Die Lage wird immer angespannter: Obwohl der Licht- und Sensortechnikkonzern AMS Osram bei seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag vorwiegend positive Zahlen nennt, sollen in den kommenden drei Jahren 2000 Stellen weltweit gestrichen werden, die Hälfte davon in Europa und vor allem in Deutschland. Auch das Werk in Herbrechtingen, das vorwiegend Halogenscheinwerfer für Automobile herstellt, ist davon massiv betroffen. Wenige Stunden nach der Pressekonferenz kam es zu einer Betriebsversammlung in Herbrechtingen, bei der mehr Klarheit geschaffen wurde.
Weitere 2000 Stellen werden gestrichen
Wie CEO Aldo Kamper auf der Jahrespressekonferenz bekanntgab, sollen durch das Transformations- und Sparprogramm „Simplify“ bis Ende 2028 jährlich 200 Millionen Euro bei AMS Osram eingespart werden, um die enormen Schulden des Konzerns zu tilgen. Erste Auswirkungen davon sind ein weiterer Stellenabbau von ungefähr 2000 Arbeitsplätzen weltweit – aktuell beschäftigt der Konzern rund 19.000 Mitarbeitende, 7500 davon in Europa. Die Hälfte der abzubauenden Stellen findet sich in Europa und somit hauptsächlich in Deutschland. Das Werk in Regensburg ist „im unteren bis mittleren Hunderterbereich“ betroffen. Auch die Stellen des Werks in Schwabmünchen, das bis Ende 2027 geschlossen wird, sind einberechnet.
Der Rest verteile sich auf Herbrechtingen, so Kamper, zunächst ohne genaue Zahlen zu nennen. Aktuell sind in Herbrechtingen rund 470 Personen beschäftigt. Laut Tobias Bucher, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, wurden hier bereits in den vergangenen zwei Jahren rund 250 Stellen abgebaut. Das deckt sich mit den offiziellen Zahlen des Unternehmens aus dem Jahr 2024, wo von etwa 700 Mitarbeitenden in Herbrechtingen die Rede war.
Belegschaft ist entsetzt
Die Betriebsversammlung am Dienstagnachmittag brachte etwas Licht ins Dunkel: Bereits war bekannt, dass noch in diesem Jahr bis zu 80 Stellen abgebaut werden. Nun ist sicher, dass bis Ende 2029 insgesamt ungefähr 250 Arbeitsplätze wegfallen werden. Wie Bucher berichtet, sind dabei betriebsbedingte Kündigungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen, da Maßnahmen wie Transfergesellschaften oder Altersteilzeit die komplette Tragweite dieses Abbaus nicht abdecken können. Das bestätigte auch Osram-Geschäftsführer Rainer Barthel, jedoch seien betriebsbedingte Kündigungen nur die letzte Alternative. Die Belegschaft reagierte laut Bucher mit Entsetzen auf die neuen Hiobsbotschaften, viele der gestellten Fragen blieben nach der Versammlung offen.
„Die Innovation ist die Stärke des Standorts Herbrechtingen“, so Bucher, der in dieser Sparte Hoffnung schöpft. Entwicklung und die Produktion seien demnach vorwiegend betroffen. Die Arbeitsprozesse im schwächelnden Werk sollen optimiert werden. Bisher war der Standort für die Produktion von jährlich rund 220 Millionen Leuchten ausgelegt worden, was in jüngerer Vergangenheit schon nicht mehr ausgereizt wurde. Neben Halogenleuchten wird hier auch die LED-Plattform XLS hergestellt, die künftig wichtiger denn je für den Standort werden könnte.
Neue Märkte sollen erforscht werden
Vorstandsvorsitzender Aldo Kamper sah am Vormittag auf der Pressekonferenz des Gesamtkonzerns, der sich in den Jahren 2023 bis 2025 in „massiven Umstrukturierungsjahren“ befand, vorwiegend Gründe für Optimismus. Der Umsatz liegt bei 3,323 Milliarden Euro (2024: 3,428), die EBITDA-Marge bei 18,3 Prozent (Vorjahr: 16,8 Prozent). Zudem liege das Wachstum bei 7 Prozent im Halbleiter-Kerngeschäft. Dennoch ist das Unternehmen nach wie vor hoch verschuldet. Um diese Schulden einzudämmen, wurde Anfang Februar der nichtoptische Sensorbereich für ungefähr 570 Millionen Euro an Infineon verkauft.
Um sich in neuen Märkten zu positionieren, präsentierte Kamper den Plan, sich zukünftig mehr auf intelligente optische Halbleiter-Emitter und Sensortechnologien (Digital Photonics) zu konzentrieren. Dort sollen die Standbeine vorwiegend der Markt mit dynamischen Beleuchtungen von Automobilen, Projektionsdisplays, Augmented-Reality-Brillen und Sensoren für smarte Roboter sein. „Das bietet uns zahlreiche attraktive Wachstumsperspektiven“, so Kamper. Der CEO bezieht zudem ebenfalls Stellung zur Entscheidung des Stellenabbaus: „Uns ist die Tragweite dieser Entscheidung bewusst. Sie ist uns nicht leichtgefallen, aber notwendig, damit AMS Osram dauerhaft wettbewerbsfähig bleibt. Wir werden diesen Schritt verantwortungsvoll und fair umsetzen.“
Was ist der Verschuldungsgrad?
Wie auf der Pressekonferenz berichtet wurde, konnte durch sämtliche Sparmaßnahmen der Verschuldungsgrad des Konzerns auf einen Wert von 2,5 gesenkt werden. In den Finanzzielen ist angegeben, dass dieser bis 2030 auf unter 2 sinken soll. Der Verschuldungsgrad beschreibt, wie stark ein Unternehmen mit Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital finanziert ist. Er wird berechnet, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital geteilt wird. Ein niedriger Verschuldungsgrad steht für eine stabile Finanzierung und ein geringeres Risiko, während ein hoher Verschuldungsgrad auf eine stärkere Abhängigkeit von Schulden und ein höheres finanzielles Risiko hinweist.
Die genauen Zahlen des Geschäftsjahres 2025 sind online auf osram.de einsehbar.

