehr stark schüttet.


