Manchmal gibt es Situationen im Leben, in denen man nicht mehr weiterweiß. Es gibt Streit mit dem Partner, Gewalt in der Familie, man fühlt sich einsam, hat den Arbeitsplatz verloren oder kein Geld mehr, um Essen zu kaufen. Und manchmal findet man für solche Probleme keinen Ansprechpartner, weil nahestehende Menschen zu involviert sind, weil man sich schämt – oder weil im Umfeld schlichtweg niemand da ist, mit dem man reden könnte.
Für alle erdenklichen Problemlagen bietet das Diakonische Werk eine Anlaufstelle an: die Sozial- und Lebensberatung. Wer sich dort meldet, bekommt ein Erstgespräch, und zwar normalerweise zeitnah, denn: „In der Regel eilt es“, sagt die Sozialpädagogin Marei Biesinger, die zusammen mit ihrer Kollegin Stefanie Jaritz die Beratungsgespräche führt. „Wir wollen für alle Menschen in Notlagen da sein, entweder als erste Anlaufstelle oder als letztes Netz“, erläutert Daniel Osti, Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Heidenheim.
Finanzielle oder seelische Nöte
Wer sich an die Sozialberatung wendet, sei oft in einer existenziellen Krise. Dabei gebe es nicht nur finanzielle Notlagen, sondern auch seelische Nöte wie Trennungsprobleme oder Einsamkeit, erzählt Marei Biesinger. Die Gespräche sind für die Betroffenen kostenlos, die Mitarbeiterinnen, die zusammen eine 75-Prozent-Stelle haben, werden von der evangelischen Kirche finanziert. Die aus der Bibel begründete Nächstenliebe versteht Biesinger auch als Grundlage ihrer Tätigkeit, wobei Konfession oder Religionszugehörigkeit für die Beratung keine Rolle spielen.
Der erste Schritt in einem Beratungsgespräch sei immer, die Probleme zu analysieren, sagt Daniel Osti. Häufig sei es nicht nur ein Lebensbereich, in dem etwas im Argen liege, sondern mehrere, sodass man zunächst herausfinden müsse, wo man ansetzen könne. Oft warten die Menschen auch sehr lange, bevor sie sich an die Sozialberatung wenden: „Dann haben sie überhaupt keinen Spielraum mehr und schon die Zuzahlung von fünf Euro für ein Rezept in der Apotheke wird zum Problem“, so Sozialpädagogin Biesinger.
Probleme mit der Bürokratie
Oft seien es aber auch Probleme mit bürokratischen Abläufen, bei denen Menschen Unterstützung benötigen, erzählt Stefanie Jaritz: „Man ist mit sehr vielen Anträgen und Formularen konfrontiert, wenn man staatliche Hilfen beantragen muss“, sagt sie. Gerade an diesem Punkt hofft Daniel Osti auch auf digitale Unterstützung, etwa durch eine App, die vom Diakonischen Werk Württemberg entwickelt wird. „Es wäre für uns großartig, die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen aus der Beratung herauszubekommen, damit wieder mehr Zeit für Gespräche bleibt.“
Vermittlung an die richtige Stelle
Manchmal besteht die Arbeit von Marei Biesinger und Stefanie Jaritz auch darin, die hilfesuchenden Menschen an die richtige Stelle zu vermitteln. Denn die beiden können weder eine Therapie noch medizinische Hilfe anbieten, und für bestimmte Problemlagen gibt es spezialisierte Anlaufstellen, auch innerhalb des Diakonischen Werks, etwa die Schuldner- oder Suchtberatung. Aber auch eine rechtliche Beratung oder Betreuung können die Sozialpädagoginnen nicht anbieten, dafür wissen sie aber, wer sich im Landkreis Heidenheim darum kümmert.
298 Menschen haben sich im Jahr 2024 an die Beratungsstelle gewandt, das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2022, als sich 156 Hilfesuchende beim Diakonischen Werk gemeldet haben. Von den 298 Klientinnen und Klienten kamen 222 nur einmal zur Beratung, die anderen hatten mehrmals Kontakt zu den Sozialpädagoginnen. Die Zahl der jährlichen Beratungsgespräche ist seit 2021 kontinuierlich gestiegen, von 253 auf 478 im Jahr 2024.
Auch über die Lebenssituation der Ratsuchenden sagt die Statistik der Diakonie etwas aus: Von den 298 Menschen, die 2024 beraten wurden, hatten 113 Personen minderjährige Kinder in ihrem Haushalt. 144 kamen aus dem Heidenheimer Stadtgebiet, 134 aus dem Landkreis Heidenheim und neun von außerhalb. 113 Personen waren in einem Arbeitsverhältnis, 72 erhielten Bürgergeld, 29 waren Rentner, 20 bezogen Arbeitslosengeld, 17 Personen andere Sozialleistungen, vier Asylbewerberleistungen und zehn hatten keinerlei Einkommen.
Finanzierung ist schwierig
Das Angebot der allgemeinen Sozialberatung in allen 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg wird von der freien Wohlfahrtspflege zumeist ohne öffentliche Gelder bereitgestellt. Laut dem Diakonischen Werk steigt der Bedarf nach Beratung in den vergangenen Jahren stark an. Gleichzeitig sinken die finanziellen Mittel der Kirchen durch abnehmende Kirchensteuereinnahmen. Das Diakonische Werk versucht vor allem durch Projektanträge und Spenden, das Angebot aufrechtzuerhalten.
Erreichbar ist die Sozial- und Lebensberatung der Diakonie unter Tel. 07321.4881300 oder per E-Mail an info-diakonieheidenheim@elk-wue.de. Die Räume des Diakonischen Werks befinden sich in der Bahnhofstraße 33 (Paulusgemeindehaus) in Heidenheim.


