Eine Mutter geht mit ihrem dreijährigen Kind in die Schloss Arkaden zum Einkaufen. Plötzlich ist das Kind weg und nicht aufzufinden. Die Polizei wird alarmiert, das Kind gesucht, aber es bleibt verschwunden. Dieses fiktive Szenario wäre ein Einsatz wie aus dem Lehrbuch für die Hundestaffel des Bundesverbands Rettungshunde (BRH) Landkreis Heidenheim. Alarmiert von der Polizei würde dann ein Hund-Mensch-Team ausrücken, um das Kind zu suchen.
Maintrailing und Flächensuche
Und dann hat eine vierbeinige Supernase ihren großen Auftritt. Für die Suche gäbe es zwei Möglichkeiten: Der Hund nimmt den Geruch des Kindes – etwa über ein Kuscheltier oder Kleidungsstück – auf und folgt der Geruchsspur. Mit seinem Hundeführer im Schlepptau bahnt er sich den Weg durch die einkaufenden Menschen und durchsucht die Geschäfte, bis er das Kind erschnuppert hat.
Die andere Möglichkeit: Die Schloss-Arkaden werden geräumt und die Türen verschlossen. Der Hund durchkämmt dann selbstständig die menschenleeren Räume, bis er das Kind gefunden hat. Dabei sucht er nicht nach einem bestimmten Geruch, sondern einfach nach einer menschlichen Witterung.

Folgt der Hund einem bestimmten Geruch bei der Suche, nennt man das Mantrailing. Läuft er dagegen frei und sucht ein bestimmtes Gebiet nach einer verschwundenen Person ab, heißt es Flächensuche. Beides können Hund und Halter bei der BRH-Hundestaffel in Herbrechtingen lernen. Außerdem gibt es die Ausbildung zum Trümmersuchhund. „Es ist einfach Wahnsinn, was eine Hundenase leisten kann“, sagt Denise Ramsayer, Mitglied des Vereinsvorstands.
Egal ob Dackel oder Mischling
Für die Ausbildung ist die Rasse des Hundes völlig unerheblich. Vom Rauhaardackel über den Golden Retriever bis zur Promenadenmischung sei alles willkommen, sagt Ramsayer. Auch das Alter des Hundes spielt keine Rolle. „Jeder Hund kann das lernen. Die einzigen Voraussetzungen sind, dass der Hund gesund ist, freundlich gegenüber Menschen und verträglich mit anderen Hunden ist.“ Die Ausbildung zum Rettungshund dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. „Die Personensuche ist aber mehr als ein Training – sie ist ein erfüllendes Hobby für das Hund-Mensch-Team. Der Hund hat Spaß dabei, ist ausgelastet, und das freut wiederum den Menschen.“

Haupttrainingszeit in Herbrechtingen ist sonntags – man trainiert am neuen Kompetenzzentrum, im Wald, auf Firmengeländen oder in Gebäuden. „Rolltreppen, Aufzüge und Menschenmengen – für den Hund ist all das eine Herausforderung, das muss alles geübt werden“, erklärt Denise Ramsayer. „Man beginnt klein und steigert sich. Irgendwann sollen die Hunde für jede Art von Einsatz vorbereitet sein, aber wir geben jedem die Zeit, die er dafür braucht.“ Auch unter der Woche finden Trainingseinheiten statt: Alltagssituationen wie Zugfahren werden geübt, es gibt in Herbrechtingen Gerätetraining und die Hunde lernen, Gerüche zu differenzieren.

Seit gut eineinhalb Jahren hat die Hundestaffel des Bundesverbands Rettungshunde ihr Domizil Am Steinbruch 6 im ehemaligen Vereinsheim der Kleintierzüchter in Herbrechtingen. Zuvor hatte der im Jahr 2000 gegründete Verein kein eigenes Domizil, die Mitglieder trafen sich im Heidenheimer Tierheim zu Besprechungen und trainierten mit den Hunden im Wald. In Herbrechtingen wird nun fleißig am neuen Kompetenzzentrum gebaut. Alles ehrenamtlich, in Eigenleistung und auf Spendenbasis.
Mit und ohne Hund willkommen
Die Außenanlage wurde bereits für die Ausbildung der Hunde und das Gerätetraining tauglich gemacht. Die Gebäudefassade soll ebenfalls noch verschönert werden. Umgebaut wird aber auch innen. In der Gaststätte des ehemaligen Vereinsheims findet jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr ein kleiner Stammtisch statt. „Das möchten wir noch erweitern und auch außen bewirtschaften“, sagt Denise Ramsayer. „Und wir freuen uns immer über neue Gesichter – mit oder ohne Hund.“

Zudem wird ein Seminarraum eingerichtet. Dort werden dann Erste-Hilfe-Kurse stattfinden und weitere Kurse für die Ausbildung zum Sanitäter, die man ebenfalls bei der BRH-Hundestaffel absolvieren kann. Außerdem hat der Verein eine eigene Drohnenstaffel. „Das ist etwas für Menschen, die nicht unbedingt etwas mit Hunden am Hut haben, aber Technikliebhaber sind“, erklärt Denise Ramsayer. Die angebotene Ausbildung zum Drohnenpilot umfasst sowohl theoretische Inhalte als auch praktische Übungen. „Man kann auch ohne eigenen Hund ein aktives Mitglied der Staffel werden.“
Der Verein und der Schnupperkurs
Die BRH-Rettungshundestaffel ReSuG (Rettungs- und Suchhundegruppe) Landkreis Heidenheim bildet Personenspürhunde aus, die im Ernstfall vermisste Menschen finden sollen. Der Verein hat 45 aktive Mitglieder, 26 Hunde befinden sich in Ausbildung, neun sind einsatzbereit. Pro Jahr rücken sie zu etwa zwölf Einsätzen aus.
Am Samstag, 7. Februar, findet ein Schnupperseminar im Mantrailing am Kompetenzzentrum des Vereins in Herbrechtingen, Am Steinbruch 6, statt. Mehr Infos und Anmeldung per Mail an info@rettungshunde-heidenheim.de oder über Facebook oder Instagram. Auch unabhängig vom Schnupperkurs kann man sich unter den angegebenen Kontaktdaten für ein Probetraining anmelden.

