Kultur

Ein furioser Singer-Songwriter beendete die Sommerkonzerte der Musikschule

Beim Auftritt von Axel Nagel war der Karl-Saal im Kloster Herbrechtingen vollständig besetzt. Wie der fulminante Allround-Musiker sein Publikum begeisterte.

Ein furioser Singer-Songwriter beendete die Sommerkonzerte der Musikschule

Beim letzten Sommerkonzert der Musikschule wurde aus „Musik im Klostergarten“ unkompliziert „Musik im Karl-Saal“. Das Wetter spielte für ein Open-Air-Konzert nicht mit, wovon sich weder die Musizierenden noch die 80 Zuhörer beeindrucken ließen, die stattdessen den stimmungsvollen Karl-Saal bis in alle Ecken ausfüllten.

Der Abend begann mit ein paar Stücken der Musikschule, und der Leiter des Streichorchesters Gottfried Götz hatte sich etwas Besonderes überlegt: Als „Vorband“ zum Singer-Songwriter Axel Nagel wollte er nichts Klassisches spielen, sondern führte mit seinem zwölfköpfigen Ensemble peppige Stücke des modernen Komponisten Martin Bärenz auf. Götz sang klasse und spielte einen Hit nach dem anderen: von „Halb acht in der Früh“ über den „Blues von der 4 in Mathe“ bis zu „Go, Lea, Go“ – alles war mitreißend vorgetragen und machte sowohl dem Publikum wie den Musizierenden großes Vergnügen.

Axel Nagel: poetisch, persönlich, hintergründig

An diesen gelungenen Einstieg knüpfte die „Hauptband“, der herausragende Musiker Axel Nagel, mühelos an. Nagel sang und spielte Lieder, die er in den vergangenen Jahren verfasst und komponiert hat, und dies mit einer Leichtigkeit und Hingabe, dass das Publikum von Anfang begeistert war. Er sang von seinen Beobachtungen, wie er sich Geschichten über Menschen ausdenkt (er fragt lieber nicht nach, meist ist die Realität nicht so spannend), was er an unscheinbaren Mauern und Ecken zu entdecken weiß und, nicht zuletzt, auch von der Liebe, manchmal nur in Gedanken. Seine Texte sind poetisch, persönlich, hintergründig und es war ein Genuss, sowohl Nagels Gedanken als auch seinen spannenden musikalischen Kompositionen zu lauschen.

Nagel ist nicht nur ein Singer-Songwriter, in verschiedenen Bands und Musikprojekten engagiert – auch am Theater Aalen -, sondern er zeigte ein Können und eine Weite, die herausragend waren. Er war quasi ein Ein-Mann-Orchester, er erzählte kleine Anekdoten zu sich und seinen Liedern, während er wie nebenbei die Loop-Station bespielte mit Gitarre, Percussion, Trommel, Mundgeräuschen, Stimme, Querflöte – unglaublich, was er da erzeugte. Diese von der Loop dann wiedergegebenen Sequenzen waren sozusagen sein Hintergrundorchester, das er mit den Füßen dirigierte, während er zugleich sein Hauptlied performte. Kein Song glich dem anderen, weder in seinen Texten noch vom musikalischen Arrangement her oder wie er seine ganz besondere Stimme einsetzte: mal zärtlich-poetisch, mal rauchig, rau, rockig. Blues, Jazz, Rock, Tango und ganz viel Eigenes flossen ein.

Ätherische Klänge mit dem Theremin

Auch das Theremin, ein 1920 erfundenes elektronisches Instrument, das berührungslos mit den Händen gesteuert wird und ätherische Klänge erzeugt, verwendete Nagel meisterhaft und sehr berührend. Der Musiker findet in den kleinsten Dingen Inspiration. In „Casa Ananda“ besang er ein kleines Traumhaus auf Sardinien, seinem vor einem Jahr verstorbenen Freund und leidenschaftlichen Musikerkollegen Thomas Winger widmete er das berührende Lied „Thomas und die Trommeln“. Er besang einen Turm und was dieser schon alles erlebt hat, den Zeitgeist, spannend, „Täglich Kunst“, witzig, und mitreißend über „Kaptain Elvis“ auf der Arche Noah. Sein Weltbild ist zutiefst human und von Sehnsucht durchdrungen. Er wünscht sich eine Welt, in der es egal ist, wo man herkommt, und wo alle Menschen zusammenkommen. Als Zugaben bot Nagel noch einen fantastischen Tango und eine starke, mehr eigene als Coverversion von „Mrs Robinson“. Drei Stunden Hochgenuss – ein gelungener Abschluss der Reihe „Musik im Klosterhof“.

Das weitere Programm der Musikschule

Bei der nächsten Veranstaltung der Musikschule treten die Musikkomiker „Gogol & Mäx“ am 7. Oktober in der Bibrishalle auf. Karten sind erhältlich im Pressehaus Heidenheim.