Wasserversorgung

Löschwasser, Desinfektionsanlage und Wasserdruck: Wie das Hermaringer Wassernetz verbessert werden könnte

Ein Strukturgutachten ergibt, dass Hermaringen in den nächsten Jahren mehrere Hunderttausende Euro in seine Anlagen zur Trinkwasserversorgung investieren muss.

Der Investitionsbedarf ist hoch: 860.500 Euro, davon 696.500 Euro kurzfristig, sollten in den nächsten Jahren für den Bereich Trinkwasser in Hermaringen ausgegeben werden, wie ein Gutachten ergeben hat. Es wurde in den vergangenen Monaten in Abstimmung mit den Hermaringer Betriebsführer, den Stadtwerken Giengen, von einem Stuttgarter Ingenieurbüro erstellt. Ein solches Strukturgutachten ist notwendig, will man für zukünftige Baumaßnahmen Fördergelder generieren.

Ziel der Begutachtung war die Bewertung der vorhandenen Struktur der Wasserversorgung vor dem Hintergrund, ob diese den aktuellen und zukünftigen Bedürfnissen entspricht. Untersucht wurde, ob ausreichend Wasser in einwandfreier Qualität zur Verfügung steht, wie es um die Ersatzwasserbeschaffung steht und wie die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit erhöht werden können. Im Zuge der Analyse wurde auch die Löschwasserversorgung überprüft.

Die chemischen und physikalischen Untersuchungen hinsichtlich der Wasserqualität haben im Zeitraum von 2019 bis 2022 keine Überschreitungen der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung ergeben. Die Nitratmesswerte lagen in den vergangenen Jahren im Schnitt bei 50 Prozent der maximal zulässigen Schwelle von 50 Milligramm pro Liter Wasser.

Zeitweise Bakterien nachgewiesen

Allerdings wurde im Bereich der beiden Hochbehälter Schloßberg und Allewind sowie im Bereich des Sammelbehälters ein mikrobiologischer Grenzwert überschritten. Gefunden wurden jeweils coliforme Bakterien. Auch in der Rudolf-Magenau-Schule (März 2020) und im Rathaus (September 2021) wurden diese Bakterienstämme nachgewiesen. In allen Fällen waren die entsprechenden Nachproben unauffällig. Das Gutachten empfiehlt die Installation einer Desinfektionsanlage, die mittels UV-Licht auf das Wasser einwirken soll. Kosten dafür: etwa 150.000 Euro.

Im April 2024 fand eine Begutachtung aller wassertechnischen Anlagen Hermaringens statt. Resultat: Im Bereich Bautechnik erhielten sowohl die Wasserkammer des Sammelbehälters Hürbetal als auch der Außenbereich der beiden Tiefbrunnen die Note „mangelhaft“. Da der Hochbehälter Hirschberg sowohl zur Befüllung des Netzes der dazugehörigen Niederzone als auch des Hochbehälters Schloßberg genutzt wird, empfiehlt das Strukturgutachten, hier eine zweite Kammer mit einem Volumen von 250 Kubikmetern zu errichten. Die Kosten liegen bei geschätzt 518.000 Euro.

Zudem haben Druck- und Mengenmessungen sowie entsprechende Berechnungen ergeben, dass der Versorgungsdruck beispielsweise in den Niederzonen Hirschberg und Schloßberg die entsprechenden Mindestwerte für dreigeschossige Gebäude nicht erreicht. In der Hochzone Schloßberg können bei mittlerem Tagesverbrauch aufgrund der sehr geringen Fließgeschwindigkeiten sogenannte „tote Zonen“ entstehen. Das Gutachten empfiehlt, das Netz hier regelmäßig zu spülen.

Im Brandfall zu wenig Wasserdruck

Das Gutachten hat auch die Druckentwicklung im Netz für den Fall einer Löschwasserentnahme durchgerechnet. So kann in den Niederzonen Hirschberg und Schloßberg und in Allewind an keiner Stelle eine Löschwassermenge in Höhe von 48 Kubikmetern pro Stunde entnommen werden, ohne dabei den Mindestversorgungsdruck von 1,5 bar zu unterschreiten.

Kritisch ist der Umstand, dass bei einem Ausfall der Wassergewinnung selbst im Bereich der Tiefbrunnen, des Sammelbehälters und des Pumpwerkes nur noch die beiden Hochbehälter als Reserve zur Verfügung stehen. Für die Niederzone Hirschberg kann so der maximale Tagesbedarf für 28 Stunden aufrechterhalten werden. Für die Hoch- und Niederzone Schloßberg sind es sogar nur etwa 24 Stunden. Danach flösse kein Wasser mehr aus dem Hahn.

Als mögliche Ersatzbezugsquellen listet das Gutachten ein gemeinsames Wasserwerk der Gemeinden Sontheim und Hermaringen mit einer Verbindungsleitung entlang der Brenz auf. Über eine rund 2,7 Kilometer lange Notverbindungsleitung – eine sogenannte „fliegende Leitung“ – wäre auch ein Wasserbezug aus Burgberg möglich. Auch eine Notversorgung mit Anschluss in Giengen ist vorstellbar.

Zahlen rund ums Hermaringer Trinkwasser

Die Gemeinde Hermaringen pumpt ihr Trinkwasser aus einem Grundwasserleiter mittels zweier Tiefbrunnen, die sich beide auf einem Flurstück im Hürbetal im Süden der Gemeinde befinden. Das Wasser – jeweils zu 60 Kubikmetern pro Stunde – wird aus Tiefen von 41 und 38 Metern gefördert. Das Leitungsnetz in den vier Hermaringer Versorgungszonen hat eine Gesamtlänge von knapp 23 Kilometern.