Nachweihnachtliche Bescherung

Womit die HDH Jazz-Connection ihr Publikum in Heidenheim begeisterte

Regelrecht aus dem Häuschen waren die Zuhörer beim Konzert der HDH Jazz-Connection in der alten Heidenheimer DHBW. Was das Publikum so begeisterte:

Auch wenn laut Kalender die Weihnachtstage schon gezählt waren, reichte Jazz Heidenheim ein schönes Weihnachtsgeschenk nach: Die HDH Jazz-Connection gab auf der Bühne in der alten DHBW ihr vielleicht bestes Konzert bislang.

Weit mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im ausverkauften Haus waren hellauf begeistert. Zurecht im Zentrum der Aufmerksamkeit stand Sängerin Regina Heiß, die in jedem Stück brillierte. „I am in love“, offenbarte sie dem überraschten Publikum, um mit Sebastian Wagner die Person ihrer Zuneigung gleich mit auf die Bühne zu bitten. Der Tenor-Saxophonist verstand sich nicht nur im Duett mit Heiß auf zartes Schmeicheln mit seinem Horn, er war eine Bereicherung für das gesamte Quartett. Auch in „Black Nile“ von Wayne Shorter zeigten Heiß und Wagner perfekte Übereinstimmung.

Gelungene Auswahl

Wer auch immer die Idee gehabt hatte, bei der Auswahl von Stücken sich heuer auf die zwei Interpreten Sarah Vaughan und Gregory Porter und deren Repertoire zu konzentrieren, hat einen Glücksgriff getan. Denn so deckte man einerseits ein gutes Stück Jazz-Geschichte seit dem Swing ab, dem Golden Age, und blieb zudem fest dem Melodiösen verbunden. Für Heiß war es aber sehr wohl eine knifflige Aufgabe, einerseits dem 1971 geborenen Bariton-Star Porter nahezukommen und mit Vaughan (1924–1990) andererseits eine Sängerin zu fassen, die eine junge, spritzige Stimme hatte, und eine späte, von Nikotin und Krankheitsspuren belastete.

Doch Heiß stemmte diese Last locker und gelöst. Als Sängerin mimt sie nicht die Tragödin, sie bauscht nicht auf und macht auch nicht auf cool. Sie ist Erzählerin von Geschichten, die nicht die ihren sein müssen, aber die sie versteht. Ihre Stimmführung ist präzise, sie wechselt mühelos die Lagen und scattet mit Leidenschaft und Temperament.  „The Lady’s In Love With You“: Danach durfte sich das Publikum fühlen.

Eigenen Stil gefunden

Heiß, die aus Sontheim-Stubental stammt, hat ihren Stil gefunden. Es ging auch bluesig zu an diesem Abend, man jagte im Up-Tempo des Bebop, erzählte Balladen voll Trauer wie „Water Under Bridges“.  

Gerade ein- bis zweimal pro Jahr kommt die Jazz-Connection für Proben zusammen, ansonsten behilft man sich mit Videos und den sozialen Medien. Es zeigt die Klasse aller Musiker, dass trotz fehlender Team-Routine beim Auftritt nichts wackelte, sondern alles passte. Ein virtuoser Schlagzeuger wie der Heidenheimer Hans Fickelscher ist freilich immer eine sichere Basis für jedwede musikalische Fantasie. Leicht und elegant unterlegte er seine Rhythmen.

Griffiger Sound

Andreas Schmid wusste den Walking-Bass so zu spielen, dass der Sound immer griffig und erdig war. Er war das Drehkreuz für das musikalische Geschehen. Den Conférencier und Charmeur im erweiterten Quartett machte wie gewohnt mit Vorliebe Martin Sörös. Seine Güte und sein Ausdrucksreichtum am Flügel sind immer wieder stupend. Aber auch der drängte sich nie beim Spielen auf.

Recht gern hörte das Publikum zu, als Sörös berichtete, dass es für ihn weder in Paris noch in Shanghai so schön zu spielen gewesen sei, wie jetzt beim Konzert von Jazz Heidenheim. Zum Ende dann großer Beifall, zwei Zugaben und die Hoffnung, dass es auch an Weihnachten 2026 ein Konzert der HDH Jazz-Connection geben wird. Es wäre dann das fünfte.