Leserbrief

Man sollte die Besteuerung von Bitcoin belassen, wie sie ist

Leserbrief zur Berichterstattung über Kryptowährungen im überregionalen Teil der gedruckten Ausgabe, den die „Südwestpresse“ verantwortet.

Mich ärgert die einseitige Berichterstattung zu Kryptowährungen und Bitcoin und die Meinung „Abgabe muss sein“. Zum einen weiß jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, dass es entscheidende Unterschiede zwischen Kryptowährungen und Bitcoin gibt. Wer beide in einen Topf wirft, zeigt, dass er keine Ahnung hat. Was die Besteuerung angeht, der sollte auch erwähnen, dass, soweit ich informiert bin, auch Gold‑An-und‑Verkäufe nicht besteuert werden wie Aktien oder Immobilienverkäufe. Und wer seinen Oldtimer, Gemälde o. Ä. verkauft, muss Gewinne, soweit ich weiß, auch nicht versteuern. Auf alles Steuern zu erheben und zu denken, dass das volkswirtschaftlich zum Guten ist, irrt meiner Meinung nach. Warum kann man die aktuelle Besteuerung von Bitcoin nicht belassen, wie sie ist? Ein Jahr Haltefrist und fertig.

Ich will hier mal das Thema Rente mit einstreuen. Es ist ja nun allgemein bekannt, dass es für viele in der Bevölkerung nicht gut bestellt ist. Ich mache mir auch Sorgen um meine Kinder, die werden es wohl noch schwerer haben als die Boomer-Generation. Bitcoin ist für mich und meine Kinder die Chance, in eine bleibende Zukunftstechnologie zu investieren, deren Wert ein tragendes Fundament für später sein kann. Die Entwicklungen von Bitcoin in den letzten Jahren sind enorm, und so wie es aussieht, ist Bitcoin gekommen, um zu bleiben. Die fundamentalen Eigenschaften von Bitcoin sind einzigartig. Der Staat sollte seinen Bürgern eigenverantwortliches Handeln nicht immer mit neuen Steuern versalzen. Ich will auch Verluste nicht steuermindernd geltend machen. Ich will eigenverantwortlich sein für Gewinne und Verluste, verschont mich mit den Steuern. Der Staat soll dafür sorgen, dass der Handel mit Bitcoin und Kryptowährungen reguliert ist, „Ja“, damit Betrügern das Handwerk gelegt wird und der Handel möglichst sicher ist. In diesem Bereich wurden ja auch schon wichtige Schritte getan. Klärt doch die Bürger lieber besser auf über Bitcoin.

Warum man Bitcoin oft mit Kriminalität in Verbindung bringen muss? Das ist ja auch eine einseitige Darstellung. Wer über den Dollar und den Euro spricht, lenkt ja auch nicht den Fokus auf die Kriminalität, die damit einhergeht. Natürlich wird auch Bitcoin für kriminelle Aktivitäten genutzt, wenn es dafür sinnvoll erscheint. So ist der Mensch halt nun mal, dass egal bei was, auch kriminelle Zwecke gesucht werden. Klärt die Leute auf, wie sie sich gegen kriminelle Machenschaften schützen können und was man im Umgang mit Bitcoin beachten sollte. Wobei Unfehlbarkeit bei Bitcoin genauso unrealistisch ist, wie beim Dollar und Euro.

Also, ich bin der Meinung, man sollte die Besteuerung von Bitcoin belassen, wie sie ist. Der Staat soll regulieren, dass alles geordnet zugeht im Bereich Krypto und Bitcoin. Uns Bürgern sollte er mal mehr Eigenverantwortung zumuten und den Freiraum zur finanziellen Gestaltung lassen, ohne dicke Steuern zu erheben. „Abgabe muss sein.“ Nö, warum? Es geht auch mal ohne, das muss auch mal drin sein – oder?

Thomas Renner, Herbrechtingen