Neues Musikprojekt

Nach lebensbedrohlicher Erkrankung: Wie Michael Kling aus Hermaringen mit „Seelentrost“ einen neuen musikalischen Weg fand

Nach einer schweren Krankheit, die ihn fast das Leben gekostet hätte, hat der Hermaringer Musiker Michael Kling einen Kreativitätsschub erlebt. Mit der neuen Band „Seelentrost“ arbeitet er seine Erlebnisse und Gefühle auf. Welche Aktivitäten geplant sind und wann der erste Song zu hören sein wird.

Es gibt Situationen im Leben, die zu vollkommener Klarheit führen. Plötzlich offenbart sich der eigene Weg ganz neu, Perspektiven eröffnen sich, das Denken wird weiter. Michael Kling aus Hermaringen hat das erlebt.

2024 erlitt er eine Thrombose im Bauch, er musste mit dem Rettungshubschrauber in eine 200 Kilometer entfernte Klinik geflogen werden, lag lange auf der Intensivstation. Die Schmerzen beschreibt Kling als unerträglich, nicht einmal starke Schmerzmittel hätten ihm Linderung gebracht. Eines Tages sei der Krankenhauspfarrer an seinem Bett gestanden, die Ärzte räumten ihm nur noch wenig Überlebenschancen ein.

Aber er überlebte. Heute kann Kling von dieser Phase erzählen, die nicht nur an seinem Körper Spuren hinterlassen hat, sondern ihn auch psychisch gefordert hat. Kling gehört aber zu den Menschen, die solchen Druck in Energie umwandeln können, besser gesagt: in kreative Energie.

Dunkle Erlebnisse verarbeitet

Der 41-Jährige arbeitet bei BSH in Giengen und ist seit vielen Jahren Musiker, spielte in Bands, baute sich ein Tonstudio auf, produzierte die Musiker junger Bands. Sein Leben nahm verschlungene Wege, eine Beziehung zerbrach, er fand eine neue Liebe. Diese junge Frau saß nun Stunde um Stunde an seinem Krankenbett. Vielleicht war es auch ihre Hoffnung, die ihn aus dem Tief der Krankheit zog. Noch im Krankenhaus begann er, seine Gefühle während dieser bedrohlichen Zeit in einen Song zu fassen.

Bei den Aufnahmen für einen Videoclip: Michael Kling und Regine Sauter (im Vordergrund) und Christian Vaida (am Keyboard). Gerda Schanz

Aus diesen Ideen entstand nach seiner Genesung das Lied „Schwarzer Engel“, das er seiner damaligen Freundin widmete, auch wenn sie die Beziehung mittlerweile beendet haben. Dennoch: „Ich war sehr froh, solch eine starke Partnerin in dieser schweren Zeit an meiner Seite gehabt zu haben.“ Bei dem einen Lied sollte es nicht bleiben, der kreative Schub war so mächtig, dass Kling genügend Musik für ein Album schrieb und eine Band auf die Beine stellte. Ihr Name: „Seelentrost“. Um die Musik zu veröffentlichen, hat er sein früheres Label Klingsound Records wieder aktiviert.

Neue Band zusammengestellt

In seinem Hermaringer Elternhaus hat Kling sein neues Studio eingerichtet. Beim Pressetermin ist auch Sängerin Regine Sauter, die weiteren Bandkollegen schalten sich online dazu. „Michael schaut wie ein Adler auf die Dinge, er beschreibt sie sehr ehrlich und authentisch“, sagt Sauter. Kling sagt, er lasse heute beim Schreiben „die Maske weg“. Das extreme Erlebnis, vom Tod bedroht worden zu sein, lässt ihn offenbar konsequenter sein als früher. „Musik ist die beste Therapie“, sagt er. Diese Erfahrung habe seine Texte verändert, die er heute auf Deutsch verfasst: „Ich könnte das niemals so auf Englisch ausdrücken.“

Zur „Seelentrost“ gehören neben Kling und Sauter der Heidenheimer Pianist und Produzent Christian Vaida, in dessen Studio „Schwarzer Engel“ aufgenommen wurde, der Schlagzeuger Harry Reischmann (u. a. Ex-„Bonfire“), Bassist Roberto D’Amico, der bei den Heidenheimer Prog-Metallern „Enslave the Chain“ gespielt hat, sowie der Jülicher Gitarrist Thomas Hoffmann.

Obwohl die Musiker weit verstreut leben, ist ihnen die Begeisterung für die neue Band anzumerken. „Michael hat gerade einen echten Lauf, ihm fallen coole Songs ein“, sagt Vaida anerkennend. Bassist D’Amico sagt: „Wir kennen uns schon lange, und mir war es wichtig, mit ihm zusammen Musik zu machen.“ Für Thomas Hoffmann waren es die intensiven Texte, die ihn förmlich gefangengenommen hätten. Die Musik ist nicht mit einem bloßen Genre-Begriff zu fassen: sehr melodisch, bisweilen auch hart, hell und dunkel zugleich. Die Musiker haben sich auf Romantic-Rock geeinigt.

„Schwarzer Engel“ soll im April veröffentlicht werden, Videoclips für diesen und zwei weitere Songs wurden bereits gedreht. Dabei spielten die sechs Musiker auch zum ersten Mal tatsächlich zusammen. Und wenn das Interesse an „Seelentrost“ so groß bleibt, wie es sich derzeit andeutet, schließt die Band auch Konzerte nicht aus. „Unser Weg scheint sich gerade von selbst zu bauen“, sagt Kling, „so habe ich mir das immer gewünscht.“

„Seelentrost“ im Netz

Weitere Infos zu „Seelentrost“ gibt es im Internet unter seelentrost-music.de sowie auf den bandeigenen Kanälen bei Facebook und Instagram.