Naturschutz versus Wohnungsbau

Warum eine Gewerbebrache in Herbrechtingen nicht einfach bebaut werden kann

Ein Investor möchte auf einer ehemaligen Gewerbefläche an der Weberstraße Wohnungen bauen – und das möglichst schnell. Das ist aber nicht so einfach.

Ein Investor hat eine ehemalige Gewerbefläche an der Weberstraße gekauft und möchte dort Wohnungen bauen. Darüber informierte Stadtbaumeister Dieter Frank die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr in der jüngsten Sitzung. Allerdings sei die brach liegende Fläche, auf der vor Jahren die Württembergische Berufskleiderfabrik ansässig war, mittlerweile stark eingewachsen. Und das kann für den Investor zu einem Problem werden. Denn die verwilderte Fläche könne nicht einfach geräumt und bebaut werden.

Der Grund: „Auch wenn der Bau-Turbo und damit ein beschleunigtes Verfahren zur Anwendung kommt, muss der Naturschutz beachtet werden“, erläuterte Frank weiter. Konkret bedeutet das, dass eine Relevanzprüfung stattfinden müsse, um herauszufinden, welche Tierarten auf der Fläche vorkommen könnten. „Und wenn man das nicht herausfinden kann, muss eine Kartierung stattfinden. Die kostet in der Regel ein Jahr Zeit.“ Denn dabei müsse eine gesamte Saison von Frühjahr bis Herbst durchlaufen werden, um herauszufinden, welche Arten auf der Fläche leben. „Und im schlimmsten Fall muss der Investor dann für jede Tierart eine Ersatzmaßnahme schaffen.“

Mit dem sogenannten Bau-Turbo soll der Wohnungsbau vorangetrieben werden.

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Konflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz

Frank sprach von einem Konflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz. „Durch den Bau-Turbo wollen wir schnell und unkompliziert Wohnraum schaffen. Wir haben einen Investor, der hat Geld und schon Pläne. Auf der anderen Seite steht das Bundesnaturschutzgesetz.“

Bürgermeister Daniel Vogt ergänzte, man sei in Abstimmung mit dem Investor und dem Landratsamt, habe aber wenig Möglichkeiten zur Beschleunigung. „Naturschutz ist ein hohes Gut, aber wir wollen und brauchen die Nachverdichtung.“ In den sozialen Medien sei bereits zu lesen, dass es sich bei dem rund 4500 Quadratmeter großen Gebiet um eine geschützte Fläche, um ein Biotop handle. Dem sei aber nicht so. „Das ist und bleibt eine Gewerbebrache. Wir sind keine Umweltzerstörer und suchen nur eine pragmatische Lösung.“

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