Erik, Emil und Elias heißen die drei. Und sie sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Selbst ihre Opas und Omas verwechseln sie hin und wieder, erzählt der stolze Vater der drei Jungs, Igor Lang. Nur Elias macht es einem leichter mit der Unterscheidung. Ihm scheint es besonders gut zu schmecken, er ist der Proberste der drei und hat am 21. Februar 2025 auch als erster das Licht der Welt erblickt. Am 40. Geburtstag von Sarah Lang, um dem Kuriosum noch die Krone aufzusetzen.
Die Chance stand eins zu 100 Millionen
Die Wahrscheinlichkeit eineiiger Drillinge ist geringer als die eines Sechsers im Lotto. Die Chance steht – ohne künstliche Befruchtung – eins zu 100 Millionen. Und bei den Langs hat es auf natürliche Weise geklappt. Ein kleines medizinisches Wunder also. „Die Chance auf einen Lottogewinn haben wir jedenfalls vertan“, sagt Igor Lang.

Als sie bei einer Ultraschalluntersuchung erfahren hat, dass sie nicht ein, sondern drei Babys im Bauch trägt, war Sarah Lang erst einmal geschockt. „Meine ersten Worte waren: Ach du Scheiße“, erzählt sie lachend. Dann hat sie natürlich sofort zum Telefon gegriffen, um ihren Mann zu informieren. „Vorher habe ich ihm aber geraten, sich zu setzen.“
Kaiserschnitt in der 28. Woche
Die drei Jungs kamen in der 28. Schwangerschaftswoche im Klinikum Ulm per Kaiserschnitt zur Welt. Die Fruchtblase war geplatzt und alles musste sehr schnell gehen. Erik und Elias wogen 720 Gramm bei der Geburt, ihr Bruder Emil 840 Gramm. Mehr als zwei Monate mussten die drei im Krankenhaus versorgt werden, erst in Ulm, später in Heidenheim. Keine einfache Zeit. „Aber wir wurden spitzenmäßig betreut“, sagt Igor Lang. „Anfangs ist man auch gehemmt, weil die Babys so winzig sind und ihre kleinen Körper so zerbrechlich wirken. Aber die Hebammen und Krankenschwestern haben uns die Angst schnell genommen.“

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Die drei haben sich prächtig entwickelt, sind quietschvergnügt, neugierig und wiegen heute das Zehnfache von dem, was sie vor einem Jahr gewogen haben. „Bei einer Mehrlingsgeburt gibt es viele Risiken, aber das haben wir während der Schwangerschaft ausgeblendet“, sagt Igor Lang. „Wir hatten Glück und sind sehr glücklich.“
Bis zu 30 Fläschchen am Tag
Glücklich, aber natürlich auch permanent übernächtigt. „Wir stehen beide mehrmals pro Nacht auf, einer weint eigentlich immer“, sagt Sarah Lang. „Für eine Person ist das einfach zu viel.“ Ihr Mann kann als Entwicklungsingenieur bei Zeiss zum Glück auch von zuhause aus arbeiten und sie dann beim Füttern oder Wickeln unterstützen. „Im Geschäft ist es jedenfalls entspannter als hier“, scherzt der 37-Jährige. Denn bei den Langs geht alles mal drei. Bis zu 30 Fläschchen geben die beiden am Tag. „Da ist man gut beschäftigt. Wir gehen um 8 Uhr ins Bett, da ist der Tag gelaufen.“
Gut, dass die Familien der beiden in der Nähe wohnen und sie tatkräftig unterstützen. Außerdem habe man eine nette und kinderreiche Nachbarschaft, die aushilft und auch Kindersachen verschenkt. Denn alles mal drei zu kaufen, geht natürlich auch ins Geld. Igor Lang hat ausgerechnet, dass sie bislang 90 Kilogramm Milchnahrung (185 Packungen) für rund 1200 Euro und 3240 Windeln für gut 850 Euro verbraucht haben. Tendenz natürlich steigend.

Dazu braucht man drei Maxi-Cosis, drei Hochstühle, drei Baby-Betten. Das Paar sucht auch nach einem größeren Auto. Derzeit fährt einer der drei Jungs auf dem Beifahrersitz im Maxi-Cosi und die Mama sitzt zwischen den beiden anderen auf dem Rücksitz. „Das geht nur, weil meine Frau so schlank ist“, scherzt ihr Mann.
Kinderwagen in der Größe eines Smarts
Der Drillingskinderwagen ist ebenfalls beachtlich und hat fast die Ausmaße eines Smarts. „Inklusive Ladung schiebt man 50 Kilo vor sich her“, sagt Sarah Lang. Das stößt auf großes Interesse bei Passanten. Manchmal auch zu groß. „Ein Fahrradfahrer ist vor lauter Starren mal gegen einen Baum gefahren“, erzählt die 40-Jährige.
So ähnlich sie sich sehen, so unterschiedlich sind Erik, Emil und Elias aber bereits. Letzterer ist laut seinen Eltern der mutige Anführer, der erst mal alles für sich beansprucht. Emil sei der ruhigste und eher vorsichtig und Erik eine Mischung aus beiden. Und wie ein Ei dem anderen gleichen sich auch eineiige Drillinge nicht. „Es gibt kleine Merkmale, an denen wir sie auseinanderhalten können“, erklärt Igor Lang. Etwa ein noch winziger Haarwirbel, der an jedem Kopf an einer anderen Stelle sitzt.

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Drei Drillingsgeburten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr
Auch wenn eineiige Drillinge ohne künstliche Befruchtung so gut wie nie vorkommen, ist es in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr gleich mehrfach zu diesem kleinen medizinischen Wunder gekommen. Im Sommer kamen in Winnenden drei eineiige Mädchen-Drillinge zur Welt, wenige Monate später dann noch einmal in Böblingen, allerdings waren es drei Jungs.
Eineiige Drillinge entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle zunächst einmal und anschließend ein weiteres Mal teilt. So entstehen drei Embryonen mit identischem Erbgut.


